Es ist endlich soweit: »Rantakala - Das Finnen-Festival« der Elbphilharmonie startet. Eine Woche lang präsentieren wir entlang der Reeperbahn einen bunten Querschnitt durch die finnische Musikszene.
Und wer bislang dachte, dass die Finnen außer Jean Sibelius, Heavy Metal und der Luftgitarren-WM musikalisch nichts zu bieten hätten, der hat sich getäuscht.
Kreatives Mastermind des Festivals ist der finnische Vielseitigkeitsmusiker und Andy-Warhol-Wiedergänger Jimi Tenor, der eine bemerkenswerte Metamorphose vom Underground-Techno-Guru zum Jazz-Künstler durchlaufen hat.
Er hat nicht nur das Programm von »Rantakala« mit uns entwickelt, sondern eröffnet das Festival auch am 12. Februar – gemeinsam mit dem legendären Afro-Beat-Drummer Tony Allen.
Ein Schwerpunkt von »Rantakala« gilt dem Jazz. So treten mit der finnischen Star-Bigband UMO Jazz Orchestra und der NDR Bigband gleich zwei Institutionen des Genres an. Außerdem gibt’s den sanften Trompeter Verneri Pohjola und den atmosphärischen Nordic Jazz von Markku Ounaskari & Samuli Mikkonen (»Kuára«).
Neben Jimi Tenor steht der Wundergeiger Pekka Kuusisto als eine Art heimlicher Residenzkünstler im Zentrum des Festivals. Er konzertiert mit dem Hamburger Ensemble Resonanz und mit dem UMO Jazz Orchestra und trifft sich mit Jimi Tenor in der Electronic Night Session. Dabei wechselt er spielend zwischen seiner historischen Violine und E-Geige, zwischen Notenblatt und freier Improvisation.
Mit dem Streichquartett Meta4, den fidelen Folk-Fiedlern von JPP und dem Akkordeon-Berserker Kimmo Pohjonen (mit Live-Ringkampf-Show!) geben sich noch weitere Schwergewichte der finnischen Musikszene ein Stelldichein.
Trotz der stilistischen Unterschiede sind die finnischen Musiker untereinander gut vernetzt und immer für einen Schwatz zu haben – sicher eine Besonderheit des Landes, das zwar fast so groß wie Deutschland ist, aber nur 5 Mio. Einwohner hat.
Besonders gut verfolgen lassen wird sich das in der hausbar im Schmidt Theater, die als Festivalbar den allabendlichen Ankerpunkt von »Rantakala« bildet. Vielleicht entsteht sogar dieselbe fröhliche Atmosphäre wie beim sommerlichen Fischgrillen am Strand, von dem sich der Name »Rantakala« herleitet.
Die Tickets für »Rantakala« können Sie direkt über unsere Homepage bestellen. Oder Sie rufen im Elbphilharmonie Kulturcafé an (Tel: 040 / 357 666 66); die Mitarbeiter dort nehmen Ihre Bestellung gerne entgegen. Festival-Bonus:
Bei der Bestellung von Normalpreis-Karten für mindestens drei verschiedene Konzerte erhalten Sie 20% Ermäßigung. Und damit Sie alle Spielorte gut erreichen, gilt Ihre Konzertkarte wie immer für die Fahrt zum Veranstaltungsort und die dazugehörig Rückfahrt im HVV-Gesamtbereich einschließlich Schnellbus.
Inhalt
Jimi Tenor & Tony Allen – Finnen-Groove trifft Afro-Beat
Jimi Tenor ist ein Wanderer zwischen musikalischen und geografischen Welten. In seiner Heimat Finnland entdeckte er Ende der 80er den Industrial, avancierte Mitte der 90er von New York aus zum Techno-Guru (»Take me Baby«) und wandte sich dann Berlin und dem Jazz zu.
Seine jüngsten Projekte entstanden zusammen mit Afrobeat-Größen wie Fela Kutis legendärem Drummer Tony Allen, der letzten Sommer übrigens seinen 70. Geburtstag feierte. So findet sich auf der Grünspan-Bühne ein All-Star-Team des Groove zusammen.
Samstag, 12. Februar / 20 Uhr
Grünspan / Große Freiheit 58
Details und Tickets
Meta4 – Drei Generationen finnischer Klassik
Klassische Musik hat in Finnland eine lange und reiche Tradition. Hier hören Sie nun gleich drei Generationen finnischer Musik in einem Konzert. Nicht fehlen darf natürlich der Stammvater, Jean Sibelius. Daneben stehen die Komponisten Jouni Kaipainen und Timo Alakotila auf dem Programm.
Beide sind sie in den 50er-Jahren geboren, könnten aber unterschiedlicher kaum sein: die Heimat Kaipainens ist der Expressionismus in der Tradition von Alban Berg, die Alakotilas die finnische Volksmusik.
Auch mit dabei ist ein Werk des Komponisten und Geigers Jaakko Kuusisto, der wie sein kleiner Bruder Pekka zur jüngsten Generation finnischer Klassik-Musiker gehört – genau auch wie das Streichquartett Meta4, das seit seinem Sieg beim Moskauer Schostakowitsch-Wettbewerb 2004 international Furore macht.
Sonntag, 13. Februar / 20 Uhr
St. Pauli Kirche / Pinnasberg / Antonistraße
Details und Tickets
Kuára – Nordic Jazz
Erst vor wenigen Monaten brachten Markku Ounaskari und Samuli Mikkonen unter dem Namen »Kuára« ihr Album »Psalms and Folk Songs« auf dem einschlägigen Label ECM heraus: Nachdenkliche, atmosphärische, nordisch-schlichte Jazzmusik, die jahrhundertealte Traditionen aufgreift und die endlose Weite des finnisch-russischen Grenzgebietes Karelien widerspiegelt.
»Mikkonens geheimnisvolle Harmonien und Ounaskaris sparsame rhythmische Textur bilden eine Musik voller versteckter Bedeutungen, die sich erst nach und nach erschließen.« (all about Jazz)
Montag, 14. Februar / 20 Uhr
St. Pauli Kirche / Pinnasberg / Antonistraße
Details und Tickets
Elbphilharmonie Kulturgespräch: Jimi Tenor
Für das Finnen-Festival »Rantakala« haben wir bei Jimi Tenor um Unterstützung bei der Auswahl der Musiker angefragt. Und bekamen eine Liste mit zahlreichen ungewöhnlichen Künstlern mit eigenartigen Namen und musikalischen Vorlieben.
Im Elbphilharmonie Kulturcafé berichten Jimi Tenor und einige der »Rantakala«-Musiker über ihre Heimat Finnland, ihre Musik und lassen vielleicht auch ein paar erklärende Worte über den Titel des Festivals fallen.
Dienstag, 15. Februar / 18 Uhr
Elbphilharmonie Kulturcafé am Mönckebergbrunnen
Eintritt frei
JPP – Folk vom Feinsten
Zu Beginn der 80er-Jahre mischte eine Gruppe junger Geiger aus der Kleinstadt Järvelä die bis dahin recht überschaubare Folk-Szene auf; ihre kreativen Arrangements sorgten allenthalben für Begeisterung.
Dabei reichen die Wurzeln der Järvelän Pikkupelimannit (»Kleine Volksmusiker aus Järvelä«) über 100 Jahre zurück; mit zunehmender internationaler Anerkennung änderten sie ihren Namen schließlich auf das einfachere (und vor allem leichter auszusprechende) JPP. Nach wie vor sind die munteren Fiedler die oberste Instanz der finnischen Volksmusik.
Dienstag, 15. Februar / 20 Uhr
Docks / Spielbudenplatz 19
Details und Tickets
Lau Nau Trio – Experimentierfeld der Klänge
Hinter dem Künstlernamen Lau Nau verbirgt sich die freigeistige finnische Künstlerin Laura Naukkarinen. Seit ihrem gefeierten Debüt »Kuutarha« (2005) und dem Folgealbum »Nukkuu« (2008) genießt Lau Nau große Anerkennung für ihre intimen Ethno-Folksongs, die ihre Zuhörer mit höchst originellen Mischungen exotischer Instrumente und hauchfeinem Gesang in eine poetische Welt führt. Ihr zur Seite steht die finnische Videokünstlerin Pauliina Mäkelä, die die sanften Wohlklänge visuell untermalt.
Dienstag 15. Februar / 22.30 Uhr
Prinzenbar im Docks / Spielbudenplatz 19
Details und Tickets
Pekka Kuusisto & Ensemble Resonanz – Die wollen nur spielen
Nach Einschätzung des Guardian ist er »das beste, was der klassischen Musik seit langem passiert ist«: der finnische Geiger Pekka Kuusisto. Ob mit seiner 1752er Guadagnini oder mit der E-Geige, ob nach Noten oder Freestyle, Kuusisto verblüfft durch seine facettenreiche Individualität und seinen Ideenreichtum, seine Spontaneität und Frische.
Pekka Kuusisto sieht das so: »Ich spiele nicht, um anders als andere oder genauso wie jemand anderes zu sein. Ich spiele einfach so, wie ich denke und fühle.« Im Rahmen von Rantakala unternimmt er gemeinsam mit dem Hamburger Ensemble Resonanz einen abwechslungsreichen Streifzug durch den finno-ugrischen Kulturraum.
Mittwoch, 16. Februar / 20 Uhr
St. Pauli Theater / Spielbudenplatz 29
Details und Tickets
Die lange Nacht des finnischen Jazz
Willkommen zur langen Nacht des finnischen Jazz! Den Auftakt macht Kalle Kalima, finnischer Jazzgitarrist mit Wohnsitz Berlin. Kalle Kalima ist einer der umtriebigsten Musiker der Szene – »immer auf dem Sprung, unterwegs zum nächsten Gig, zum nächsten Projekt« beschreibt es Jazz Dimensions.
Seine Inspiration bezieht er nicht nur aus dem Jazz Coltranes und Colemans, sondern vor allem aus der Rockmusik, die er die »wahre Volksmusik Finnlands« nennt. An seiner Seite: die NDR Bigband, Hamburgs Jazz-Formation Nummer 1.
Die zweite Hälfte des Abends gehört Verneri Pohjola. Soeben hat der jüngste Spross einer legendären finnischen Jazzerfamilie sein erstes eigenes Album »Aurora« herausgebracht, das auch gleich mit dem bedeutendsten finnischen Musikpreis ausgezeichnet wurde.
Der Ton seiner Trompete verschwebt wie Nebelfetzen im Birkenwald – kein Wunder, dass Verneri Pohjola den großen Klangmagier Miles Davis als größtes Vorbild nennt.
Donnerstag 17. Februar / 20 Uhr
Schmidt Theater / Spielbudenplatz 24-28
Details und Tickets
Kimmo Pohjonen – Accordion Wrestling
Kimmo Pohjonen ist ohne Zweifel der martialischste Akkordeon-Berserker, den wie Welt je gesehen und gehört hat. Wie Naturgewalten brechen seine Shows über das Publikum herein. Nun hat er sogar noch handfeste Verstärkung mitgebracht.
Zehn Ringer treten bei seinem »Accordion Wrestling« an – eine Hommage an die jahrhundertealte Tradition, rituelle Ringkämpfe mit Musik zu begleiten. Bei Kimmo Pohjonen steigern sich Akkordeon, Stimme, Soundeffekte, Light Show und athletisches Kräftemessen zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk.
Damit Sie schnell zur nächsten Vorstellung ins Uebel und Gefährlich kommen, steht nach Konzertende ein Shuttlebus am Eingang Jarrestraße für Sie bereit.
Freitag, 18. Februar / 20 Uhr
Kampnagel (K6) / Jarrestraße 20
Details und Ticket
Jimi Tenor & Pekka Kuusisto – Electronic Night Session
Jimi Tenor und Pekka Kuusisto, die beiden zentralen Protagonisten des Festivals Rantakala, treffen sich zur Electronic Night Session – und dank ihrer Spielfreude, Vielseitigkeit und genialen Improvisationsgabe sind ihrer Musik keinerlei Grenzen gesetzt. Für das stilgerechte Nachglühen ist dann der finnische Produzent und DJ Risto Roman aka Desto zuständig.
Freitag 18. Februar / 22.30 Uhr
Uebel & Gefährlich / Feldstraße 66
Details und Tickets
UMO & Jimi Tenor & Pekka Kuusisto – Das große Finale
»Eine der besten Big Bands, mit der ich je gespielt habe« lobte die Jazzlegende Dizzy Gillespie – tatsächlich ist das UMO Jazz Orchestra mit über 30 Einspielungen eine der weltweit führenden Instanzen auf seinem Gebiet. Seit 1975 widmen sich Finnlands beste Jazzmusiker einem Repertoire von über 2.000 Stücken von Swing bis Modern Jazz.
Für Rantakala haben sie ein rein finnisches Programm zusammengestellt: im ersten Teil unter anderem eine neue Komposition von und mit Pekka Kuusisto, nach der Pause die deutsche Erstaufführung von Jimi Tenors neuem, gut fünfzigminütigem Werk. Willkommen zum großen Finale von Rantakala!
Sa 19.02.2011 / 19 Uhr
Docks / Spielbudenplatz 19
Nataly Bombeck und Nadin Hanzig

