Gesellschaft Freunde der Künste

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realistische bilder nach fotografien

Picturing America: vom 7.3. bis 10.5.2009 in der Kunsthalle Deutsche Guggenheim in Berlin

Ende der 60er Jahre begannen mehrere junge Künstler in den USA damit, großformatige, realistische Bilder nach Fotografien zu malen. Sorgfältig bis ins Detail porträtierten sie Dinge, Orte und Menschen, die das städtische wie auch vorstädtische Alltagsleben in Amerika bestimmten. Im Unterschied zu den Popkünstlern, präsentierten die Fotorealisten ihre meist alltäglichen Themen nicht auf glamouröse oder ironische Weise. Sie versuchten vielmehr einen hohen Grad an Objektivität und Präzision in ihrer Arbeit zu erreichen und sich mehr oder weniger detailgetreu an die mechanischen Reproduktionen, die ihnen als Ausgangspunkt dienten, zu halten. Sie entwickelten vielfältige Methoden, fotografische Informationen systematisch auf die Leinwand zu übertragen. Indem sie dem fotografischen Blick den Vorrang vor dem menschliche Auge gaben, betonten sie die Komplexität des Verhältnisses zwischen Reproduktion und Reproduziertem sowie den Einfluss der Fotografie auf unsere Wahrnehmung des täglichen Lebens und der Wirklichkeit im Allgemeinen.

Bald wurden in rascher Folge verschiedene Begriffe zur Definition dieses neuen Ansatzes in der Malerei benutzt, vornehmlich Superrealismus, Hyperrealismus und Fotorealismus. Weder bildeten die als Fotorealisten bezeichneten Künstler eine geschlossene Gruppe noch verstanden sie sich als Teil einer Bewegung – viele von ihnen wandten sich sogar vehement dagegen, mit diesem Begriff in Verbindung gebracht zu werden. Nichtsdestotrotz beschäftigten sich die siebzehn in Picturing America: Fotorealismus der 70er Jahre vertretenen Künstler – Robert Bechtle, Charles Bell, Tom Blackwell, Chuck Close, Robert Cottingham, Don Eddy, Richard Estes, Audrey Flack, Franz Gertsch, Ralph Goings, Ron Kleemann, Richard McLean, Malcolm Morley, Stephen Posen, John Salt, Ben Schonzeit und Paul Staiger – in den späten 60er und 70er Jahren mit ähnlichen Fragestellungen, Verfahren und Themen. Dies führte dazu, dass Kuratoren ihre Arbeit als eine zusammenhängende Bewegung in der zeitgenössischen Kunst ausstellten, und Kritiker und Kunstgeschichtler als solche über sie schrieben. Picturing America konzentriert sich auf diese prägende Phase in der Geschichte des Fotorealismus.

Die Ausstellung präsentiert 32 Bilder aus den Jahren 1967 bis 1982, viele von ihnen höchst ikonische und meisterhafte Werke, darunter Richard Estess’ Telephone Booths (1967) und Chuck Closes Leslie (1973). Picturing America ist in vier Abschnitte gegliedert, von denen drei die zentralen Themen des Fotorealismus in den 70er Jahren untersuchen – Reflexionen über die Stadt, Kultur des Konsums und das amerikanische Leben. Der vierte Abschnitt ist einem Portfolio mit zehn Lithografien gewidmet. Es wurde 1972 anlässlich der documenta 5 hergestellt und war die erste große Gruppenschau des Fotorealismus.

Wie das Portfolio, möchte auch diese Ausstellung die wichtige Rolle Deutschlands in der frühen Phase des Fotorealismus würdigen und zeigt daher einige Gemälde, die damals auf der documenta 5 zu sehen waren, ebenso zahlreiche Werke aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig. Diese machten ab 1970 die in ihrem Besitz befindlichen, fotorealistischen Bilder in der Neuen Galerie der Stadt Aachen der Öffentlichkeit zugänglich. In den Jahren unmittelbar nach der documenta 5 zeigten zahlreiche Galerien und Museen in Deutschland Ausstellungen von führenden, mit dem Fotorealismus in Verbindung gebrachten Künstlern. Nach fast dreißig Jahren möchte Picturing America: Fotorealismus der 70er Jahre die historisch bedeutende Verbindung dieser amerikanischen Kunstrichtung mit Deutschland wieder ins Bewusstsein rufen.

Ausstellungsort: Kunsthalle Deutsche Guggenheim Berlin: www.deutsche-guggenheim.de/d/ausstellungen-picturingamerica01.php vom 7.3. bis 10.5.2009