Der schwarze Immigrant Othello hat in Venedig eine glänzende Karriere als führender Militärstratege hingelegt. Aus Liebe zu Desdemona, der Tochter eines Senators, will er Venedig zu seiner Heimat machen. Die Heirat mit ihr könnte auch sein letzter Schritt in einer ganzen Reihe zur Integration sein… Doch kaum ist die Heirat vollzogen, wird Othello in den Krieg nach Zypern abberufen.
Desdemona folgt ihm, ebenso Jago, ein Untergebener des Generals, der sein bedingungsloses Vertrauen genießt und das zu nutzen weiß. Denn Jago hasst Othello seit dieser ihn bei der Beförderung zu seinem Stellvertreter übergangen hat. In präzisen, bösartig ersonnenen Schritten entspinnt Jago eine Intrige, die Othello unaufhaltsam in die Fänge der Eifersucht und schließlich in die Katastrophe treibt. Denn der General erspürt nur zu genau, durch welches Tor das grünäugige Monster der Eifersucht Einlass findet: durch die verborgene Angst des Immigranten, nicht wirklich willkommen und anerkannt zu sein.
Shakespeares 1604 uraufgeführte Tragödie ist Jahrhunderte lang als pure Eifersuchtstragödie gelesen worden. Erst Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts setzte man sich auch mit der sozialen und historischen Konstruktion von ‚schwarz und weiß’ in Othello auseinander und mit der daraus erwachsenden Außenseiterstellung des Titelhelden: Als ein äußerst erfolgreicher Einwanderer gliedert er sich nahtlos in die soldatische Männerwelt seiner neuen Heimat ein und kann sich dort sogar an ihre Spitze arbeiten.
Zugleich aber wird ihm die volle Anerkennung in der Zivilgesellschaft, außerhalb seines Berufsfelds Militär, versagt. Ein Widerspruch, der im Stück zum Mord an der geliebten Frau führt – aus vermeintlich verletzter Soldaten- und Mannes-Ehre.
Besetzung
Regie: Matthias Gehrt
Bühne: Gabriele Trinczek
Kostüme: Petra Schlüter-Wilke
Premiere im TiN Mönchengladbach am 17. September 2010
Premiere im Theater Krefeld am 24. Februar 2011
Kontakt
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Presse
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