Die Aufführungen zweier Passionen stehen in der Karwoche auf dem Philharmonie-Spielplan. Zwei Konzerte am Gründonnerstag und Karfreitag unter der Leitung von Christoph Spering und Peter Neumann
Die „Matthäuspassion“ gilt als das herausragende Werk von Johann Sebastian Bach und vermag die Zuhörer auf besondere Weise zu berühren. Wie in der „Johannespassion“ schildert der berühmte Thomaskantor bewegend den biblischen Bericht von der Gefangennahme, Verurteilung, Kreuzigung und Grablegung Christi. In der „Matthäuspassion“ verwendet Bach dabei zwei Chöre, zwei Orchester und sieben Solostimmen – und verstärkt durch diesen Dialogcharakter die Klangpracht und Dramatik der Passion, die den Weg in die breite Öffentlichkeit erst 1829 fand, als es von der Sing-Akademie zu Berlin unter Leitung des erst 20jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy wieder aufgeführt wurde. Man ahnte damals offenbar schon die Bedeutung dieses Konzertes, wurde es doch von der Berliner Allgemeinen Musikalischen Zeitung wie folgt angekündigt: „Ein wichtiges und glückliches Ereignis steht der musikalischen Welt, zunächst aber Berlin, bevor. In den ersten Tagen des März wird unter Direktion des Herrn Felix Mendelssohn Bartholdy ,Die Passionsmusik nach dem Evangelisten Matthäus‘ von Johann Sebastian Bach aufgeführt werden. Das größte und heiligste Werk des größten Tondichters tritt damit nach einer fast hundertjährigen Verborgenheit in das Leben, eine Hochfeier der Religion und der Kunst.“ Das Konzert wurde zu einem großen Ereignis – und bis heute ist es von besonderer musikgeschichtlicher Bedeutung, da es nicht nur die „Matthäuspassion“ wieder zu Tage förderte, sondern eine europaweite Bach-Renaissance einleitete. – Am Gründonnerstag, 9. April 2009 ist das Werk um 19 Uhr mit dem in der Philharmonie Essen schon mehrfach gefeierten Chorus Musicus Köln, dem Neuen Orchester, herausragenden Solisten sowie Dirigent Christoph Spering zu erleben.
Johann Sebastian Bach: „Matthäuspassion“
Ditte Andersen (Sopran), Marion Eckstein (Alt), Andreas Karasiak (Evangelist), Manuel König (Tenor), Locky Chung (Christus), Christoph Pohl (Bass)
Chorus Musicus Köln
Das Neue Orchester
Christoph Spering, Dirigent
Donnerstag, 9. April 2009, 19.00 Uhr, Alfried Krupp Saal
Zu den weniger bekannten Passionsoratorien gehört die „Brockes-Passion“ von Georg Friedrich Händel, der sich mit diesem 1719 uraufgeführten Werk als der gewandte und virtuose Opernkomponist ausweist, als der er hauptsächlich bekannt ist. Das Libretto zu Händels ausdrucksstarker Vertonung stammt von Barthold Heinrich Brockes, der 1680 als Sohn einer wohlhabenden Hamburger Kaufmannsfamilie geboren wurde. Er studierte zunächst Jura und Philosophie, interessierte sich aber zunehmend für Literatur. 1712 veröffentlichte er mit „Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus“ seine erste Dichtung und trat mit dem Wunsch an Händel heran, sein Passionsgedicht zu vertonen. Da sich diese Dramatisierung von Jesus’ letzten Stunden sehr gut zur Bearbeitung eignete, kam Händel diesem Wunsch nach und komponierte ein dreistündiges Werk, das schnell große Bekanntheit erlangte. Die „Brockes-Passion“ wurde in Hamburg aufgeführt und fand auch bei anderen Komponisten begeisterten Anklang. In den folgenden Jahren konnte man den Text komplett oder in Auszügen etwa bei Reinhard Keiser, Johann Mattheson, Georg Philipp Telemann oder Johann Fasch wiederfinden – und auch Bach hat einige Passagen in seine „Johannespassion“ integriert. Vor allem aber verhalf dieses Werk Georg Friedrich Händel zu bleibendem Ansehen: Seine Vertonung der „Brockes-Passion“ besticht durch eine sehr unmittelbare und expressive musikalische Sprache, die der Kölner Kammerchor, das Collegium Cartusianum sowie hochkarätige Gesangssolisten unter der Leitung von Peter Neumann am Karfreitag, 10. April 2009 um 19 Uhr in der Philharmonie Essen präsentieren.
Georg Friedrich Händel: „Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus“, HWV 48 – Passionsoratorium nach Barthold Heinrich Brockes
Nele Gramß (Sopran – Tochter Zion), Johanna Winkel (Sopran – Gläubige Seele), Elvira Bill (Mezzosopran – Maria), Jan Thomer (Altus – Judas), Markus Brutscher (Tenor – Evangelist), James Oxley (Tenor – Petrus), Manfred Bittner (Bass), Andreas Wolf (Bass – Christus)
Kölner Kammerchor
Collegium Cartusianum
Peter Neumann, Musikalische Leitung
Freitag, 10. April 2009, 19.00 Uhr, Alfried Krupp Saal
Karten und weitere Informationen unter Tel. 0201/8122-200, Tel. 0180/59 59 598 (0,14 €/Min.) sowie im Internet unter www.philharmonie-essen.de

