Eigentlich hatte Georges Bizet eine harte, realistische »Carmen« im Sinn, die Prosper Mérimées gleichnamige Novelle für die Opernbühne adaptiert. Doch in dieser Form wollte sie 1875 kaum jemand sehen, zu schockierend war dieses »unmoralische Stück«: »Wie wahr, aber wie anstößig!«, lautet das Urteil von Presse und Publikum gleichermaßen.
Erst als »Carmen« nach Bizets Tod zur großen Oper umgearbeitet wurde, trat das Werk seinen Siegeszug über die Bühnen der Welt an und wurde zur populärsten Oper überhaupt - vielfach umgesetzt auch in Film und Tanz.
Doch was macht diese »Carmen« wirklich aus, jenseits von Kastagnetten, Stierkampf und Schmuggleridyll? Was geht uns diese Frau mit ihrem unbändigen Freiheitsdrang heute noch an? Welche unbewussten Sehnsüchte und Leidenschaften lauern hinter dem Klischee der unzähmbaren »femme fatale«?
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© Wil van Ierse