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gilt als die romantische Oper schlechthin

Opern-Premiere: Die Meistersinger von Nürnberg nach Richard Wagner am Landestheater Linz 19. September 2010

Natürlich wird Wagner im neuen Opernhauses am Volksgarten zu erleben sein! Aber nach mittlerweile 28 Jahren möchte das Landestheater Linz sein Publikum nicht mehr länger auf eine Neuinszenierung von Die Meistersinger von Nürnberg warten lassen.

Es gibt noch einen weiteren Grund, diese Oper jetzt zu spielen, und zwar einen historischen: Am 4. April 1868 – zweieinhalb Monate vor der Premiere der Meistersinger in München – gelang es Anton Bruckner mit der Linzer Liedertafel „Frohsinn“ und dem Orchester des Theaters das Finale der Meistersinger im Linzer Redoutensaal uraufzuführen – mit ausdrücklicher Erlaubnis von Richard Wagner. Der Erfolg war so groß, dass das Stück wiederholt werden musste. Da der Redoutensaal sich mit dem Landestheater unter einem Dach befindet, fühlen wir uns gewissermaßen verpflichtet, dieses gigantische Werk noch einmal an der Promenade aufzuführen.

Ganz nebenbei darf man diese Produktion als künstlerisches Sprungbrett für die kommenden Ereignisse betrachten, führt sie doch bereits jetzt die beiden Künstler zum Thema Wagner zusammen, die in zwei Jahren den Ring des Nibelungen beginnen werden: Opernchef und Chefdirigent Dennis Russell Davies und der seit zehn Jahren dem Haus verbundene Regisseur Olivier Tambosi.

Aber auch die Sängerbesetzung ist bemerkenswert. Als „Hans Sachs“ wechseln sich ab, der aus Vöcklabruck stammende Albert Pesendorfer, der als Wagner- und Strauss-Sänger an zahlreichen Häusern häufiger Gast ist, und das langjährige Linzer Ensemblemitglied Klaus-Dieter Lerche. Den „Beckmesser“ gibt der in Mannheim, Stuttgart und vielen anderen Orten gefeierte norwegische Wagner-Sänger Bjørn Waag. Und der bisher an der Volksoper umjubelte Tenor Michael Ende gibt in Linz sein Debüt mit der Rolle des „Walther von Stolzing“. (Siehe Biografien)

Die junge Sopranistin Katrin Adel (seit letzter Spielzeit im Ensemble) und die erfahrene Christiane Boesiger (zuletzt als Gräfin in Figaro) teilen sich die Rolle der „Eva“ und feiern beide damit ihr Debüt. Und das gilt auch für das Ensemblemitglied Karen Robertson, die erstmals als Magdalena zu erleben sein wird.

Die Meistersinger sind Männer, die die Freizeit, die ihnen ihre Handwerksberufe lassen, dazu nutzen, um sich dem Gesang und der Dichtung zu widmen. Sie glauben daran, dass Regeln befolgt werden müssen, damit Kunst entstehe. Sie sind überzeugt, dass nur mithilfe von Regeln eine ehrwürdige Tradition fortgeschrieben werden kann. Dieser Gruppe steht der junge und überschwängliche Walther von Stolzing gegenüber. Er ist so etwas wie ein „junger Wilder“, denn er glaubt an die unbedingte Freiheit der Kunst und an die spontane Inspiration. Regeln kennt und akzeptiert er nicht. Die Synthese beider Positionen bildet der Schuster Hans Sachs, der angesehenste der Dichter-Meistersinger. Er erkennt die schöpferische Kraft in Walther und hilft ihm zu begreifen, dass Regeln einen Sinn darin haben können, dass sie Kunst vielen Menschen verständlich macht.

Tradition und Fortschritt, Freiheit und freiwillige Einschränkung, Ausdruckswillen und Wunsch zur Kommunikation – das alles muss im Gleichgewicht sein. Die Meistersinger von Nürnberg gelten angesichts dieser Grundkonstellation in der Handlung als die romantische Oper schlechthin über Kunst und über die Ansichten, die man von ihr haben kann: „Hier gilt’s der Kunst!“ Kunst kennt keine Grenzen, aber Kunst kann Menschen verbinden – so unterschiedlich die ästhetischen Ansichten auch sein mögen. Das berühmte Schlussbild der Oper, die „Festwiese“, führt alle Menschen mit diesem Gedanken zusammen.

Premiere Sonntag, 19. September 2010, 17.00 Uhr, Großes Haus, bis 1-11-2010, Termine unter www.landestheater-linz.at

OÖ Theater und Orchester GmbH
Landestheater Linz
Promenade 39, A-4020 Linz
Tel.: +43 732 7611-321 (Fax: -421)
www.landestheater-linz.at

Pressekontakt: Frau Mag. Inez Ardelt

mail: ardelt@landestheater-linz.at

Oper in drei Akten

Musik und Text von Richard Wagner (1813–1883)

Uraufführung München,

Königliches Hof- und Nationaltheater am 21. Juni 1868

In deutscher Sprache mit Übertiteln

Premierenbesetzung unterstrichen bei Doppelbesetzungen

Hans Sachs, Schuster

Klaus-Dieter Lerche/Albert Pesendorfer

Veit Pogner, Goldschmied

Nikolai Galkin, Dominik Nekel

Kunz Vogelgesang, Kürschner

Iurie Ciobanu, Jacques le Roux

Konrad Nachtigall, Spengler

Martin Achrainer

Sixtus Beckmesser, Stadtschreiber

Bjørn Waag

Fritz Kothner, Bäcker

Seho Chang

Balthasar Zorn, Zinngießer

Daniel Jenz

Ulrich Eißlinger, Gewürzkrämer

Hans-Günther Müller

Augustin Moser, Schneider

Clemens Kerschbaumer

Hermann Ortel, Seifensieder

Franz Binder

Hans Schwarz, Strumpfwirker

William Mason

Hans Foltz, Kupferschmied

Leopold Köppl

Walther von Stolzing, ein junger Ritter aus Franken

Michael Ende/Pedro Velázquez Díaz

David, Sachsens Lehrbube

Iurie Ciobanu/Matthäus Schmidlechner

Eva, Pogners Tochter

Katrin Adel/Christiane Boesiger

Magdalene, Evas Amme

Karen Robertson

Ein Nachtwächter

Nikolai Galkin/Dominik Nekel

Chor und Extrachor des Landestheaters Linz

Statisterie des Landestheaters Linz

Bruckner Orchester Linz

Musikalische Leitung

Dennis Russell Davies

Inszenierung

Olivier Tambosi

Bühnenbild

Bengt Gomér

Kostüme

Inge Medert

Choreographie Prügelszene

Darie Cardyn

Dramaturgie

Felix Losert