Gesellschaft Freunde der Künste

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Hauptvertreter der »Neuen Wilden«

Rainer Fetting zeigt in seiner Ausstellung Manscapes viele Facetten der Männlichkeit - vom 2. Oktober bis 5. Dezember 2010 in Tübingen

Nachdem zum Jahresanfang mit der Mel-Ramos-Retrospektive der weibliche Akt Thema in der Kunsthalle Tübingen war, steht nun mit der großen Werkschau von Rainer Fetting sein männliches Gegenstück im Mittelpunkt. Infolge der Antikenrezeption galt der männliche Akt lange als Inbegriff der Schönheit.

Erst im 20. Jahrhundert sind Männerbilder als Reaktion auf die politisch instrumentalisierten Heldendarstellungen ins Abseits geraten. In den 1970er Jahren beginnt, zeitgleich mit einer breiteren Akzeptanz homosexueller Lebenskultur, das Bild des schönen Mannes wieder Eingang in die Kunst zu finden.

Rainer Fetting, der als Mitbegründer der Kreuzberger Galerie am Moritzplatz und Hauptvertreter der »Neuen Wilden« Berühmtheit erlangte, ist einer der international profiliertesten Vertreter dieser Renaissance des Männlichen.

Die intensiven Kontakte des Künstlers zu der diesbezüglich federführenden New Yorker Kunstszene sind in der Ausstellung durch ein Bild von Andy Warhol und eine Fotografie von Robert Mapplethorpe aus seinem Besitz belegt.

Fettings virtuose, meistenteils großformatige Gemälde in der Kunsthalle Tübingen machen deutlich, dass er das Thema der Männerbilder von 1974 an bis heute konsequent verfolgt. Es ist sein Verdienst, die verschiedenen Facetten männlicher Erotik und Identität ins Bild gesetzt zu haben.

Immer wieder treten die Körper auf seinen Gemälden auch in die Kontexte von Stadt und Natur oder verwandeln sich mit ihren modellierten Muskelbergen gar selbst in eine Landschaft.

Drei Bronzeplastiken, darunter eine aus der berühmten Willy-Brandt-Serie, dokumentieren überdies, dass Fetting sich auch als Bildhauer einen Namen gemacht hat. Fettings Arbeiten zeugen von sinnlicher Appetenz, emotionaler Authentizität und einer hohen kompositorischen Reflektiertheit.

Die Fetting-Ausstellung »Manscapes« ersetzt die geplante Gruppenausstellung Männerbilder. Kings & Twinks mit zeitgenössischen Künstlern zum männlichen Akt, die nicht realisiert werden konnte.

Im Zuge der Vorbereitungen hat sich jedoch die Chance ergeben, die Entwicklung dieses Sujet an den zwischen 1974 und 2010 entstandenen Arbeiten von Rainer Fetting zur Darstellung zu bringen.

So ist nun in der Kunsthalle Tübingen eine themenorientierte Männerbilder-Ausstellung zu sehen, und zugleich ein spezifischer Querschnitt durch das breite und freilich noch unvollendete Lebenswerk eines großen deutschen Malers der Gegenwart.

Rainer Fetting wird am 31. Dezember 1949 in Wilhelmshaven geboren. Er studiert an der Hochschule der Künste in Berlin bei Hans Jaenisch Malerei. Berühmt wird er ab 1977 als Mitbegründer der legendären Galerie am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg.

Sie bildet die Keimzelle der Bewegung der „Neuen Wilden", zu deren Hauptvertretern Fetting zählt. Ab 1983 lebt der Künstler hauptsächlich in New York. 1994 kehrt er zurück nach Berlin. 1996 gestaltet er für die SPD-Zentrale in Berlin eine Portraitplastik Willy Brandts, die Fetting auch als Bildhauer bekannt macht.

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