Michael Gielen hat sich schon oft als der Mann für den mutigen „Sprung ins kalte Wasser“ erwiesen. So war es bereits zu Beginn seiner Karriere, als Gielen, damals noch Korrepetitor am Teatro Colón in Buenos Aires, kurzfristig für einen erkrankten Kollegen einsprang – es traute sich keiner, die „Tristan“-Probe mit Erich Kleiber und der berühmten Wagner-Sängerin Kirsten Flagstad zu übernehmen.
Seit Gielens achtzigstem Geburtstag vor zwei Jahren scheint es um den Vorkämpfer der Moderne, der vor allem während seiner zehnjährigen Amtszeit als Direktor der Frankfurter Oper für Furore sorgte, ein wenig ruhiger geworden zu sein. Nur noch einzelne Gastdirigate locken den Dirigenten heute noch ans Pult – so auch das Konzert mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg am Samstag, 30. Januar 2010 um 20 Uhr im Alfried Krupp Saal der Philharmonie Essen.
An diesem Abend dirigiert Gielen Werke von Robert Schumann (Ouvertüre zu „Die Braut von Messina“, op. 100 und die Sinfonie Nr. 2 C-Dur, op. 61) und engagiert sich wie so oft auch hier durch die Aufführung von Bearbeitungen Bachscher Choralbearbeitungen und den „Vier Liedern für Gesang und Orchester“, op. 22 – präsentiert von der bekannten Mezzosopranistin Yvonne Naef – für seinen „Schützling“ Arnold Schönberg.
Noch immer verbindet man dessen Musik zumeist mit dissonanten Höreindrücken, Methoden der Zwölftontechnik und zuweilen auch dem bösen Attribut „Hirnmusik“. Dabei braucht man manchmal lediglich Künstler, die dem Publikum die Musik des Begründers der „Zweiten Wiener Schule“, erschließen – Künstler, die Zuhörer in den Schönbergschen Klangkosmos einführen und ihn verstehen helfen.
Und Michael Gielen ist solch ein Musikvermittler. Von der Mission erfüllt, Schönbergs Musik zu ihrem Recht und zu der Anerkennung zu verhelfen, die sie verdient, widmete sich der Dirigent auch in seinen bisherigen vier Philharmonie-Konzerten dem Wiener Meister – u. a. mit der beeindruckenden Aufführung der „Gurre-Lieder“.
Konzert mit dem SWR Sinfonieorchester am Samstag, 30. Januar 2010 um 20 Uhr im Alfried Krupp Saal
Karten (Preise (€): 45,-/40,-/35,-/30,-/25,-/15,- zzgl. VVK-Gebühr) und weitere Informationen unter Tel. 0201/8122-200, Tel. 0180/59 59 598 (0,14 €/Min.) und www.philharmonie-essen.de.
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