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Bad Kissingen - ein königliches Vergnügen

Posaunist des Bad Kissinger Kurorchesters gewann einen Platz im „YTSO 2011“

Der sympathische Musiker wird im März zu einem musikalischen Großereignis nach Sydney reisen

Er hat es geschafft: Roman Riedel, seit 2003 Posaunist des Bad Kissinger Kurorchesters, darf im März 2011 nach Sydney reisen und mit dem „YouTube Symphony Orchestra 2011“ im Sydney Opera House unter der Leitung von Michael Tilson Thomas spielen. Zwölf Posaunisten hatten sich in der Finalrunde um einen Platz im Orchester beworben, doch nur zwei wurden ausgewählt. Riedel ist einer der beiden.

„Das wäre etwas“, hatte er sich gesagt, als er Anfang Oktober sah, dass es – nach dem ersten Projekt im Jahr 2009 – im Jahr 2011 wieder ein „YouTube Symphony Orchestra“ geben würde. Denn der Posaunist, der auf „sein“ Kurorchester nichts kommen lässt, hatte schon große Lust, zur Abwechslung wieder einmal in einem Sinfonieorchester zu spielen.

Also bereitete er sich, neben seinem Dienst, intensiv auf die Bewerbung vor, deren Verlauf ein wenig außergewöhnlich war. Abgesehen davon, dass für Bewerber ein Mindestalter von 14 Jahren galt, musste, wer im „YTSO 2011“ mitspielen wollte, über einen Account bei YouTube verfügen. Den hatte Riedel:

Zur Fußball-WM 2010 hatte er als „Mr. Vuvuzelaman“ der Welt auf dem Online-Portal bewiesen, dass man auch auf einer bunten Plastiktröte schöne Melodien spielen kann.

Das eigentliche Prozedere verlief dann so: Bis zum 28. November 2010 war ein Film hoch zu laden und online zu stellen, auf dem die Kandidaten – wie bei einem gewöhnlichen Probespiel – Pflichtstücke und Orchesterstellen vorzuspielen hatten.

Riedel hat sich für die Aufnahmen an zwei Tagen in den Rossini-Saal des Bad Kissinger Regentenbaus zurückgezogen und in stundenlanger Arbeit alles eingespielt. Am Ende hatte er zwei Takes mit dem gesamten Programm – ganz ohne Schnitte. Das entsprechende Video war mit der Teilnahmeseite zu verlinken.

Eine Fachjury, darunter Mitglieder der Berliner Philharmoniker und des London Symphony Orchestra, bewerteten die Leistung der Teilnehmer. „Dass es keinen Schnitt gibt, hat mit Sicherheit auch dazu beigetragen, dass mein Video gut bewertet wurde“, sagt Riedel.

Er kam in die nächste Runde. In der wurden die Videos von YouTube-Nutzern bewertet: eine Art „Publikumspreis“ für das beste Video – nur, dass das Publikum weltweit verstreut und in unübersehbar großer Zahl abstimmen konnte. Da musste man auch Werbung für sich machen. Riedel:

„Meine Familie, Nachbarn und nicht zuletzt mein Arbeitgeber, die Bayerische Staatsbad Bad Kissingen GmbH, und die Städtische Musikschule Bad Kissingen haben mich sagenhaft unterstützt. Das war fantastisch, und dafür bin ich sehr dankbar.

Es ist enorm, was für Wellen das geschlagen hat.“ Mundpropaganda, Presseartikel, Facebook- und ähnliche Einträge und sogar ein Aufruf auf der Seite der Staatsbad GmbH, für Riedel zu „voten“, haben dem Musiker viele positive Bewertungen eingebracht.

„Es war auch interessant, was für Reaktionen es von befreundeten Kollegen gab und von anderen, die ich nicht kannte. Das ist eine ganz ungewohnte Art, mit Musikern Kontakt zu bekommen.“

Letztlich entschieden haben über die Mitgliedschaft im „YTSO 2011“ dann Dirigent Michael Tilson Thomas und der Komponist Mason Bates, der für das Ereignis in Sydney ein Auftragswerk – es heißt „Mothership“ – geschrieben hat. Erfahren hat er es vor wenigen Tagen, doch seit dem 11. Januar 2011 ist es offiziell: Roman Riedel ist Mitglied des Projekt-Orchesters.

Er ist froh, dass alles geschafft ist, denn nun war für die Veranstalter noch ein Presseinfo zu machen und ein „introduction video“ aufzunehmen, auf dem die erfolgreichen Musiker sich persönlich vorstellen sollten. Riedel hat das auf die humorvolle Art gemacht: Natürlich ist sein zweites „Lieblings-Instrument“ von der Weltmeisterschaft wieder mit von der Partie.

Apropos „Weltmeisterschaft“: Aus Deutschland reisen außer ihm noch zwei Musiker nach Sydney; sie kommen aus Israel und den USA und studieren an deutschen Hochschulen. Ein deutscher Kollege, der in der Schweiz studiert, wird ebenfalls in Sydney dabei sein. Verdienen werden die Teilnehmer übrigens nichts:

Sie bekommen die Reise und den Aufenthalt komplett gesponsert, nehmen an Proben, Workshops und Kammerkonzerten teil. Riedel freut sich auf die Dozenten und das Kennenlernen anderer Spieler, außerdem darauf, „den Horizont zu erweitern“, wie er sagt. Denn um den Verdienst geht es bei der Sache gar nicht.

Es geht um das Erlebnis, mit Kollegen aus aller Welt, die auf unkonventionelle Weise zusammengefunden haben, Musik zu machen. „Musik ist die Sprache der Welt.“

So wird er in Sydney neben einem spanischen Kollegen an der Tenorposaune sitzen, während ein Italiener die Bassposaune und ein Amerikaner die Tuba spielt. Im Kurorchester wird er in der entsprechenden Märzwoche sicher nicht nur den Kollegen fehlen...

Bad Kissingen - ein königliches Vergnügen

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