Dieses Stück des bekannten Dramatikers ist 30 Jahre alt und wirkt bereits wie eine Mischung aus Märchen und Science Fiction. Es erzählt vom Anfang der unseligen Vermischung zwischen Arbeits- und Privatleben und den marktförmigen Anforderungen von Flexibilität und Erfolg, die wir tief in uns eingesogen haben.
Die Ingredienzen des »guten Lebens« werden uns inzwischen von Möbelherstellern, Telefonanbietern und Lebensmittelketten zur Verfügung gestellt: »Besser leben«, »Einfach leben«, »Wohnst du noch oder lebst Du schon?«. Wir drechseln atemlos unsere Musterlebensläufe und kollabieren irgendwann in einem Wahnsinn namens »burn-out«, »work-life-balance« oder fortgesetzten Beziehungskrisen – mit und ohne Kinder.
Bei Franz Xaver Kroetz ist dieser komplexe Sachverhalt auf grausam lustige Weise zu studieren an der Geschichte zweier höchst unterschiedlicher Ehepaare, die in einen psycho-mathematischen Feldversuch geschickt werden. Emmi und Edgar, Helga und Hermann suchen jeweils ihren Vorteil – im Job, in der Liebe, als Paar und als Einzelunternehmer ihres jeweiligen »guten Lebens«. In der Firma der beiden Männer wird gerade umstrukturiert und technisch auf ein neues Zeitalter umgerüstet, die Frauen kämpfen um ihre eigenen Rollen jenseits des »Herdes«. Kinder machen oder »wegmachen«, alles kommt jetzt mit auf die Rechnung und Sexualität wird zum Macht- und Druckmittel. Eine explosive Mischung, es knallt gewaltig, und dann…? Das Ende wird hier nicht verraten.
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