Während im Haus des Herodes eine ausschweifende Party stattfindet, bewacht Narraboth den Propheten Jochanaan, der wegen seiner Schmähreden auf das Lasterleben der Herodias im Kerker sitzt. Salome, die Tochter der Herodias, ist angeekelt von den lüsternen Blicken ihres Stiefvaters und dem leeren Geschwätz der Gäste. Trotz des strikten Verbots kann sie Narraboth überreden, den Propheten vorzuführen.
Zutiefst gebannt von der fremdartigen Erscheinung möchte sie Jochanaan küssen, doch dieser verflucht sie. Herodes wird von allen Seiten bedrängt: Die Juden fordern die Auslieferung des Propheten, für die Nazarener ist er ein Heiliger, Herodias verlangt, dass er zum Schweigen gebracht werde. Herodes bittet Salome, für ihn zu tanzen.
Als Gegengabe schwört er, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Salome fordert den Kopf des Jochanaan. Herodes versucht, sie umzustimmen – vergeblich. Salome verliert sich im Spiel mit dem abgeschlagenen Haupt. Als sie schließlich die toten Lippen küsst, befiehlt Herodes, sie zu töten.
Als Richard Strauss 1902 Max Reinhardts Berliner Inszenierung von Oscar Wildes Schauspiel „Salomé“, dessen Uraufführung in London von der Zensur verboten worden war, sah, war er sogleich Feuer und Flamme. „Das Stück schreit nach Musik“, erklärte er enthusiastisch und machte sich an eine Vertonung, die ihresgleichen sucht:
Nie zuvor ist das Flirrende und Dunstige einer schwülen Tropennacht so suggestiv in Tönen eingefangen worden, nie zuvor gab es eine Musik von derart überwältigender Sinnlichkeit wie in Salomes glutvoll sich verzehrendem Schlussgesang. Heute spielt „Salome“ längst nicht mehr die Rolle des Skandal-Schockers. Doch die Zeit ging nicht über sie hinweg, sondern deckte vielmehr immer neue Facetten auf.
Vom männerverzehrenden Vamp über das verwöhnte Luxuskätzchen bis hin zur frühchristlichen Märtyrerin – die Rollenbilder Salomes sind vielgestaltig: eine junge Frau auf der Flucht in ein irgendwie geartetes Anderssein. Ihre Tragik steigert sich durch die Unbedingtheit und Maßlosigkeit, mit der sie aus dem Leben, in dem sie gefangen ist, auszubrechen versucht. Sie reißt eine Welt auf, die durch Herodes’ Befehl „Man töte dieses Weib“ auch nicht mehr in ihren Fugen gehalten werden kann.
Die 1976 in Berlin geborene Tatjana Gürbaca gehört zu den vielversprechendsten Regisseurinnen ihrer Generation. Ausgebildet an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“, waren ihre Arbeiten in den letzten Jahren an vielen großen Häusern zu sehen, darunter die Staatsoper und Deutsche Oper Berlin, die Wiener Volksoper und die Oper Leipzig.
Im Team mit dem für seine unter die Haut gehenden Bildwelten bekannten Bühnenbildner Klaus Grünberg und der Kostümbildnerin Silke Willrett sorgte sie zuletzt mit ihrer Inszenierung von Tschaikowskys „Mazeppa“ an der Vlaamse Opera Antwerpen für internationales Aufsehen.
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Richard Strauss
(1864 - 1949)
SALOME
Musikdrama in einem Aufzug
Text vom Komponisten nach Oscar Wilde
In deutscher Sprache mit Übertiteln
Weitere Termine
Opernhaus Düsseldorf
Dezember 2009
Theater Duisburg
April 2010
Dauer: ca. 1 3/4 Stunde, keine Pause
Musikalische Leitung Christian Badea
Inszenierung Tatjana Gürbaca
Bühne und Licht Klaus Grünberg
Kostüme Silke Willrett
Dramaturgie Anne do Paço
Herodes Udo Holdorf
Herodias Renée Morloc
Salome Nicola Beller Carbone
Jochanaan Markus Marquardt
Narraboth Jussi Myllys
Page Katarzyna Kuncio
Erster Jude Simeon Esper
Zweiter Jude Michael Pflumm
Dritter Jude Markus Müller
Vierter Jude Manfred Fink
Fünfter Jude Benno Remling
Erster Nazarener Adrian Sampetrean
Zweiter Nazarener Florian Simson
Erster Soldat Rolf Broman
Zweiter Soldat Timo Riihonen
Cappadocier Lukasz Konieczny
Sklave Alma Sadé
Orchester Düsseldorfer Symphoniker
Theater Duisburg
April 2010
Dauer: ca. 1 3/4 Stunde, keine Pause
DEUTSCHE OPER AM RHEIN
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