Natürlich wird Wagner im neuen Opernhauses am Volksgarten zu erleben sein! Aber nach mittlerweile 28 Jahren möchte das Landestheater Linz sein Publikum nicht mehr länger auf eine Neuinszenierung von Die Meistersinger von Nürnberg warten lassen.
Es gibt noch einen weiteren Grund, diese Oper jetzt zu spielen, und zwar einen historischen: Am 4. April 1868 – zweieinhalb Monate vor der Premiere der Meistersinger in München – gelang es Anton Bruckner mit der Linzer Liedertafel „Frohsinn“ und dem Orchester des Theaters das Finale der Meistersinger im Linzer Redoutensaal uraufzuführen – mit ausdrücklicher Erlaubnis von Richard Wagner. Der Erfolg war so groß, dass das Stück wiederholt werden musste. Da der Redoutensaal sich mit dem Landestheater unter einem Dach befindet, fühlen wir uns gewissermaßen verpflichtet, dieses gigantische Werk noch einmal an der Promenade aufzuführen.
Ganz nebenbei darf man diese Produktion als künstlerisches Sprungbrett für die kommenden Ereignisse betrachten, führt sie doch bereits jetzt die beiden Künstler zum Thema Wagner zusammen, die in zwei Jahren den Ring des Nibelungen beginnen werden: Opernchef und Chefdirigent Dennis Russell Davies und der seit zehn Jahren dem Haus verbundene Regisseur Olivier Tambosi.
Aber auch die Sängerbesetzung ist bemerkenswert. Als „Hans Sachs“ wechseln sich ab, der aus Vöcklabruck stammende Albert Pesendorfer, der als Wagner- und Strauss-Sänger an zahlreichen Häusern häufiger Gast ist, und das langjährige Linzer Ensemblemitglied Klaus-Dieter Lerche. Den „Beckmesser“ gibt der in Mannheim, Stuttgart und vielen anderen Orten gefeierte norwegische Wagner-Sänger Bjørn Waag. Und der bisher an der Volksoper umjubelte Tenor Michael Ende gibt in Linz sein Debüt mit der Rolle des „Walther von Stolzing“. (Siehe Biografien)
Die junge Sopranistin Katrin Adel (seit letzter Spielzeit im Ensemble) und die erfahrene Christiane Boesiger (zuletzt als Gräfin in Figaro) teilen sich die Rolle der „Eva“ und feiern beide damit ihr Debüt. Und das gilt auch für das Ensemblemitglied Karen Robertson, die erstmals als Magdalena zu erleben sein wird.
Die Meistersinger sind Männer, die die Freizeit, die ihnen ihre Handwerksberufe lassen, dazu nutzen, um sich dem Gesang und der Dichtung zu widmen. Sie glauben daran, dass Regeln befolgt werden müssen, damit Kunst entstehe. Sie sind überzeugt, dass nur mithilfe von Regeln eine ehrwürdige Tradition fortgeschrieben werden kann. Dieser Gruppe steht der junge und überschwängliche Walther von Stolzing gegenüber. Er ist so etwas wie ein „junger Wilder“, denn er glaubt an die unbedingte Freiheit der Kunst und an die spontane Inspiration. Regeln kennt und akzeptiert er nicht. Die Synthese beider Positionen bildet der Schuster Hans Sachs, der angesehenste der Dichter-Meistersinger. Er erkennt die schöpferische Kraft in Walther und hilft ihm zu begreifen, dass Regeln einen Sinn darin haben können, dass sie Kunst vielen Menschen verständlich macht.
Tradition und Fortschritt, Freiheit und freiwillige Einschränkung, Ausdruckswillen und Wunsch zur Kommunikation – das alles muss im Gleichgewicht sein. Die Meistersinger von Nürnberg gelten angesichts dieser Grundkonstellation in der Handlung als die romantische Oper schlechthin über Kunst und über die Ansichten, die man von ihr haben kann: „Hier gilt’s der Kunst!“ Kunst kennt keine Grenzen, aber Kunst kann Menschen verbinden – so unterschiedlich die ästhetischen Ansichten auch sein mögen. Das berühmte Schlussbild der Oper, die „Festwiese“, führt alle Menschen mit diesem Gedanken zusammen.
Premiere Sonntag, 19. September 2010, 17.00 Uhr, Großes Haus, bis 1-11-2010, Termine unter www.landestheater-linz.at
OÖ Theater und Orchester GmbH
Landestheater Linz
Promenade 39, A-4020 Linz
Tel.: +43 732 7611-321 (Fax: -421)
www.landestheater-linz.at
Pressekontakt: Frau Mag. Inez Ardelt
mail: ardelt@landestheater-linz.at
Oper in drei Akten
Musik und Text von Richard Wagner (1813–1883)
Uraufführung München,
Königliches Hof- und Nationaltheater am 21. Juni 1868
In deutscher Sprache mit Übertiteln
Premierenbesetzung unterstrichen bei Doppelbesetzungen
Hans Sachs, Schuster
Klaus-Dieter Lerche/Albert Pesendorfer
Veit Pogner, Goldschmied
Nikolai Galkin, Dominik Nekel
Kunz Vogelgesang, Kürschner
Iurie Ciobanu, Jacques le Roux
Konrad Nachtigall, Spengler
Martin Achrainer
Sixtus Beckmesser, Stadtschreiber
Bjørn Waag
Fritz Kothner, Bäcker
Seho Chang
Balthasar Zorn, Zinngießer
Daniel Jenz
Ulrich Eißlinger, Gewürzkrämer
Hans-Günther Müller
Augustin Moser, Schneider
Clemens Kerschbaumer
Hermann Ortel, Seifensieder
Franz Binder
Hans Schwarz, Strumpfwirker
William Mason
Hans Foltz, Kupferschmied
Leopold Köppl
Walther von Stolzing, ein junger Ritter aus Franken
Michael Ende/Pedro Velázquez Díaz
David, Sachsens Lehrbube
Iurie Ciobanu/Matthäus Schmidlechner
Eva, Pogners Tochter
Katrin Adel/Christiane Boesiger
Magdalene, Evas Amme
Karen Robertson
Ein Nachtwächter
Nikolai Galkin/Dominik Nekel
Chor und Extrachor des Landestheaters Linz
Statisterie des Landestheaters Linz
Bruckner Orchester Linz
Musikalische Leitung
Dennis Russell Davies
Inszenierung
Olivier Tambosi
Bühnenbild
Bengt Gomér
Kostüme
Inge Medert
Choreographie Prügelszene
Darie Cardyn
Dramaturgie
Felix Losert

