Es beginnt mit dem Anfang von allem. Und doch nicht. Im „Rheingold“ überlagern sich die Zeitschichten wie Wellen; die Geschichte hat bereits begonnen, wenn die Rheintöchter Woglinde, Wellgunde und Flosshilde das erste Mal „auftauchen“.
Darauf bedacht, das Rheingold nicht zu verlieren, wissen sie, dass ihr faszinierendes Spielzeug seinen unschuldigen Charakter verliert, sobald sein Besitzer der Liebe entsagt und einen Ring daraus schmiedet. Der Zwerg Alberich vom Volk der Nibelungen jedoch entreißt ihnen den Schatz und macht sich mithilfe der Zauberkraft des Rings das Nibelungenvolk untertan.
Der Göttervater Wotan indes befreit die Welt vom Chaos, indem er sie per Gesetzeskraft menschlicher gestaltet. Allerdings vergisst er darüber, dass Gesetze auch für denjenigen gelten, der sie festgeschrieben hat. Und wenn er, wenig später, den mit den Riesen Fasolt und Fafner vereinbarten Vertrag über einen Burgbau bricht und dabei die Göttin Freia verhökert, hat er sich selbst schon tief im Netz der Irrtümer verstrickt. So weiß der Feuergott Loge noch vor der eigentlichen Handlung des Bühnenfestspiels: „Ihrem Ende eilen sie zu, die so stark im Bestehen sich wähnen.“
Richard Wagner, der im Untergang der Nibelungenwelt wohl das Spiegelbild der realen Welt sah, begann in um-gekehrter Reihenfolge, sozusagen auf den Dresdner Barri-kaden, mit seiner Tetralogie zu „Siegfrieds Tod“. Angefangen bei der „Götterdämmerung“, arbeitete er sich über „Siegfried“ und „Walküre“ rückwärts bis zu „Rheingold“ vor.
Regie führt David Marton, dessen Arbeiten den Grenzbereich zwischen Musiktheater und Schauspiel ausloten, indem er bekannte Werke der Musikgeschichte mit außergewöhnlichen szenischen Situationen verbindet. Seine Inszenierung der „Lulu“ nach Alban Berg / Frank Wedekind, gezeigt in Hannover und Dresden, wurde vom Fachblatt „Deutsche Bühne“ zur Musiktheater-Inszenierung des Jahres 2009 gewählt.
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