Der C/O’s e.V. setzt vom 19. März bis 31. Mai 2011 die Serie Talents unter dem Titel On the Lakeshore ...and other Stories mit Fotografien von Iris Janke und Texten von Julia Pattis fort.
Talents präsentiert junge Fotografen und Kunstkritiker an der Schwelle zwischen Ausbildung und Beruf. Die Eröffnung findet am Freitag, den 18. März 2010, um 19 Uhr im Postfuhramt in der Oranienburger Straße 35/36 statt.
„Ereignisse folgen nicht nur aufeinander, sie haben nicht nur einen chronologischen Verlauf. Sie erfahren entsprechend ihrer Zugehörigkeit zu der einen oder anderen Vergangenheitsschicht eine fortwährende Veränderung.“ Gilles Deleuze
Ist es einfach, vom eigenen Leben fotografisch zu erzählen? Mittlerweile ist die Kamera ständiger Begleiter des Alltags, Fotografie eine Selbstverständlichkeit. Sie dient als Erinnerungsbild und Gedächtnisstütze, als Vergewisserung des eigenen Daseins und Beleg für Familie und Freunde.
Meist ist diese Privatfotografie jedoch eine lose Anreihung von Momenten. Empfindungen, Emotionen und Einschätzungen bleiben zusammenhangslos, stark kodiert und hermetisch. Iris Janke macht ihr Leben zum Inhalt ihrer Fotografie – und somit öffentlich lesbar.
Sie bewegt sich auf einem schmalen Grad zwischen Reflexion und Intuition, zwischen Kontrolle und Zufall. Tagtäglich trifft sie Entscheidungen, denn jeder einzelne Moment könnte bedeutend für die Narration ihres visuellen Tagebuchs sein.
Aus einer Vielzahl von Motiven und Ereignissen muss sie diejenigen herausfiltern, die Erzählkraft haben, Strukturen offenlegen, Bezüge herstellen. Von eigenen Leben im Medium der Fotografie zu erzählen ist schwierig, wenn man darüber hinausgehen möchte! Ein Projekt ohne Abschluss, work in permanent progress.
Starke erzählerische Kraft entwickeln Iris Jankes Fotografien durch die spezielle Anordnung – nie linear, sondern assoziativ auf Grundlage von Wahrnehmung und Erinnerung.
Sie kombiniert Bilder unterschiedlicher Inhalte frei zu thematischen Clustern. Quadratische Bilder wechseln sich mit Hoch- und Querformaten ab, Farbfotografien mit Schwarz-Weiß-Bildern, ältere mit aktuellen Aufnahmen.
Ausgewogen komponierte und zum Teil inszenierte Bilder verknüpft sie mit beiläufigen, fast schnappschussartigen Fotos. So reflektiert jedes Bild ein anderes, kommentiert oder ergänzt es.
Iris Janke erweitert ihre Werke sogar um eine weitere Zeitebene, indem sie Bilder aus dem Familienarchiv ihrer Eltern integriert. Immer wieder werden ihre Fotos von weißen Seiten unterbrochen, die Pausen in der Narration markieren.
So deutet Iris Janke kleine Geschichten an, spinnt sie an anderer Stelle weiter und erzählt sie doch nicht zu Ende. Zwar entstehen Verknüpfungen und Assoziationen, jedoch auch sonderbare Zwischenräume und Leerstellen, die die vergehende Zeit geradezu spürbar machen.
Die Anordnung in freier Kombinatorik entspricht der autobiografischen Erzählstruktur. Denn das Leben hat keine Geschichte im wörtlichen Sinne. Es verläuft nicht teleologisch, sondern verkettet Situationen und kann sich in alle Richtungen verzweigen.
So arbeitet Iris Janke gegen trügerische Vorstellungen von Abgeschlossenheit und Einheit. Die intensive Bildgestaltung und die eigenwillige Zusammenstellung lassen die Fotografien über rein individuelle Erinnerungsbilder hinausgehen.
Die Offenheit ihres Oevres schafft Projektionsflächen – der Betrachter kann in diesen Bildern sein eigenes Leben einbringen und über die Schnittpunkte von menschlichen Beziehungen, Erinnerung und Zeit reflektieren.
Eine Richtung des Sehens, die mehr nach Innen als nach Außen geht, macht die Faszination der hermetischen und doch offenen Poesie der Bilder von Iris Janke aus.
Iris Janke, geboren 1975, studierte bis 2003 Visuelle Kommunikation an der Universität der Künste in Berlin und Bildende Kunst an der Königlichen Kunstakademie in Stockholm. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Rahmen der Rencontres d’Arles, in der White Box in München und in der Galerie Chateau d`Eau in Toulouse ausgestellt.
Serienauszüge sind in zahlreichen Publikationen wie Camera Austria, Ein Magazin über Orte und auf der Website von Photo Espana veröffentlicht worden. Iris Janke lebt und arbeitet in Berlin.
Julia Pattis, geboren 1980, studierte Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim und ein Auslandssemester Kunst- und Filmwissenschaften an der Universität Bologna.
In ihrer Diplomarbeit setzte sie sich mit dem Vergleich von Totenmasken und postmortalen Fotografien im 19. Jahrhundert auseinander. Seit 2009 ist sie wissenschaftliche Volontärin in der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen Berlin. Julia Pattis lebt und arbeitet in Berlin.
Nachwuchs fördern und ihm eine erste Chance für die Zukunft geben – Talents ist kreativer Campus für junge internationale Gegenwartsfotografie und Kunstkritik.
Seit 2006 fördert der C/O’s e.V. mit dieser Ausstellungsreihe angehende Fotografen und Kritiker, die sich an der Schwelle zwischen Ausbildung und Beruf befinden. Begleitet wird jede Einzelausstellung von einer Publikation, in der Bild und Text einen Dialog eingehen.
Talents ist ein internationaler Wettbewerb, der jährlich ausgeschrieben wird. Aus den eingereichten Bewerbungen wählt eine Fachjury jeweils vier Fotografen für einen Jahrgang aus.
Mit Hilfe starker Partnerschaften schickt C/O Berlin die Fotografen und Kunsthistoriker in die Welt; denn dieses in Europa einzigartige Programm ist für viele junge Künstler der Ausgangspunkt für Ausstellungen, z.B. in den Goethe-Instituten Stockholm, New York oder Santiago de Chile.
Talents 22 . On the Lakeshore ...and other Stories
Iris Janke / Julia Pattis
Ausstellung 19. März bis 31. Mai 2011
Eröffnung Freitag, 18. März 2011 . 19 Uhr
Öffnungszeiten täglich . 11 bis 20 Uhr
Eintritt 10 Euro . ermäßigt 5 Euro
Veranstalter C/O‘s e.V.
Ort C/O Berlin . Postfuhramt
Oranienburger Straße 35/36 . 10117 Berlin
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