Johanna hat dem französischen Heer den Sieg gesichert und Orleans befreit. Angetrieben von religiösen Visionen hat das charismatische Mädchen aus dem kleinen Dorf Domremy ihren Weg unbeirrbar verfolgt: Im Auftrag göttlicher Stimmen will sie Frankreich aus der Macht der feindlichen Engländer befreien und den Dauphin Karl VII. zur Krönung nach Reims führen.
Doch im grausamen Kriegsgetümmel, in all dem Morden und Gemordetwerden, überkommen Johanna Zweifel an ihrer Mission, die solche Unbarmherzigkeit von ihr verlangt. Als sie sich zudem in den englischen Anführer Lionel verliebt, den sie auf dem Schlachtfeld besiegt hat, glaubt sie ihren göttlichen Auftrag endgültig verraten zugunsten irdischen Glücks. Schließlich wird sie von den Engländern gefangen genommen, der Inquisition überantwortet und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.
Die historische Jeanne d’Arc stieg zur Nationalikone Frankreichs auf und wurde 1920 heiliggesprochen. Im Jahr 1431 war sie nach einem Inquisitionsprozess als Hexe verbrannt worden. Schiller nutzte das historische Vorbild zur Ausgestaltung eines dramatischen Konfliktes, zum tragischen, weil unvereinbaren Aufeinanderprallen von Pflicht und Neigung. In Lydia Bunks Inszenierung geht die Titelheldin unbeirrbar ihren eigenen Weg, auch wenn dieser der herrschenden Doktrin in Form des inquisitorischen Gerichts zuwiderläuft und ihren Tod bedeutet.
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© Barbara Aumüller



