Hast du nichts, bist du nichts. Die simple wie erbarmungslose Logik dieser Formel muss Lear auf bittere Weise am eigenen Leib erfahren. Dabei war er sich seiner gesellschaftlichen Position so sicher: Ein Mann, ein Herrscher, höchst respektiert, der zufrieden auf sein Lebenswerk blickt und sich nun im Kreise der Familie zur Ruhe setzen möchte. Gönnerhaft will er sein Imperium zu gleichen Teilen an seine drei Töchter vererben. Dafür müssen diese nur bekunden, wie sehr sie ihren Vater, den König, lieben.
Goneril und Regan bewegen sich perfekt auf dem Parkett der Gesellschaft und heucheln in großen Tönen höchste Bewunderung und tiefste Zuneigung. Nur die jüngste Tochter, Cordelia, macht nicht mit bei diesem Spiel. Sie will wahrhaftig sein und fasst ihre Liebe zum Vater in schlichte Worte. Lears Ego ist gekränkt. Cordelia wird verstoßen. Doch die Rechnung – Liebe gegen Macht – geht nicht auf.
Denn kaum ist der alte König seiner Ämter entkleidet, zeigen Goneril und Regan ihr wahres Gesicht. Sie sind jetzt die Mächtigen, die junge Generation, der Alte geht ihnen auf die Nerven, er passt nicht mehr in die neuen Abläufe.
Also wird er kurzerhand entsorgt. Bei Wind und Wetter setzt man ihn vor die Tür. Desorientiert und allein mit seinen letzten Getreuen irrt Lear über die Heide. Alles, was sein Ich bisher ausgemacht hat, zerbricht. Er versteht die Welt nicht mehr. Er verliert den Verstand.
Im „Lear“ entwirft Shakespeare einen düsteren Kosmos der Krise: Die Macht, die Familie, das Gemeinwesen, die Liebe, die Vernunft, das Ich sind einer extremen Zerreißprobe ausgesetzt und zutiefst fragwürdig geworden. In dieser krisenhaft zugespitzten Situation stellt Shakespeare die Frage nach dem Wert, nach der eigentlichen Natur des Menschen.
Was ist das Sein hinter dem Schein? Was trägt, wenn sich die Stützen der Identität als Illusionen erweisen, wenn kein Stein mehr auf dem anderen bleibt?
Regie Elmar Goerden
Bühne Silvia Merlo, Ulf Stengl
Kostüme Lydia Kirchleitner
Besetzung
Lear Klaus Weiss
Goneril Veronika Nickl
Albany Martin Bretschneider
Oswald Maximilian Strestik
Regan Evamaria Salcher
Cornwall Klaus Lehmann
Cordelia Elisabeth Hart
Gloster Manfred Böll
Edmund Michael Lippold
Edgar Marco Massafra
Kent Benno Ifland
Curan Sven Walser
Termine und Karten
02.10.2009, 19.30 Uhr , Kammerspiele, Premiere
05.10.2009, 19.30 Uhr , Kammerspiele
10.10.2009, 19.30 Uhr , Kammerspiele
28.10.2009, 19.30 Uhr , Kammerspiele
01.11.2009, 19.00 Uhr , Kammerspiele
Vorverkaufsbeginn am 21. August
Der Vorverkauf für Oktober beginnt am 21. August, für Abonnenten am 19. August 2009.
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Eröffnung am 01. Oktober
Das Programm für die nächste Spielzeit 2009 / 2010 ist erschienen. Eröffnet wird die fünfte und letzte Spielzeit von Intendant Elmar Goerden am 01. Oktober 2009 mit Anna Bergmanns Inszenierung von "Alice" im Schauspielhaus.

