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Sierra Leone: Journalistinnen mussten nackt durch Ort laufen

Im westafrikanischen Sierra Leone sind Anfang Februar vier Journalistinnen dazu gezwungen worden, nackt durch eine Ortschaft zu laufen, weil sie sich im Radio gegen die weibliche Genitalverstümmelung ausgesprochen hatten. Daraufhin wurden sie von eine Pro-Beschneidungs-Gruppe aus der Stadt Kenema im Osten des Landes verschleppt, entkleidet und sie durch die Straßen gezerrt, bis die Polizei und Menschenrechtler eingriffen.

"Wir sind noch immer ganz benommen", sagte die Journalistin Manja Balama-Samba der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. Hintergrund soll ihre Berichterstattung über eine Kampagne am Internationalen Tag "Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung" am 6. Februar gewesen sein.

Die Chefin der Bondo-Geheimgesellschaft, Haja Massah Kaisamba, bekannte sich zu der Verschleppung der Journalistinnen und begründete das Vorgehen ihrer Gruppe gegenüber der Presse damit, dass die Frauen sich unvorteilhaft über die Genitalverstümmelung geäußert hätten.

In Sierra Leone verfügen Geheim-Gesellschaften über starken Einfluss, weshalb viele Politiker aus Angst um den Verlust von Wählerstimmen davor zurückschrecken, sich für ein Verbot der Genitalverstümmelung auszusprechen. UN-Angaben zufolge sind in dem Land 94 Prozent der Frauen und Mädchen im Alter von 15 bis 49 Jahren beschnitten.

(red)