Die amerikanische Philosophin Martha C. Nussbaum erhält in diesem Jahr den mit 100.000 Euro dotierten A.SK Social Science Award, den das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) seit 2007 vergibt. Damit würden die Forschungen Nussbaums über die Bedingungen menschlichen Zusammenlebens und soziale Gerechtigkeit gewürdigt.
Nachdem sie bis 1969 in New York Klassische Theaterwissenschaften und Philologie studiert hatte, begann sie ein Philosophiestudium in Harvard und promovierte 1975 in Klassischer Philologie. Anschließend dozierte sich von 1975 bis 1983 an der Harvard University und von 1984 bis 1995 an der Brown University. Seit 1995 hat sie einen Lehrstuhl für "Recht und Ethik" an der University of Chicago. Nussbaum entwickelte seit den 1980er Jahren den von Nobelpreisträger Amartya Sen entworfenen "capabilities"-Ansatz weiter. Demnach richtet sich Wohlfahrt nicht ausschließlich am Einkommen, sondern auch daran, inwieweit eine Gesellschaftsordnung den Fähigkeiten ("capabilities") von Menschen gerecht wird. Dazu zählen die Fähigkeiten, sich wirtschaftlich zu betätigen und politisch zu engagieren, aber auch, emotionale und kreative Potenziale zu entfalten. Arm ist demzufolge, wer über diese Fähigkeiten nicht verfügt oder wem deren Ausübung verwehrt wird.
Der "capabilities"-Ansatz ist inzwischen weithin anerkannt und bildet zum Beispiel die Grundlage für den "Human Development Index", den die Vereinten Nationen ihren globalen Entwicklungsberichten zugrunde legt. Darüber hinaus hat Nussbaum eine Vielzahl von Veröffentlichungen über Geschlechterfragen, Patriotismus und den Umgang mit ethnischer und religiöser Vielfalt vorgelegt. Heute zählt Nussbaum, nicht zuletzt wegen ihrer Publikationen zu den Themen Griechische Tragödie, Philosophie und Kultur des alten Griechenland, Literatur, Feminismus, Moraltheorie und politische Ethik, zu den bedeutendsten Philosophinnen der Gegenwart.
Der A.SK Social Science Award zählt zu den weltweit höchstdotierten Auszeichnungen in den Sozialwissenschaften. Gestiftet hat ihn das chinesische Unternehmerpaar Angela und Shu Kai Chan. Das WZB verleiht den Preis alle zwei Jahre an einen Forscher, der einen grundlegenden Beitrag zu gesellschaftlichen und politischen Reformen leistet. Als erster Preisträger wurde 2007 der englische Ökonom Sir Anthony Atkinson für seine Arbeiten über soziale Ungleichheit geehrt.
Der Preis wird Martha C. Nussbaum am Vormittag des 17. Februar 2009 im Roten Rathaus verliehen. An diesem Tag feiert das WZB ebenfalls seinen 40. Geburtstag. Am Nachmittag hält die Preisträgerin im WZB einen Vortrag zum Thema "Religion and Social Justice".


Quelle: www.wikipedia.de; unterstützt von Prof. Nussbaum und Fotograf Robin Holland