Gesellschaft Freunde der Künste

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von Jules Massenet

Theater in Bonn: Thaïs - Comedie-lyrique nach dem gleichnamigen Roman von Anatole France

Die legendäre Ägypterin Thaïs, die im 4. Jahrhundert nach der Bekehrung durch den Eremiten Paphnutius all ihrer Besitztümer entsagte und sich zur Buße für ihren bisherigen Lebensstil für vier Jahre in die Abgeschiedenheit der Wüste zurückzog, fand bereits im 10. Jahrhundert als literarische Gestalt ihren Weg auf die Bühne: Hrotsvit von Gandersheim schrieb nach 962 ein Drama in Form einer Dialoglegende über die als exemplarische Büßerin verehrte Heilige.

Theater in Bonn

Über 800 Jahre nach ihr griff der spätere Nobelpreisträger Anatole France für seinen Roman Thaïsauf diese Quelle zurück und formte ihn auf der Grundlage einer frisch gewonnenen Skepsis um. Zwar gelingt es dem Mönch Athanaël, Thaïs zur Umkehr zu bewegen – doch da er sich seinerseits in sie verliebt hat, gelangt er zu der für ihn bitteren Erkenntnis, dass Entsagung und Verzicht nicht gottgewollt sein können.

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Dieser Roman war die Vorlage für Jules Massenets 1898 in zweiter Fassung im Palais Garnier überaus erfolgreich uraufgeführte Oper, die bis in die späten fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts allein an der Pariser Opera über 700 Vorstellungen erlebte. Unter den Sängerinnen, die die ungeheure Dankbarkeit der Titelpartie für sich erkannt haben, waren in jüngerer Zeit u. a. Anna Moffo, Beverly Sills, Leontyne Price und Renée Fleming. Dem deutschen Publikum ist THAÏS wohl in erster Linie durch die immer wieder im Konzertsaal zu hörende méditationréligieuseaus dem ersten Bild des zweiten Aktes für Violine und Orchester im Bewusstsein, ein betörendes Zwischenspiel, das hinsichtlich des musikalischen Wertes des Oper unbedingt als pars pro toto gehört werden darf.

michael.seeboth(at)bonn.de