Am kommenden Sonntag, den 28. August 2011 gibt es am Staatstheater Wiesbaden mit der Wiederaufnahme von Das Erdbeben in Chili (Inszenierung: Tilman Gersch) wieder die Gelegenheit, ein besonderes Theaterevent zu erleben. In der sonst der Öffentlichkeit vorenthaltenen Unterbühne des Großen Hauses wird Heinrich von Kleists spannende Geschichte vom Erdbeben in Chili gespielt.
In St. Jago, der Hauptstadt des Reiches Chili, bebt die Erde. Mit den Gebäuden stürzt auch die autoritäre Regierung. Auf den Hügeln oberhalb der Stadt entsteht für kurze Zeit ein Utopia, eine Solidargemeinschaft jenseits aller Schranken und Klassen. Auch Klosterschülerin Josephe, der zum Tode verurteilte Sträfling Jeronimo und ihr neugeborener Sohn Philippe finden hier einen Ort des Friedens. Als die Domglocken in der Stadt zum Dankesgebet läuten, vergessen Josephe und Jeronimo alle Vorsicht und folgen dem Ruf. Doch unten, in der Hölle von St. Jago, sind die alten Mächte schon wieder am Werk. Kaum hat das Paar den Dom betreten, hört es eine Hetzpredigt gegen die angebliche Schande seiner Liebe. Diesmal entkommen die beiden nicht, und die Utopie einer humanen und gerechten Welt stirbt mit ihnen.
Anlässlich des Architektursommers Rhein Main 2011 öffnet sich den Zuschauern der geheimnisvolle Raum in den Katakomben des Theaters und ein sonst verborgener Ort wird zugänglich.Bereits vor der Vorstellung führen Priska Janssens und Ernst August Klötzke Sie Backstage hinter die Kulissen, und zeigen wo geprobt, geschneidert, geschminkt, gemalt wird.
Bitte beachten Sie, dass aufgrund des besonderen Bühnenortes nur eine begrenzte Zuschauerzahl Platz findet.
Inszenierung Tilman Gersch |Raumkonzept Dominik Scheiermann | Kostüme Brigitte Lorenian Mit: Michael von Bennigsen | Sybille Weiser | Jörg Zirnstein
Preise Vorstellung: € 12,50 | erm. € 8,50 | Führung: € 5,–
Einlass über Bühneneingang / Warmer Damm
Sandra Ihrig
Presse- und Öffentlichkeitsreferat
Tel. 0611. 132 329; Fax 0611. 132 307
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Martin Kaufhold
Theaterfotograf
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Pressestimmen:
Der Wiesbadener Hausregisseur Tilman Gersch hat Kleists Erzählung für die triste Unterbühne mit verblüffender Wirkung inszeniert. Das Wagnis, den Prosatext in Dialoge umzusetzen, hat er glücklicherweise umgangen. Gersch lässt drei Schauspieler den Kleist-Text sprechen/reportieren und darstellerisch präsentieren. Der Reiz des kunstvollen Dichterwortes bleibt so erhalten. Die Regie umgeht dabei dröge Rezitation und verlangt dem Darstellertrio schonungslosen Körpereinsatz und ein Höchstmaß an Emotionen ab. Einprägsame Bilder wecken Assoziationen von Apokalypse und Menschen am Rande der Existenz. Jörg Zirnstein überzeugt mit großer Intensität. Ein gelungenes Experiment.
Frankfurter Neue Presse, 28.02.2011
Es ist – wie schön – kein künstlich aufgepepptes Schauspiel geworden, sondern eine Verstärkung des Textes durch szenische Verlebendigung. Das Erzählte also wird aufgeteilt zwischen den dreien, die daneben freilich auch ihre jeweiligen Rollen haben. Die spielen sie, während das Netz der Erzählung sie verknüpft. Das gelingt in bruchloser Spannung, wie auch die Weitergabe der Sätze von einem zum anderen. Kleists Sprache mit ihren alten syntaktischen Preziosen klingt dabei wie aus einem Guss, wo bei deren Eigenwilligkeiten durchaus hervorgehoben werden, was Sybille Weiser in leicht artifiziellem Duktus besonders gut gelingt. Lange Gedankenpause vor dem Applaus. Es war ein Kompliment an Darsteller und Regisseur für eine eindrucksvolle Leistung.
Wiesbadener Kurier, 26.02.2011
Kleists Text hebt geradezu an und wird durch die kleine Gruppe gereicht: eine Stunde lang, sehr präzise, manchmal mitten im Satz, aber stets im Fluss. Der Abend hat eine klare Hierarchie. Zuerst Kleist, dann der Rest. Dass seine Erzählung es aber ist, die den verstörten, unwichtigen, ein wenig rührenden Fremden im leeren Raum Worte gibt, hat eine große Wirkung. Das unfassbar ausufernde Schreckliche kanalisiert sich in Sätze, deren Perfektion unzweifelhaft ist. Nicht jeden Tag wird die Kunst des Wortes im Theater derart gefeiert.
Frankfurter Rundschau, 28.02.2011
Gersch gelingt es, mit sparsamsten Mitteln eine maximale Wucht in seiner Inszenierung zu entfalten. Eine Wucht, die die ganze grausame Vergeblichkeit des Daseins der Figuren des kurzen Textes zu verkörpern versteht. Und die schmerzlich klar macht, dass Glück manchmal nur einen Augenblick lang währt. Um im nächsten Moment in einer verzerrten Maske in einem kalten Keller zu erstarren.
Main-Netz, 28.02.2011

