Gesellschaft Freunde der Künste

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Recklinghausen, 3. Juli bis 5. September 2010

OUTDOOR and OUTSIDE:Tadashi Kawamata und die Outsiderszene Ruhrgebiet Kunsthalle

Die Kunsthalle Recklinghausen präsentiert die Ausstellung „OUTDOOR AND OUTSIDE. Tadashi Kawamata und die Outsiderszene Ruhrgebiet“ im Rahmen des Mapping the Region-Projekts der 20 Kunstmuseen des Ruhrgebietes, die sich anlässlich der Kulturhauptstadt RUHR.2010 zu den RuhrKunstMuseen zusammengeschlossen haben.

Bereits seit den 1950er Jahren spielen Begriffe wie „Kartografie“ und „Mapping“ eine wichtige Rolle im künstlerischen Kontext und bezeichnen sowohl eine geografische Untersuchungsmethode, wie auch die Vernetzung bestimmter Orte, Landschaftsformen sowie geschichtlicher und gesellschaftlicher Zusammenhänge.

Jedes der 20 RuhrKunstMuseen hat sich daher die Aufgabe gestellt, die Region Ruhrgebiet genauer zu beleuchten und künstlerisch zu erfassen.Die Kunsthalle betreibt ihr „Mapping“ gleich im doppelten Sinne: neben Tadashi Kawamata die Outsiderszene des Ruhrgebietes gezeigt werden.

Tadashi Kawamata (*1952 in Hokkaido) ist prädestiniert für ein Projekt dieser Art, da seine zum Teil monumentalen Installationen sich immer wieder mit der Geschichte und Funktion eines Ortes oder eines Gebäudes auseinandersetzen. Obwohl sich seine Arbeiten oftmals stark an einer architektonischen Formensprache orientieren und eine konkrete Funktion aufweisen, besitzen sie einen skulpturalen Eigenwert. Ihre soziale Dimension erweitert der japanische Künstler, indem er Handwerker oder Bewohner am Ort in den Arbeits- und Gestaltungsprozess einbezieht.

Auf dem Vorplatz der Kunsthalle Recklinghausen realisiert Kawamata eine großformatige Plastik – in Gestalt eines Turmes – der symbolisch den Blick von oben auf die Umgebung ermöglicht. Die Skulptur ist gewissermaßen ein verkleinerter Zwilling seines – tatsächlich begehbaren – „Walkway and Tower“ der für das Projekt emscherKUNST.2010 entstanden ist und bereits Ende Mai 2010 eröffnet wurde. So spannt so ein Bogen von der Emscher quer durch die Stadt zur Kunsthalle.

Kawamatas soziale Dimension spiegelt sich auch in der parallelen Ausstellungsräumen wider. Neben Zeichnungen und Modellen seiner Turmidee zeigt die Kunsthalle „Outsiderkunst“ des Ruhrgebiets in ihren unterschiedlichen Facetten. Damit stellt die Ausstellung eine Sparte der Bildenden Kunst in den Focus, die häufig zu unrecht wenig Beachtung findet.

Der Begriff der „Outsiderkunst“ ist gleichermaßen fließend und diffus, er umfasst (nicht nur) autodidaktische Kunst jenseits etablierter Kunstformen und -strömungen, geschaffen von Menschen, die zum Beispiel extremen seelischen Belastungen ausgesetzt waren oder in ihrem Leben ungewöhnliche Erfahrungen gemacht haben, die aber große bildschöpferische Kreativität besaßen bzw. besitzen.

Einen historischen Blick bietet die Ausstellung auf dieses Phänomen anhand von Friedrich Gerlach (1903 – Herten – 1972) und Erich Bödeker (1904 – Recklinghausen – 1971), die heute internationale Bekanntheit genießen und zum klassischen Kanon naiver Kunst gehören. Beide – der eine Maler, der andere Bildhauer – sind geprägt von ihrer Arbeit unter Tage.

Während Gerlach versuchte, sich die „Seele frei zu malen“ und seinen Bildern oftmals ein bedrückendes, ja beängstigendes Moment inne wohnt, so schaffte sich Erich Bödeker, mit seinen zum Teil überlebensgroßen Betonskulpturen, ein kleines „Paradies“. Farbenfroh präsentierten sich Tiere, Blumen, Zwerge und Heiligenfiguren neben Prominenten der Zeitgeschichte (Brigitte Bardot, The Beatles, Joseph Beuys, Willy Brandt u.a.) in seinem Zechengarten.

Ein ähnliches Interesse ist auch bei Alfred Stief (*1952 Recklinghausen) Grundlage seiner Arbeiten. Die eigene Umgebung mit Leben (und Farbe) zu füllen und sein Faible für das Häkeln ließen innerhalb des letzten Jahrzehnts knapp 500 Figuren, Köpfe, Hüte und großformatige Bildteppiche entstehen. Vor allem in den Bildteppichen erkennt man immer wieder biografische Züge des durch seine Aufenthalte in der Psychiatrie geprägten Künstlers.

So tauchen immer wieder Erinnerungen an seine Kindheit (die Lokomotive Emma, Märchen etc.) und Erlebnisse seiner Jugend auf der Baustelle (Kran, Maurer, etc.), neben Zahlenreihen, dem Alphabet und Tieren auf. Kunst schaffen, um sich selbst das eigene Dasein zu beweisen, ist wohl die zweite wichtige Triebfeder für das beinahe schon manisch wirkende Tun des Recklinghäusers. Dies beweisen nicht zuletzt die immer wieder auftauchenden gehäkelten Signaturen, die fast alle seine Werke zieren.

Ein Phänomen, das sich auch bei Hans-Jürgen Fränzer (*1942 Gelsenkirchen) beobachten lässt. Das Festhalten bestimmter Ereignisse in Schrift, Bild oder Schrift-Bild und das anschließende, pflichtbewusste Signieren und Datieren des fertigen Werkes ist in bestimmter Weise auch eine immer wiederkehrende Vergewisserung seiner selbst und drückt gleichzeitig den Stolz auf das Geschaffene aus.

Auch im Bereich der Street Art und des Graffiti geht es häufig um den Beweis der eigenen Existenz. Tagging, Piece und Writing, aber auch Stencil und Sticker sind Beispiele für die Verbreitung des eigenen Namens innerhalb einer urbanen Gesellschaft. So drehen sich die Arbeiten von MOTE (*1970er Marl) oder Ahmed (*1985 Irbid/Jordanien) zumeist um das frei gewählte Alias, das in unterschiedlicher Form und Farbe immer wieder an speziell ausgesuchten Orten im öffentlichen Raum angebracht wird.

Neben der bloßen Beschäftigung mit dem Namen, geht es dem Gros der gegenwärtigen Sprayer und Street Artists vor allem auch darum, mit ihrer kurzlebigen Kunst immer wieder die Blicke auf besondere Stellen innerhalb einer Stadt zu lenken oder sich kritisch mit gesellschaftlichen Problemen auseinander zu setzen.

So unterschiedlich die Ansätze der einzelnen „Outsider“ für ihr Kunstschaffen auch sein mögen, eines bleibt allen doch gemein: Die Auslebung der eigenen Kreativität – sei es im Umfeld der Psychiatrie, illegal im öffentlichen Raum oder als Gegenentwurf zum Alltag – ist für alle Lebenselixier und Antrieb gleichermaßen, wie die 18 verschiedenen Positionen belegen.

Die Ausstellung versammelt über 150 Werke aus Privatsammlungen und Galerien.

Im Laufe der Ausstellung erscheint ein Katalog.

Liste der in der Ausstellung vertretenen Künstler:

Ahmed

Clemens Behr

Erich Bödeker

Karl Burkhard

Karl Cornelius

Alexander Dahmen

Der dream

Hans-Jürgen Fränzer

Friedrich Gerlach

Sabrina Karakatsanis

Karl 110

Robert Matzke

MOTE

Alfred Olschewski

Herr Orm

Alfred Stief

med. Gustav Struck

Heinrich Weghaus

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