Gesellschaft Freunde der Künste

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Von Heiner Müller

Quartett am 27.3.2010 Bern

 

1782 schrieb Choderlos de Laclos den Briefroman Liaisons dangereuses, der die moralische Fäulnis des Ancien régime thematisierte. 200 Jahre später, acht Jahre bevor die Mauer fiel, nahm der grosse (ost-)deutsche Autor Heiner Müller diese Vorlage und machte daraus eine Reflexion über die Endzeit einer Epoche.

In einem «Salon vor der französischen Revolution/Bunker nach dem Dritten Weltkrieg» erwartet die Marquise de Merteuil ihren einstigen Liebhaber Vicomte de Valmont zum Quartett. Beide spielen mit vertauschten Rollen – und damit vertauschten Geschlechtern – eine alte Intrige nach, bei der Valmont in der Rolle der von ihm verführten Madame Tourvel an dem Gift stirbt, das ihm die Merteuil (als Valmont) reicht.

Alleingelassen auf dem Trümmerfeld ihrer ungestillten Leidenschaften muss die Marquise jedoch erkennen, dass es Erlösung nicht gibt, wenn selbst der Tod Theater ist.Ein amoralischer Rationalismus bildet die Grundlage dieses «intellektuellen Pornos» eines der bedeutendsten deutschen Bühnendichter. Es ist eine sprachlich hochkomplexe Demontage von Religion, Liebe und Moral, bei der im Sinne de Sades der Sexualakt zum Akt der geistigen Vernichtung umgedeutet wird.

Der Komponist Philipp Ludwig Stangl, der fest in Bern engagiert ist und hier u.a. die Bühnenmusik zu Rosa und Blanca, Endstation Sehnsucht, Homefront und Schwarze Spinne geschrieben hat, wird das Stück vertonen und so neben das sprachliche ein musikalisches Geflecht stellen, das die Präzision und Ausdruckskraft der Müllerschen Sprache heraushebt und konterkariert. Weiter wird eine Bildebene durch Projektionen hinzukommen, welche Sprache und Musik ergänzt und die Begegnung der beiden Figuren medial auflöst.

Die Medienproduktion entsteht in Zusammenarbeit mit dem ICEM Institut für Computermusik und Elektronische Medien, Folkwang Hochschule.

Besetzung

Inszenierung: Erich Sidler
Komposition und Video: Philipp Ludwig Stangl
Kostüme: Bettina Latscha

Merteuil: Heidi Maria Glössner

Valmont: Andri Schenardi

Premiere am 27.3.2010

Weitere Aufführungen bis zum 23.6.2010

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Links

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