Da streiten sich die Geister: Während an den amerikanischen Kinokassen "Operation Walküre", der Film über Graf Staufenbergs Attentat auf Hitler mit Tom Cruise in der Hauptrolle ein Erfolg ist, sind die Kritiker eher ungnädig. Am ersten Weihnachtstag lief der Streifen in 2711 Kinos an. In den ersten vier Tagen spielte er 30 Millionen Dollar ein und nach Zuschauerzahlen belegte er Anfang Januar Platz vier der aktuellen US-Listen. In Deutschland kommt der Film am 22. Januar in die Kinos.
US-Kritiker sind nicht überzeugt
Tom Cruises Darstellung als Stauffenbergs wurde in den USA durchweg als mittelmäßig beurteilt. So bemängelt die "Washington Post", dass die Wandlung vom loyalen Offizier zum Attentäter nicht nachvollziehbar dargeboten werde. Regisseur Brian Singer konzentriere sich zu sehr darauf, die Militärmaschinerie sowie die technische Seite der Verschwörung samt der technischen Gründe ihres Scheiterns zu zeigen. Die menschliche Seite käme dabei zu kurz. Ähnliche Kritik kommt auch von der "New York Times": Weder dem Regisseur noch Cruise gelinge es bei der Inszenierung, der Komplexität von Stauffenbergs Charakter gerecht zu werden.
Aufklärungsarbeit in den USA
Was die US-Kritiker dabei jedoch außer Acht lassen ist die Frage, welchen Einfluss "Operation Walküre" auf das Geschichtsbild der Amerikaner haben kann. Im Schulunterricht wird dort jedenfalls nicht behandelt, dass es in Deutschland einen Widerstand gegen das Regime der Nationalsozialisten gab. Nach "Schindlers Liste" und "The Good German" ist "Operation Walküre" der dritte prominente Film binnen weniger Jahre, in dem ehrbare Deutsche die Hauptrolle spielen.
"Besonders Wertvoll" sagt die Filmbewertungsstelle
Überraschender Weise hat die Filmbewertungsstelle in Wiesbaden "Operation Walküre" das Prädikat "besonders wertvoll" verliehen. Angesichts der Aufregung um den Film, etwa weil der Hauptdarsteller Tom Cruise Scientologe ist, war damit kaum zu rechnen. In der offiziellen Begründung für die Bewertung heißt es wie folgt: "Diese im Vorfeld heiß umstrittene deutsch-amerikanische Co-Produktion erzählt überraschend unpathetisch und historisch genau von den Ereignissen des Widerstandes gegen Hitler. Spannend, aber nie effekthascherisch, konzentriert sich der Regisseur Bryan Singer auf die Darstellung des Wesentlichen (…) Die Attentäter werden auch in ihrer Zerrissenheit gezeigt und nie zu Helden stilisiert (…) Eine herausragende und verdienstvolle filmische Aufbereitung eines wichtigen Stücks deutscher Geschichte."
Filmtipp "Stauffenberg – Die wahre Geschichte"
Eine dokumentarische Ergänzung zum Hollywood-Film bietet die zweiteilige ZDF-Produktion "Stauffenberg – Die wahre Geschichte". Im Zentrum des szenischen Doku-Dramas steht die persönliche Entwicklung Claus Schenk Graf von Stauffenbergs - jener Weg, der ihn zum entschlossenen Gegner Hitlers machen sollte. Der Film von Oliver Halmburger und Christian Frey zeigt, wie Stauffenberg als Mensch war, als Familienvater und als Soldat. Es erinnern sich seine Kinder, Familienfreunde und Weggefährten. Darunter auch Ewald von Kleist, der letzte lebende Mitverschwörer, der genau berichten kann, was sich am 20. Juli ereignet hat. Am 20.1. läuft um 20.15 Uhr Teil 2 der Dokumentation im ZDF.
Infos zum Film: www.walkuere-derfilm.de
Siehe auch auf welt.de das Interview mit dem Großneffen von Graf Stauffenberg: www.welt.de/kultur/article3043761/Tom-Cruise-fehlt-einfach-die-Coolness.html#reqRSS


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