Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten und Veranstaltungen in unserem Archiv

Peter Huchel-Preis geht an Lyriker Gerhard Falkner

Der diesjährige Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik geht an den Autor Gerhard Falkner für sein Gedichtband "Hölderlin Reparatur". Laut Angaben des Südwestrundfunks würdigte die Jury damit das Werk des Dichters als "herausragende Neuerscheinung des Jahres 2008".

Der Peter-Huchel-Preis ist ein Literaturpreis für Lyrik, der seit 1984 jährlich vom SWF, von1999 an vom SWR, und vom Land Baden-Württemberg verliehen wird. Ausgezeichnet werden in Erinnerung an Peter Huchel herausragende Einzeltitel, die zur Entwicklung der Lyrik im deutschen Sprachraum beitragen. Die Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird jährlich am 3. April, Huchels Geburtstag, in Staufen im Breisgau verliehen.

 

"Hölderlin Reparatur"

Die Gedichte dieses Bandes stehen im Gravitationsfeld eines lyrischen Sprechens, wie es für die Deutschen ein Dichter wie kein anderer repräsentiert: Hölderlin. Ausgangspunkt dieser Gedichte ist der für Hölderlin typische hohe Ton. Die Poesie wird jedoch, das Vorgehen historisch-kritischer Ausgaben vortäuschend, immer wieder von Spiel und Theorie zerbrochen und entweder bis zum Hauptsächlichen vorangetrieben, dem autonomen Gedicht, oder als poetische Masse, als Material, weiterverarbeitet und in unendliche Verknüpfbarkeit gebracht. Natürlich nie, ohne die Ironie ihrer inneren Logik außer Acht zu lassen. Lyrik also auch als ein konzeptuelles Unternehmen wie in der Bildenden Kunst. Die Absicht ist jedoch unverkennbar, das Gedicht in seiner abgeschlossenen und bewegenden Form wiederher- und, im übertragenen Sinne, ins Netz (der Bezüge) zu stellen. "Hölderlin Reparatur" ist ein Buch mit einer Verweisdichte, wie sie seit Ezra Pound vielleicht nicht einmal mehr versucht wurde.

Gerhard Falkners letzter Lyrikband, das in Berlin angesiedelte Langgedicht "Gegensprechstadt — ground zero", wurde in der Kritik als ein Jahrhundertpoem gerühmt. Mit der "Hölderlin Reparatur" knüpft er nun wieder an innovative Schreibweisen an, die er in seinem legendär gewordenen Band "wemut" entwickelt hat.

 

Über den Autor

Gerhard Falkner, geboren 1951, gehört inzwischen unbestritten zu den bedeutenden Dichtern der Gegenwart. Er veröffentlichte die Gedichtbände "wemut" (1989), "X-te Person Einzahl" (1996), "Endogene Gedichte" (2000) und zuletzt "Gegensprechstadt — ground zero" (2005). Daneben ist er Herausgeber von Anthologien wie "AmLit. Neue Literatur aus den USA" (1992) und "Budapester Szenen. Jüngste Lyrik aus Ungarn" (1999). Sein literarisches Werk wurde 1987 mit dem "Bayerischen Staatsförderpreis" und 2004 mit dem "Schillerpreis" ausgezeichnet. 2008 erschien im Berlin Verlag Bruno. Für diese Novelle sowie für sein lyrisches Gesamtwerk erhielt Gerhard Falkner im gleichen Jahr den vom Deutschen Literaturfonds vergebenen Kranichsteiner Literaturpreis. Der Autor lebt in Berlin und Bayern.

Empfehlung der Redaktion

Quelle: www.berlinverlage.de