Hamburg, im Februar 2011.Schönheit und Begierde sind eng verwoben in Benjamin Brittens Frühwerk »The Rape of Lucretia«: Aufgrund ihrer Schönheit und ihrer ehelichen Treue wird Lucretia zum Lustobjekt der römischen Männer.
Getrieben von der Sehnsucht nach Lucretias Unschuld und Schönheit vergewaltigt Tarquinius sie. Indem er sie berührt, zerstört er, was er begehrt. Lucretia erträgt die vermeintliche Schande nicht und tötet sich. Schönheit führt zu ihrer Zerstörung.
Und gleichzeitig erscheint sie auch als Ausweg daraus. Denn Britten schreibt seine Oper kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Vernichtung übermächtig zu sein schien. Den menschlichen Vernichtungstrieb und seine Folgen hatte er bei einem Konzert im befreiten Konzentrationslager Bergen-Belsen selbst gesehen.
Nicht nur Adorno stellte die Frage, ob man nach Auschwitz überhaupt noch Schönes schaffen durfte. Brittens »The Rape of Lucretia« lässt sich als Antwortversuch verstehen; so gesehen ist sie ein Plädoyer für die Kunst als Ausweg, für die Schönheit gerade in Anbetracht der Vernichtung.
Die junge dänische Regisseurin Tine Topsøe bringt Brittens Kammeroper als Abschluss ihres Studiums der Musiktheater-Regie auf die Bühne der Opera stabile. Ihr besonderes Augenmerk gilt den Erzählerfiguren.
Die beiden begleiten die Handlung wie ein griechischer Chor, ihre Sicht auf die Geschichte ist indes eine heutige: »Die Suche der Erzähler nach dem Sinn des Daseins angesichts des menschlichen Zerstörungsdrangs«, so Tine Topsøe, gehört für sie zu den zentralen Fragen von Brittens erklärter Lieblingsoper.
Premiere: Sonntag, 13. Februar 2011 20.00 Uhr
Weitere Vorstellungen: 15., 17., 19., 21. und 23. Februar 2011, 20.00 Uhr
Opera stabile, Staatsoper Hamburg
Eine Diplominszenierung der Theaterakademie Hamburg in Kooperation mit der Hamburgischen Staatsoper.
Musikalische Leitung: Rebecca Hicks
Inszenierung: Tine Topsøe
Bühnenbild: Monika Diensthuber
Kostüme: Anja Wendler
Julius P Williams III (Male Chorus), Mary Osborne (Female Chorus), Ryszard Kalus (Collatinus), Ronaldo Steiner (Junius),Kazuhisa Kurumada (Tarquinius), Elisabeth Wöllert (Lucretia), Judith Thielsen (Bianca), Megan MacKenzie Tucker (Lucia)
Es spielt die Hamburger Camerata.
Karten zu 18 Euro (ermäßigt 12 Euro) sind erhältlich an der Tageskasse der Hamburgischen Staatsoper, unter der Telefonnummer 040 / 35 68 68, im Internet unter www.staatsoper-hamburg.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen.
Information:
Peter Krause
Hochschule für Musik und Theater
junges forum Musik + Theater
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Anja Bornhöft
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