Die Figuren äußerlich identiscch gemacht und dennoch strikt gegeneinander typisiert. Herodes ein lüsterner Schwächling, dessen Selbstwertgefühl an einem überdimensionierten Schwert als veräußerlichtem Symbol seiner Macht hängt. Durch und durch künstlich. Repräsentant einer geistig maroden Gesellschaft, zusammengehalten durch pure Machtbesessenheit. Herodias, die Gemahlin des Tetrarchen , ständig mit Goldkugeln spielend und aus Langeweile gefährlich. Salome, ein verwöhntes Gör, grausam triebhaft und triebgestört zugleich, die letzte Königstochter einer untergehenden, dekadenten Welt, Ikone eruptiver Sexualität. Ihr Leben ist die Verweigerung der Entsagung. Ihr Festhalten an der Liebe um jeden Preis enthält in seiner Ungeheuerlichkeit ein utopisches Element, ist ein anarchischer, absurder Akt der Rebellion. Wildes Salome ist eine antichristliche Interpretation der christlichen Zeitenwende, bei der die antike Welt der Liebe liquidiert wird. Jochanaan wird nicht nur als äußerst unsympathische Version von Johannes dem Täufer vorgeführt, sondern vielmehr als Fanatiker, der mit der Eindeutigkeit und Intoleranz des Ideologen spricht. Der von ihm angekündigte Einbruch des Christentums in die dekadente Welt der Antike wird als apokalyptische Katastrophe dargestellt.
Termine: 8.-11.6., 15.-17.6., 22.+25.6.,1.+2.7., 8.+9.7., 15.+16.7. – jeweils 20 Uhr
Mit einem Vorspiel bestehend aus Schriften, Texten von und über Oscar Wilde, drei Akten und einem Nachspiel
Musik von Karlheinz Stockhausen, Oscar Sala, Traditionell
Für die Katakombe neu entdeckt und hergestellt von Marcel Schilb
Neue Übersetzung: Solange Vigny
Dramaturgie: Claudia Mann
Auf der Bühne:
Herodes Antipas, Tetrarch von Judäa . . . . . . . Alexander Voigt
Herodias, Gemahlin des Tetrarchen . . . . . . . . Christine Richter
Salome, Tochter der Herodias,
Stieftochter des Herodes . . . . . . . . . . . . . . . . Mirjam Tertilt
Stimme des Jochanaan . . . . . . . . . . . . . . . . . Marcel Schilb
Zum Autor: Oscar Wilde, der witzige Komödienschreiber. Liebling der englischen Gesellschaft. Von der gleichen Gesellschaft ins Zuchthaus geschickt. Auf dem Londoner Bahnhof öffentlich verhöhnt. Erbärmliches, krankes Leben der letzten Jahre im Pariser Exil. 1854, 16. Oktober, Geburt in Dublin/Irland, 1873 Universitätsstipendium. 1875 Reise mit seinem Lehrer Mahaffy nach Italien. 1877 Griechenland. 1888 erstes Drama: „Vera oder die Nihilisten“. 1881 Reise nach Amerika. 1885 erster Sohn geboren. Ab 1888 literarische Aktivität.1891 Beziehung mit Lord Douglas. 1895 Strafprozess, 2 Jahre Zuchthaus. 1900 stirbt Wilde am 30. November in Paris. Er schrieb an einen Freund: „Ich bin im Herzen Franzose, der Geburt nach aber ein Ire und von den Engländern dazu verurteilt, die Sprache Shakespeares zu sprechen“.
Clara Möller
Theater DIE KATAKOMBE e.V.
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