Alternativen zur Harmonie / ein Leben verbracht, sie zu finden / meinen Kopf gegen eine Wand schlagend / jetzt hat Harmonie ihre Beschaffenheit geändert / sie kommt wieder zu mir zurück / sie hat keine Gesetze / es gibt keine Alternative zu ihr‘ (John Cage, 1990)
Anlässlich des Tanzgastspiels ‚Nearly 90‘ von Merce Cunningham widmet die musik-theater-werkstatt dem Freund und Lebensgefährten Cunninghams, John Cage, diesen Abend.
Mitglieder des Hessischen Staatstheaters werden Texte und Musik von John Cage miteinander verbinden und als Gesamtheit auf die Bühne bringen, so dass eine einzigartige szenische Aktion entsteht.
John Cage selbst leitete ein ähnliches Projekt bei den Darmstädter Ferienkursen 1990. Worte und andere akustische Ereignisse wurden von ihm eher aufgefunden und zusammengestellt als konstruiert.
Cages Grundidee war, eine ‚nicht-intentionale‘ Kunst zu schaffen. Er verfolgte damit die Absicht, alles Klingende aus seinem angestammten Kontext zu befreien und ihm neue Qualitäten zu verleihen. Auf diese Weise erweiterte er die Musikrezeption um das, was zwischen den Klängen passiert.
Diese Haltung, die für Cage das Resultat seiner konstruktivistischen Stücke aus den 30er und 40er Jahren war (er hatte einige Zeit bei Arnold Schönberg studiert), wurde für alle jüngeren Komponisten und Instrumentalisten prägend.
John Cage erlernte als Kind das Klavierspiel und studierte ab 1928 Literatur. Nach verschiedenen musikfernen Tätigkeiten begann Cage ein Kompositionsstudium bei Richard Bühlig und ergänzte ab 1934 seine Studien bei Arnold Schönberg.
1937 bekleidete er die Stelle des Komponisten der Ballettklasse an der Cornish School in Seattle/Washington. Hier begegnete er auch seinem späteren engsten Freund und Lebensgefährten Merce Cunningham, dem er bei Aufbau und musikalischer Begleitung der Merce Cunningham Dance Company half.
Neben seinem kompositorischen Schaffen ging er auch stets außermusikalischen Aktivitäten nach – er war leidenschaftlicher Schachspieler, Koch und Pilzforscher. John Cage erlitt am 11. August 1992 in New York einen schweren Schlaganfall, an dessen Folgen er einen Tag darauf starb.
,Cage besuchte während der Weltmusiktage 1987 im Frankfurter Theater am Turm die Uraufführung meiner mehrmedialen Komposition ,Die Spieldose‘, da er gerade in Frankfurt seine ersten ,Europeras‘ vorbereitete. In einem Telefonat, das wir in den Tagen darauf führten, meinte Cage dazu: ‚I was impressed by your composition and the richness of your music, but it was very intentional, and I am really sorry, I must admit, I don’t like intentional music‘.
Wir lachten, denn im gleichen Moment war klar (wir hatten mehrmals darüber diskutiert), dass keine Absicht zu haben eben auch Absicht ist…‘
(Gerhard Stäbler)
Ein Abend mit Texten und Musik von John Cage (1912-1992)
Dienstag, den 17.05.2011, 19.30 Uhr
Foyer Großes Haus
| Mit Mitgliedern des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden | |
| Leitung | Ernst August Klötzke |
Hessisches Staatstheater Wiesbaden
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