Um selbst König zu werden, ermordet Macbeth König Duncan. Doch Macht bringt keine Sicherheit: Weitere Morde folgen, um den Machterhalt zu sichern. Lady Macbeth rät ihm dazu und nährt Angst und Ehrgeiz in ihm. Schließlich werden die Toten übermächtig, und die Schuld brennt sich in ihre Seelen ein. Lady Macbeth verfällt dem Wahnsinn, Macbeth wird ermordet – auf dass der Kreislauf aus Machtergreifung und Machtverlust wieder beginne.
Salvatore Sciarrino zählt zu den bedeutendsten Komponisten des Musiktheaters der Gegenwart. In seinem 2002 uraufgeführten „Macbeth“ verdichtet er Shakespeares Werk in neun Szenen und schafft „tre atti senza nome“ – drei namenlose Akte. Sciarrinos Musik verweigert der literarischen Prominenz der Mörder jeden falschen Glanz, jeden Anschein charismatischer Identität. Sie zeichnet den gehetzten Atem, die verräterischen Laute zwischen Sprache und Schweigen nach. Es entsteht das eindringliche Bild flüchtiger Kreaturen, und Verwunderung stellt sich ein, wie der Mensch so schattenhaft und mörderisch zugleich die Welt eine Weile bewohnt.
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