Sie reden um ihr Leben, geben Lektionen in Menschenführung und verkünden ein Manifest von der Kraft des Kapitalismus. Sie sind teil eines Systems, das in zyklischen Krisen »überschüssiges Material« entwertet. Jetzt sitzen sie in der Vorhölle – im »Himbeerreich« – entsorgt aus dem Zentrum der Macht, aber gesegnet mit Abfindungen und Privilegien.
Theater in Freiburg
Der Dokumentarfilmer und Autor Andres Veiel (u.a. »Black Box BRD«) hat 25 gefeuerte Investmentbanker anonym zu ihrer Arbeits- und Lebensphilosophie befragt und daraus einen Theatertext entwickelt. Diese Inszenierung findet ihren Reiz darin, dass ältere Darsteller und Darstellerinnen der »methusalems« in die Perspektive der Investmentbanker eintauchen. Veiels Material wird auf seinen existentiellen Kern abgeklopft und gleichzeitig in Form einer augenzwinkernden Revue präsentiert.
Freunde der Kunst
Das Augenmerk der »methusalems« liegt auf Grundeigenschaften wie (Neu)gier, positiver Aggressivität oder einem gesunden Herdentrieb, die genau die Gesellschaft hervorgebracht haben, die uns jetzt in Erstaunen versetzt. Wenn uns in zwanzig Jahren jemand fragt: »Und das alles habt Ihr wirklich nicht gewusst?«, sollten wir jedenfalls nicht Zusammenzucken oder meinen, diese Frage hätte nichts mit uns zu tun. Die »methusalems« zeigen uns mit Verve, wie man in dem ganzen Schlamassel gute Führung praktiziert, frei nach dem Motto: »Gute Führung bedeutet zu schauen, wo die Herde hinwill – und dann vorne weg zu laufen«. Und klar: Unsere Wetten auf den Tod der Herde sind alle schon platziert!


Sie reden um ihr Leben, geben Lektionen in Menschenführung und verkünden ein Manifest von der Kraft des Kapitalismus; © Maurice Korbel

