Otto IV. wurde als erster und einziger Welfe am 4. Oktober 1209 zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt. 800 Jahre später steht der Welfenkaiser im Braunschweigischen Landesmuseum zum ersten Mal im Mittelpunkt einer großen Ausstellung.
Die Landesausstellung nähert sich Otto IV., der erst vor knapp 20 Jahren durch die Habilitation des Vechtaer Historikers Prof. Dr. Dr. Bernd-Ulrich Hucker wieder ins Interesse der geschichtswissenschaftlichen Forschung rückte, mit einer historisch-kritischen Würdigung. Sie erzählt das äußerst bewegte Leben des selbstbewussten und unbeirrbaren Welfensprosses, das von überraschenden Wendungen geprägt war.
Der drittgeborene Sohn des entmachteten und verbannten Herzogs Heinrich des Löwen wuchs im Exil am angevinischen Königshof auf, wurde kurzzeitig als englischer Thronfolger in Betracht gezogen, dann als Herzog von Aquitanien eingesetzt und schließlich im Jahr 1198 zum deutsch-römischen König gewählt - eine Spannung versprechende Biographie aus dem hohen Mittelalter.
Die Landesausstellung widmet sich der hochspannenden Zeit, in der Otto lebte – denn die Jahre um 1200 waren von vielerlei Ereignissen, Entwicklungen und Umbrüchen geprägt.
Zu nennen sind hier vor allem die Auseinandersetzung um die Vorherrschaft zwischen Kaiser und Papst, der Kreuzzugsgedanke, der wirtschaftliche und politische Aufstieg der Städte, das Entstehen von kirchlichen Reformbewegungen und die Gründungen von Universitäten. In der Kunst erfolgte allmählich der Umbruch von der Romanik zur Gotik. Diese Themen werden, „angebunden“ an den chronologischen roten Faden des Lebens Ottos, ebenfalls in der Ausstellung angesprochen, so dass der Besucher die Komplexität des Mittelalters erfahren kann.
Nicht zuletzt stellt die Ausstellung das alte Adelsgeschlecht vor, dem Otto entstammte, und das sich aufgrund seiner Abstammung für die höchsten Ämter im Reich geradezu prädestiniert fühlte. Sie thematisiert, wann der Traum der Welfen vom Kaisertum erstmals konkrete Gestalt annahm – durch Kaiser Lothar von Süpplingenburg, den Urgroßvater Ottos IV. –, wie er in Otto seinen Höhepunkt fand und mit der Gründung des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg durch Otto das Kind im Jahr 1235 endete.
Auf den Fußspuren des Kaisers wandeln …
1.) Die Ausstellung ist die allererste Ausstellung zu Otto IV.
2.) Die Landesausstellung wird an drei Orten präsentiert, die alle rund um den Burgplatz in Braunschweig platziert liegen, also einem authentischen Ort aus Ottos Leben. Eine einzigartige Situation, die das Ansinnen der Landesausstellung entscheidend unterstützt, den Besucher in eine mittelalterliche Atmosphäre zu ziehen.
Haupt-Ausstellungsort ist das Braunschweigische Landesmuseum, in dem auf über 1000 m² Ausstellungsfläche Leben und Wirken Ottos IV. inszeniert werden. In der Kemenate der Burg Dankwarderode, die von Ottos Vater Heinrich dem Löwen erbaut wurde, und im Dom St. Blasii werden vertiefende Themen aufgegriffen. Die mittelalterliche Burg Dankwarderode brannte im 19. Jahrhundert ab, die heutige Burg ist eine Rekonstruktion von 1887. Der Dom St. Blasii jedoch, der ebenfalls auf Heinrich den Löwen zurückgeht und von Otto IV. weiter ausgebaut wurde, ist original erhalten, der Besucher wandelt dort buchstäblich auf den Spuren des Kaisers und kann sogar seine Grabstätte besuchen.
Extra für die Landesausstellung wird ein Übergang zwischen Burg und Dom, der seit Jahrhunderten größtenteils verschlossen ist, rekonstruiert und neu eröffnet. So können die Besucher von der Burg in den Dom wandern und den gleichen Anblick genießen, der sich dem Kaiser vor mehr als 800 Jahren auf dem Weg zur Messe geboten hat.
3.) Die Ausstellung setzt bewusst auf eine moderne Inszenierung, die gleichzeitig die Würde und Ausstrahlungskraft des Exponates in den Vordergrund stellt. Es wird keine puristisch konzipierte Ausstellung sein, sondern eine, die versucht, den Besucher mit einer stimmungsvollen Farb- und Lichtgestaltung, unter Einbindung von Klangduschen und Multimediastationen, in die Welt des hohen Mittelalters eintauchen zu lassen.
Die Ausstellung soll für den Besucher in der Verbindung von Exponat, Textebene und Raumatmosphäre auch einen Erlebnis- und nicht nur einen Informationswert haben. Auch hierbei sind die authentischen bzw. teilweise authentischen Orte, also Burg und Dom, ein großer Glücksfall für die atmosphärische Wirkung.
Highlights der Ausstellung
Ab dem 8. August versammeln sich anlässlich des ersten öffentlichen Auftritts Ottos IV. hochrangige Objekte aus ganz Europa in den drei Ausstellungsstätten rund um den Burgplatz in Braunschweig.
Ein ganz besonderes Highlight ist der „Ptolemäer-Kameo“ aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Der Kameo ist ein indischer Sardonyx mit 17 Schichten, aus dem das Doppelporträt eines ägyptischen Herrscherpaares herausgearbeitet ist. Er stammt aus dem 3. Jahrhundert vor Chr. und wurde von Otto IV., neben der erforderlichen Menge Gold, für die Herstellung der Stirnseite des Kölner Dreikönigenschreins gestiftet. Der Kameo nahm dort die zentrale Position an der Trapezplatte des Dreikönigenschreins ein.
Otto bedankte sich mit dieser Zu-Stiftung für die Unterstützung der Kölner Bürger und des Kölner Erzbischofs, die maßgeblich zu seiner Königswahl im Jahr 1198 beigetragen hatten. Der Kameo wurde im Jahr 1574 vom Schrein gestohlen und tauchte nach mehreren Zwischenstationen schließlich im Jahr 1668 in Österreich wieder auf, wo er seitdem verwahrt wird.
Am Dreikönigenschrein kann man übrigens bis heute das große Selbstbewusstsein des Welfenherrschers ablesen. Die von ihm gestiftete Stirnplatte zeigt nämlich nicht nur drei, sondern vier Könige, die Maria und Christus huldigen: die bekannten biblischen Heiligen Drei Könige und … Otto IV. Genau dieser vierte König, bzw. das mittelalterliche „Negativ“ dazu, ist ein weiteres Highlight-Objekt. Die originale Figur, die dazu benutzt wurde, Otto als vierten König in die Goldplatte zu treiben, wird in der Ausstellung gezeigt.
Weitere Highlights der Ausstellung sind das Testament sowie der Kaisermantel Ottos IV. Der Mantel aus der Zeit um 1200 gehört aufgrund der verwendeten kostbaren Materialien – Goldstickerei auf byzantinischer Purpurseide - und der künstlerischen Verarbeitung zu den hochrangigen Beispielen der Textilkunst des beginnenden 13. Jahrhunderts. Die auf dem Mantel dargestellten Leoparden verweisen deutlich auf die enge Bindung Ottos zum englischen Königshof, an dem er seine Jugend verbrachte.
Hochwertige Objekte der Hofkultur, wie z.B. eine Zusammenstellung von Aquamanilen (z.B. aus dem Rijksmuseum in Amsterdam), geben Einblicke in das weltliche Umfeld des Kaisers. Verschiedene Psalterien wie etwa der Kopenhagener Psalter aus der dänischen Königlichen Bibliothek zeigen den Einfluss des englischen Hofes auf die Kunst im römisch-deutschen Reich.
Mehrere Stücke aus dem sog. Welfenschatz, die von Otto IV. in seinem Testament an den Dom St. Blasii vererbt worden sind, vermitteln einen Einblick in die Bedeutung und künstlerische Qualität der Reliquienverehrung des Mittelalters. Zahlreiche illustrierte Handschriften, Chroniken und Urkunden runden das Bild eines bis heute weitgehend unbekannten Kaisers ab, dessen Leben und Wirken ab dem 8. August für drei Monate im Braunschweigischen Landesmuseum in das Licht der Öffentlichkeit treten.
Fotos
Steffen und Bach GmbH
Döring, BLM
Psille
Keiser, HAUM
MKGH
KHM, Wien
Rijksmuseum
Royal Library
Dauer der Ausstellung bis zum 8.11.2009
Kontakt
Niedersächsische Landesmuseen Braunschweig
Museumstr. 1
38100 Braunschweig
Presse
Silke Röhling
Kommunikation
Niedersächsische Landesmuseen Braunschweig
Museumstr. 1
38100 Braunschweig
Tel. +49 (0)531 – 1225 2442 oder 1215 2634
Mobil 0163 – 5917 114
silke.roehling@haum.niedersachsen.de
Öffnungszeiten
Mo-So 10-18 Uhr
Do 10-20 Uhr
Links
http://www.ottoiv.de/index.php?cPage=1&sPage=0
http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_IV._(HRR)
http://www.braunschweig.de/otto/index.html

