Richard, Herzog von Gloucester, beschließt, "ein Bösewicht zu werden", weil ihm die Fähigkeit zum Lieben und Geliebtwerden fehlt. Tatsächlich ist der später gekrönte und abermals besiegte King Richard III. der überwältigendste Antiheld der Theaterliteratur. Richard fühlt sich von der Natur benachteiligt, ist missgestaltet, äußerlich und innerlich. Seine körperlichen Behinderungen haben ihn zu einem Zyniker gemacht, zu einem, der so manisch nach Liebe und Anerkennung sucht, dass ihm nur noch Hass und Kälte in der Seele geblieben sind.
Mit bestechender Intelligenz, brillantem Plan und schauspielerischer Raffinesse macht er sich auf den steilen Weg zum Königsthron und räumt alle Hindernisse beiseite: Skrupellos lässt er die Köpfe seiner nächsten Verwandten rollen, Ströme von Blut fließen und Frauenherzen, die der Faszination des Bösen nicht widerstehen, zerbrechen. Doch er selbst bleibt kühl und unbeteiligt, nur ein Drahtzieher des Unheils, das die eigene Karriere voranbringt.
Shakespeares frühes Historiendrama ist das verführerische Porträt eines monströsen Charakters, ein Panorama männlicher Machtphantasien und Durchsetzungsstrategien und ein hochmoderner Politthriller. Die Kraft, die sich im absoluten Willen zur Macht entfaltet, ist erschreckend und eindrucksvoll zugleich. Richard III. ist ein früher Faschist; die zerstörerischen Energien des selbsterklärten Opfers, des Deklassierten, pflanzen sich bis zu den Diktatoren unserer Tage fort: Brechts Gauner "Arturo Ui" war der Erste auf der Schauspielbühne in der Kongresshalle, sein Bruder im Geiste und literarisches Vorbild beschließt die zweite Spielzeit dort.
"The Tragedy of King Richard the Third", um 1592 entstanden, knüpft an "Henry VI" an und schließt Shakespeares Lancaster-Tetralogie ab. Das Geschichtsdrama bezieht sich auf die letzte Phase der Rosenkriege zwischen den Häusern Lancaster und York, die mit der Niederlage und dem Tod Richards III. in der Schlacht von Bosworth (1485) endeten.
Besetzung
• Inszenierung:Christoph Mehler
• Bühne:Nehle Balkhausen
• Kostüme:Anne Hölzinger
• Dramaturgie:Katrin Breschke
Premiere am 20.2.2010
Weitere Aufführungen bis zum 13.5.2010
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