Gesellschaft Freunde der Künste

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Proteststurm der Kulturschaffenden hält an - offener Brief an Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff

Offener Brief: Tanzsituation in NRW

Sehr geehrter Herr Staatssekretär,

vor 20 Jahren wurde das Musiktheater in Oberhausen geschlossen und gleichzeitig auch das Tanzensemble. Es folgte die Abschaffung dieser Kunstgattung in Köln, Bochum und seit dieser Spielzeit auch in Bonn. Während laut Bühnenjahrbuch von 1993 in NRW 358 Tänzerstellen existierten, sind es jetzt nur noch knapp 200 Stellen. Das bedeutet einen Abbau von über 40 Prozent.

Vom „Tanzland NRW“ kann keine Rede mehr sein, insbesondere nach dem Ratsbeschluss der Stadt Hagen, welche die Abschaffung der dortigen, sehr erfolgreichen Tanzkompanie vorsieht und den negativen Trend im Tanzbereich beschleunigt.

Unser Land entwickelt sich zu einem Standort, in dem Kunst immer mehr in Festival- oder Gastspielform gezeigt wird, aber vor Ort immer weniger Kunst produziert wird. Das führt bei den Künstlern zu einem drastischen Arbeitsplatzabbau und führt vor Ort zu wirtschaftlichen Nachteilen, sowohl für das Land NRW als auch für seine Kommunen. Eine Nachhaltigkeit des Angebotes ist dadurch nicht mehr gewährleistet. Städte außerhalb der Ballungszentren werden nicht weiter mit Tanz versorgt.

Bei jeder Finanzkrise der Kommunen wurden im Theater Einsparungen vorgenommen. Im Tanzbereich überproportional, und das, obwohl im Vergleich zu allen anderen Sparten am Theater das Verhältnis zwischen Ausgaben und Einnahmen beim Tanz am effektivsten ist. Trotzdem wird diese Sparte wegen der ihr fehlenden Lobby als Erstes vernichtet. Wenn dieser Trend Schule macht und sogar noch beschleunigt wird, dann hat Tanz keine Zukunft.

Die freie Tanzszene, die durchaus ihre Berechtigung hat, ist zu labil und daher nicht in der Lage die Zukunft des Tanzes zu sichern und die vielfältigen Stilrichtungen im Tanz anzubieten. Eine erfolgreiche und angenommene Kunstgattung zu dezimieren, sehen wir mit großer Sorge und als problematisch für die Abläufe im Theater. Der Tanz bildet eine gute Balance im Theaterbetrieb und sorgt für ein Gleichgewicht zwischen den Sparten. Er bietet eine dispositionelle Vielfalt, die für das gesamte Angebot sehr wichtig ist, um die unterschiedlichen Bedürfnisse beim Publikum zu befriedigen.

Wir begrüßen jede finanzielle Unterstützung für die freie Tanzszene. Dies kann aber kein Ersatz für eine etablierte und professionelle Kompanie sein. Die rigiden Einsparungsauflagen des Regierungspräsidenten gegenüber Kommunen mit Nothaushalt treffen das Theater am härtesten, da diese Ausgaben zu den so genannten freiwilligen Ausgaben gehören. Kultur darf nicht als Luxus angesehen werden, worauf in Krisenzeiten verzichtet werden kann.

Wir bitten Sie, mit uns eine Allianz gegen diesen Abbau zu bilden und einen Wiederaufbau von abgeschafften Tanzkompanien zu unterstützen. Ich bitte Sie dringend um ein Gespräch.

Mit freundlichen Grüßen Adil Laraki

GDBA Landesverbandsvorsitzender