Gesellschaft Freunde der Künste

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eine der wichtigsten Pioniere des neuen belgischen Tanzes

Tanz in Bern: Rosas/ Anne Teresa De Keersmaeker (Brüssel) «En Atendant» Eröffnungsfeier am 19. Oktober 2011

Anne Teresa De Keersmaeker ist die wichtigste Pionierin des neuen belgischen Tanzes. Sie hat sich in den dreissig Jah­ren seit ihrem Eintritt in die internationale Tanzszene ständig neu erfunden. Im Rahmen von TANZ IN. BERN präsentiert sie mit ihrer Kompanie Rosas gleich zwei Stücke: Während «En Atendant» den Tag ausklingen lässt, läutet «Cesena» – eine Zusammenarbeit mit graindelavoix/Björn Schmelzer – die frühen Morgenstunden ein. Dies zu Musik aus dem 14. Jahrhundert.

 

Letztes Jahr brach Anne Teresa De Keersmaeker in ihrer ständig weiter gehenden Untersuchung der Verbindung von Musik und Tanz wieder zu neuen Ufern auf. Nach Bach und Webern in «Zeitung», den Beatles in «The Song» und Mahler in «3Abschied», beschäftigt sie sich in «En Atendant» mit der Ars Subtilior, einer komplexen und intellek­tuellen Form von polyphoner Musik aus dem 14. Jahrhundert, die auf Dissonanz und Kontrast basiert. «En Atendant» wurde ursprünglich für das Festival d’Avignon 2010 kreiert, wo es zwischen den Steinmauern im Hof eines alten Klosters, dem Cloître des Célestins, uraufgeführt wurde. Es weist zurück ins 14. Jahrhundert, in eine Zeit des Umbruchs. Die Pest wütete in Europa, und die sozialen, politischen und religiösen Festungen des Mittelalters begannen zu bröckeln. Heute, so glaubt Anne Teresa De Keersmaeker, scheinen diese Umwälzungen relevanter denn je. Im Lichte der heute zunehmend verwirrenden Ereignisse und der Komplexität der Entscheidungen, vor denen wir stehen, werde die Frage nach der eigenen Sterblichkeit und Körperlichkeit immer dringender.

 

1982 setzte Anne Teresa De Keersmaeker mit ihrem Stück «Fase, Four Movements to the Music of Steve Reich» die Tanzräume unter Strom. Das hatte man noch nie gesehen: Zwei Frauen, Anne Teresa De Keersmaeker und Michèle Anne De Mey, dieselben Haarschnitte, dieselben Kleider, dieselben (Strassen-) Schuhe und Socken. Sie lassen im ers-ten Duo zu «Piano Phase» ihre Arme pendeln, während sie sich um sich selbst drehen, endlos schier. Das Stück, drei Duette und ein Solo zur minimalistischen Musik von Steve Reich, folgt der Logik der Kompositionen – die Choreografie nimmt dessen Prinzip der Phasenverschiebung auf. Ein Name für diese neue Art von Tanz war schnell zur Hand: Minimal Dance. Das Stück war der Auftakt zum neuen belgischen Tanz – und es ist wohl Anne Teresa De Keersmaekers meist aufgeführtes Werk. Ein Jahr später präsentierte sie mit «Rosas danst Rosas» ihre eigene Kompanie, und während Jahren stand der Name Rosas für den überaus präzisen, abstrakten Minimal Dance.

 

Seither hat Anne Teresa De Keersmaeker einen langen Weg zurückgelegt. Ihre Tänze haben zusehends an Komplexität gewonnen. Die Schritte der Rosas folg-ten der Fibonacci-Reihe, Spiralen, den Regeln des Goldenen Schnitts. Zuwei­len bildeten Texte eine weitere Ebene, und mehr und mehr auch experimentierte die Choreografin mit Improvisation. Geblieben sind die unglaublich präzi­se Arbeitsweise und der einzigartige Zu­gang zu Musik völlig unterschiedlicher Richtungen. Eine Künstlerin, die sich ständig neu erfindet, sich aber immer treu geblieben ist.

 

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Avec «En Atendant», Anne Teresa De Keersmaeker entame une nouvelle étape dans sa recherche de l’alliance entre danse et musique. Après Bach et Webern dans «Zeitung», les Beatles dans «The Song» et Mahler dans «3Abschied», elle prend cette fois pour point de départ l’Ars Subtilior, une forme musicale polyphonique intellectuelle complexe du XIVe siècle émanant de dissonances et de contrastes. L’Ars Subtilior s’est développé dans la pagaille laissée par la peste et par l’Église, au moment où les piliers sociaux, politiques et religieux de la société médiévale volent en éclats. Aujourd’hui, ce désarroi semble plus que jamais d’actualité. Au milieu de la complexité des choix contemporains et du caractère insaisissable de ce que nous vivons, la question de notre matérialité, de notre condition de mortels, occupe à nouveau une place centrale.

 

 

In «En Atendant», Anne Teresa De Keersmaeker is taking a new step in her exploration of the combination of music and dance. After Bach and Webern in «Zeitung», The Beatles in «The Song» and Mahler in «3Abschied», this time her starting point is the Ars Subtilior: a complex and intellectual form of polyphonic music from the 14th century that is based on dissonance and contrast. Ars Subtilior developed on the ruins of the plague and the Church at a time when the social, political and religious pillars of mediaeval society were fragmenting. Nowadays this upheaval seems more relevant than ever. In the light of today’s increasingly confusing events and the complexity of the choices we face, the question of our mortality and physicality is becoming ever more crucial.

 

Das Engagement von ROSAS im Rahmen des Festivals TANZ IN. BERN wurde dank der grosszügigen Unterstützung der Beatrice und Otto Tschumi Stiftung ermöglicht.

www.rosas.be

weitere Spieldaten: Do, 20. Oktober 2011, 19:30

 

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