Gesellschaft Freunde der Künste

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Suche nach Heimat: Kaltes Land Heisses Land Heiliges Land am Staatstheater Kassel

Johanna Kinder ist überglücklich: Endlich ist er heimgekehrt, der verloren geglaubte Sohn Moritz. Auch Moritz’ ehemalige Geliebte ist froh über seine Rückkehr. Am liebsten würden sie das Ereignis der ganzen Dorfgemeinschaft mitteilen und gemeinsam mit ihnen feiern. Doch Moritz möchte unentdeckt bleiben und entzieht sich vollständig der überbordenden Liebe und Zuneigung, die man ihm entgegenbringt. Er flüchtet zu seinem Freund Bertel, dem einzigen Menschen, bei dem er sich wohl fühlt und so sein kann, wie er ist. Bei Bertel schlägt ihm wenigstens keine unreflektierte Bewunderung entgegen.

Der verzeiht ihm nicht einmal, dass er das Dorf heimlich und mit unbestimmtem Ziel verlassen hat, ohne ihn, wie versprochen, mitzunehmen. Die Beiden verbindet ein tiefes Verständnis füreinander, denn sie teilen die gleichen Sehnsüchte. Beide fühlen sich wie Fremde in der Heimat. Für die Dorfgesellschaft ist Moritz ein Ausnahmemensch.

Sein Freiheitsdrang, seine Ruhelosigkeit, seine Maßlosigkeit und Unberechenbarkeit üben eine magische Anziehung auf die Bewohner aus. Er erscheint als Identitätsstifter als einer, der ihre Sehnsüchte zu stillen vermag. Doch Moritz begreift sich als Außenseiter. Er kämpft mit seiner Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit. Und je mehr er sich verweigert, desto stärker werden die Integrationsbestrebungen der dörflichen Gesellschaft.

Als Moritz sich scheinbar doch mit einem Leben im Dorf arrangieren kann, kommen seine rücksichtslosen und grausamen Taten ans Tageslicht, und aus dem geliebten, wieder gefundenen Sohn wird der verstoßene Sohn. Am Ende sind die Sorge um den guten Ruf, um Ansehen und vermeintlich moralische Integrität doch stärker als Faszination und Liebe.

Das Stück des jungen Autors Benedikt Bernhard Haubrich ist eine Heimatsaga mit einer Sprache aus unbekannter Zeit. Ein Stück über die Suche nach Heimat, über die Hoffnung auf Selbstbestimmtheit und das Aushalten von Verantwortung und deren Konsequenzen. Benedikt Bernhard Haubrich, geboren 1979 in Mainz, studierte Geisteswissenschaften an der Freien Universität Berlin und Schauspielregie am Max-Reinhardt-Seminar Wien.

Seit der Spielzeit 2005  / 2006 ist er Regieassistent an der Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin. KALTES LAND HEISSES LAND HEILIGES LAND ist nach STROMABWÄRTS sein zweites verlegtes Theaterstück.

Inszenierung: Patrick Schlösser

Ausstattung: Ben Baur  

Dramaturgie: Stephanie Winter

Besetzung: Frank Richartz  (Moritz Kinder), Christina Weiser  (Johanna Kinder, seine Mutter), Birte Leest  (Elisabeth, seine ehemalige Geliebte), Björn Bonn  (Bertel, sein Freund), Uwe Rohbeck  (Toll, der Wirt), Enrique Keil / Uwe Steinbruch / Jürgen Wink  (Dorfgesellschaft)  .

Aufführungsort: Staatstheater Kassel www.staatstheater-kassel.de am 21.6.2009