Es gibt wenige Opern, die vom ersten Takt an dermaßen unter Hochdruck stehen. Wenige, in denen die Temperaturschwankung von eiskalter Berechnung zur Überhitzung in Sekundenschnelle vonstatten geht. Und kaum ein anderes Musiktheaterwerk, in dem private Verstrickung und persönliche Tragik so mit politischer Haltung in historischer Genauigkeit verwoben sind.
Puccinis Tosca hat seit der Uraufführung das Publikum elektrisiert. Die Schockwelle, die von dieser Oper ausging, war so stark, dass noch jahrelang viele Reaktionen eher von der Fassungslosigkeit und Überwältigung der Betroffenen sprachen als von den Qualitäten des Stückes selbst und seiner Dreiecksgeschichte um die Sängerin Floria Tosca, den Maler Mario Cavaradossi und den Polizeichef Baron Scarpia.
Das Künstlertum der Protagonisten ist dabei keine koloristische Zutat, sondern definiert das Profil ihrer Charaktere; es begründet die Exzentrik Toscas ebenso wie die Liberalität Cavaradossis und erklärt das ausgeprägte Selbstbewusstsein der Sängerin: Aus der Heroine der Bühne wird eine Heldin im Leben. Auch die Erscheinung Scarpias ist als Auswuchs seiner entfesselten totalitären Macht zu verstehen und sein sexueller Sadismus noch heute einer der wahrhaft skandalösen Momente der Opernliteratur.
Überhaupt ist das historische Detail nicht Staffage, sondern bildet »die Voraussetzung des Konflikts zwischen den Vertretern zweier gegensätzlicher Gesellschaftssysteme« (Norbert Christen) in einer Zeit der Krise. Mit seinem Geflecht musikalischer Erkennungsmotive, die sich – mit Ausnahme der starren Scarpia-Akkorde – sensibel den Situationen anpassen, erreicht Puccini eine neue Dimension von durchkomponierter Opernstruktur; im enorm dichten Zusammenhalt der Partitur schafft er dennoch Inseln, in denen sich Reflexion zu Momenten höchster arioser Intensität verdichtet.
Andreas Kriegenburg, einer der bedeutendsten Schauspielregisseure unserer Zeit, gibt mit Tosca sein Debüt an der Oper Frankfurt. Kirill Petrenko dirigiert seine dritte Premiere und erstmals an diesem Opernhaus ein Werk von Puccini.
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