Intermezzo giocoso in drei Akten
Text von Johann Philipp Praetorius nach dem Libretto von Pietro Pariato zu den Intermezzi comici musicale Pimpinone von Tomaso Albinoni
Uraufführung am 27. September 1725, Theater am Gänsemarkt, Hamburg
In deutscher Sprache
Dauer: ca. 1 1/2 Stunden ohne Pause
Er gehört zu den großen »Frankfurter« Komponisten, und von allen mit dieser Stadt verbundenen Tonsetzern war er zu seiner Zeit wohl der mit Abstand berühmteste. Georg Philipp Telemann kam aus Eisenach und blieb elf Jahre in Frankfurt, unangefochten an der Spitze des städtischen Musiklebens, als »Director musices« und als Kapellmeister an der Barfüßerkirche (der damaligen Hauptkirche, an deren Stelle heute die Paulskirche steht), später auch an der Katharinenkirche. Es lockte ihn – der zuvor herzoglicher Hofkapellmeister gewesen war – die »Republick«, wie er selbst schrieb, größere Freiheit der Lebensgestaltung.
Aber sicherlich nicht nur das: Ein guter Geschäftsmann war Telemann auch, seine Beziehungen zum Eisenacher Hof führte er fort, und binnen weniger Jahre brachte er es in Frankfurt zu einem der bestbezahlten Angestellten der Stadt. Dafür arbeitete er auch rund um die Uhr: Er komponierte mehrere Kantatenjahrgänge, leitete das Collegium musicum der Gesellschaft Frauenstein und organisierte wöchentlich öffentliche Konzerte. Einen Nachteil hatte die Stadt damals noch: Sie hatte kein Opernhaus.
Das aber war Telemann aus Leipzig gewohnt. Oratorische Werke wie die maßstabsetzende Brockes-Passion waren auf Dauer nur unvollkommener Ersatz für die Lust am musikalischen Theater. Als Telemann bei einem Dresden-Besuch seinen alten Freund Händel wiedertraf, scheint sich dieser Gedanke bei ihm verfestigt zu haben. Er schrieb ein neues Bühnenwerk, und zur Premiere dieser Oper, Der geduldige Socrates, reiste er nach Hamburg.
Da werden entsprechende Verbindungen geknüpft worden sein: Kurze Zeit später verließ Telemann Frankfurt und verbrachte die nächsten 46 Jahre in der Hansestadt. Dort übernahm er bald die Leitung der Oper am Gänsemarkt, komponierte für dieses Theater rund ein Viertelhundert Opern (von denen die meisten verschollen sind) und gelangte in wenigen Jahren zu Weltruhm. Nicht nur seine Begabung, auch eine junge Frau hatte Telemann mit nach Hamburg genommen. Fünf Jahre vor dem Umzug hatte er die 16-jährige Maria Catharina Textor geheiratet.
Die Tochter des Frankfurter Ratskornschreibers Andreas Textor erwies sich allerdings als Hypothek für den Komponisten: Nicht nur, dass sie ihn in Hamburg mit einem schwedischen Offizier betrog und er dafür öffentlichen Spott einstecken musste, sie verspielte auch sein ganzes Vermögen. Als Telemann das entdeckte, wurde es ihm zu bunt, und er schickte seine Frau zurück zu ihrer Verwandtschaft nach Frankfurt. Das immerwährende Spannungsverhältnis zwischen den Geschlechtern war ihm also persönlich wohlbekannt, und er thematisierte es auch in seinen Opern.
Eine davon – gerade ein Jahr nach der Affäre um den Schwedenhappen entstanden – ist Pimpinone oder Die ungleiche Heirat. Wie der Untertitel andeutet, ist das Stück keine eigenständige Oper, sondern sollte »als lustiges Zwischenspiel« eine Aufführung von Händels Tamerlano auflockern. Am 27. September 1725 fand die Uraufführung an der Hamburger Gänsemarktoper statt. Das Publikum war begeistert, das Werk wurde Telemanns größter Bühnenerfolg. Im 19. Jahrhundert verschwand Pimpinone von den Bühnen und geriet in Vergessenheit, um erst im Zuge der Telemann-Renaissance des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt zu werden.
Besetzung
Pimpinone
Yuriy Tsiple
Vespetta
Anna Ryberg
Der Therapeut
Jörg Schäfer
Aufführungen bis zum 19.6.2010
Kontakt
Oper Frankfurt
Holger Engelhardt
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