Lia Rodrigues aus Rio de Janeiro, Choreografin und Aktivistin, ist eine Schlüsselfigur des zeitgenössischen Tanzes in Brasilien. Ihre Entscheidung, in einer Favela in Rio de Janeiro ein Studio aufzubauen und ihre Arbeit dorthin zu verlagern, unterstreicht den Anspruch, Kunst und gesellschaftliche Veränderungen miteinander zu verschränken.
Zum ersten Mal in Dresden, zeigt Lia Rodrigues zwei Stücke, die ihr breites künstlerisches Schaffen veranschaulichen. Rodrigues' Werkschau wird von einem Filmprogramm begleitet:
Pororoca
“Our simplest movement towards new paths, towards our dreams, takes us one step nearer to fulfilment.” (Jailson Silva)
Lia Rodrigues konfrontiert uns in ihrem neuen Stück Pororoca mit der Radikalität ihrer Körpersprache. Die Pororoca (übersetzt: "großer Lärm") ist eine Flutwelle, die an der Flussmündung des Amazonas entsteht und mehrere hundert Kilometer landeinwärts mit enormer Gewalt den Fluss überschwemmt. Ein gewaltiges Naturereignis, das Wellen verursacht und essentieller Teil eines fein abgestimmten Ökosystems ist.
Die Kraft, der Lärm und die Faszination dieses Spektakels sind Ausgangspunkte der neuen Produktion der brasilianischen Choreografin, die dieses Bild auf eine Gruppe überträgt und die Emotionen untersucht, die dadurch freigesetzt werden. Ausufernde Körperlichkeit trifft auf schmerzlich zerbrechliche Abhängigkeit.
Die Bewegungen der elf Tänzer dieser sehr physischen Performance scheinen sich spontan, frei und sinnlich zu entwickeln, zeugen aber von einer beinahe obsessiven choreografischen Präzision. Pororoca untersucht die Begriffe der Gemeinschaft und des Zusammenlebens. Wie schaffen wir es, eine Gemeinsamkeit herzustellen, Harmonie inmitten all des Chaos zu finden, das uns umgibt?
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