Aus dem alten keltischen Mythos um die irische Königstochter Isolde und Tristan, den Neffen König Markes von Kornwall, schuf Richard Wagner (1813-1883) zwischen 1856 und 1859 seine Handlung, wofür er die Komposition des Ring des Nibelungen mitten im dritten Akt von Siegfried unterbrach. Nachdem Tristan und Isolde von der Hofoper in Wien (nach 77 Proben!) und weiteren Theatern als angeblich
unaufführbar abgelehnt wurde, sorgte erst die Protektion des bayerischen Königs Ludwig II. 1865 für die Uraufführung in München. Wagner verlegt die Tragödie ganz ins Innere der Figuren.
Der Liebestrank und die gesellschaftlichen Konventionen sind nur äußere Anstöße für die gegen sich selbst und die Mitmenschen rücksichtslose Verwirklichung einer Liebe, die die Grenzen des Individuellen nicht akzeptieren will. Der Versuch, mit dem anderen ganz eins zu werden, bleibt vergeblich und endet doch tödlich. Wagners Musik überschreitet dabei ebenso alle bis dahin vorhandenen Grenzen wie seine Protagonisten dies tun. „Die Kunst des Übergangs", wie Wagner seine Tristan-Musik charakterisiert, der Versuch, die extremsten Gegensätze musikalisch zu vermitteln und darstellbar zu machen, führt zu einer bis dahin unerhörten Intensität
des Ausdrucks.
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