Es regnet. Obwohl es gute Gründe dafür gegeben hätte, hat es Helene Alving nie vermocht, ihren Mann endgültig zu verlassen – aus Angst oder um der Fassade willen. Jetzt, nach seinem Tod, lässt sie ihm zum Andenken ein Kinderheim errichten. Zur Einweihung erscheint Pastor Manders, zu dem sie einmal vor ihrem Mann geflüchtet war, und auch Sohn Oswald kehrt heim aus Paris. Als dieser mit dem Hausmädchen Regine anbändelt, sieht Helene Alving alte Gespenster wiederkehren – denn Regine ist die uneheliche Tochter ihres verstorbenen Mannes und eines Dienstmädchens. So bohrt sich die Vergangenheit in die Gegenwart: Die Folgen von vernunftwidriger Moral und verdrängten Taten brechen auf – und plötzlich brennt auch noch das Kinderheim.
Das nur zwei Jahre nach Nora geschriebene Stück sollte zunächst Frau Alving heißen und war als Fortsetzung konzipiert – indem es weiterschreibt, was geschehen wäre, wenn Nora zu Hause geblieben wäre. „Gespenster musste geschrieben werden“, vermerkt Ibsen, „ich konnte beim Puppenheim nicht stehen bleiben; nach Nora musste notwendigerweise Frau Alving kommen.“ Nora und Gespenster: Der schmerzhafte Spagat zwischen Moralvorstellungen und praktischer Vernunft, zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Schein und Sein – Kay Voges wird die beiden berührenden und gleichsam erschreckenden Porträts zweier implodierender Familien in einem Grund-Bühnenbild inszenieren.
Schauspieler v.l.:
1) Friederike Tiefenbacher
2) Luise Heyer, Björn Gabriel
3) Friederike Tiefenbacher
Kontakt
Djamak Homayoun
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