Sultan Schahriar war von der Falschheit und Unbeständigkeit der Frauen so überzeugt, dass er einen Eid schwor, jeder seiner Frauen nach der Brautnacht den Tod zu geben. Scheherazade jedoch rettete ihr Leben, indem sie sein Interesse an den Geschichten erregte, die sie ihm während tausendundeiner Nacht erzählte. Von Tag zu Tag verschob der Sultan, neugierig auf die Fortsetzung der Geschichten, ihre Hinrichtung und gab schließlich seine blutige Absicht auf.
Diese Inhaltsangabe findet sich am Ende der Partitur von Nikolai Rimski-Korsakows sinfonischer Suite „Scheherazade“. Scheherazade sabotiert und manipuliert den Sultan durch ihr Erzählen von Geschichten und rettet sich damit das Leben. Doch hinter dem märchenhaften Exotismus verbirgt sich weit mehr als der Sieg der Menschlichkeit über die Gewalt.
Am Staatstheater Kassel wird jetzt mit „Scheherazade“ unter der musikalischen Leitung von Marco Comin die erfolgreiche Zusammenarbeit von Staatsorchester und Tanztheater fortgesetzt. Tanzdirektor Johannes Wieland nimmt den Kern der Fabel ernst: Tausendundeine Nacht überleben, das ist vor allem die Geschichte einer Gefangenen, die nur durch Fiktion und Manipulation weiterleben kann. Es geht um eine Gegenüberstellung männlicher und weiblicher Strategien, ein ständiges Kräftemessen im Geschlechterkampf und die verschwimmende Grenze zwischen Wirklichkeit und Imagination.
In der ersten Hälfte des Abends tanzt das um neun Gäste verstärkte Tanzensemble des Staatstheaters Kassel zu einer Klanginstallation mit Bearbeitungen arabischer Lieder und Motiven von Rimski-Korsakow. In der zweiten Hälfte kommt das Staatsorchester Kassel unter der Leitung von Marco Comin hinzu und spielt Rimski-Korsakows sinfonische Suite „Scheherazade“.
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