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Ahnung einer anbrechenden sozialen Zeitenwende

Oper von Hugo von Hofmannsthal: Der Rosenkavalier - Inszenierung des jungen Regisseurs Tobias Kratzer - am 26.9.2010 in Bremen

Als 1911 die Uraufführung des »Rosenkavaliers« in Dresden stattfand, mussten bald Sonderzüge eingerichtet werden, um das Publikum zu den Aufführungen zu bringen. Bis heute zählt dieses Werk zu den beim Publikum beliebtesten Repertoirestücken der Oper. Grund für den Erfolg ist nicht nur das tiefsinnige und poetische Libretto des Schriftstel- lers Hugo von Hofmannsthal, sondern vor allem der feine, psychologisch ausgefeilte Orchesterklang des Komponisten Richard Strauss.

Die Handlung erzählt von der alternden Marschallin. Sie hat einen jungen Geliebten, Octavian, und spürt, dass sie ihn auf Dauer nicht halten können wird. Als ihr Vetter Baron Ochs von Lerchenau sie bittet, ihn bei der Werbung um die junge, reiche bürgerliche Sophie zu unterstützen, empfiehlt sie Octavian als »Rosenkavalier«. Er soll die silberne Rose als Zeichen der Werbung an Sophie überbringen. Octavian und Sophie verlieben sich ineinander und müssen erreichen, dass Ochs, ein Lebemann von Falstaffschem Format, von der Heiratsabsicht zurücktritt. Sophie und Octavian kommen zusammen und sowohl Ochs als auch die Marschallin erkennen, dass ihre Zeit dem Ende entgegen- geht. »Der Rosenkavalier« ist eine Geschichte, die vom Ende einer Epoche erzählt.

Es ist die Epoche des Adels, der von der aufstrebenden Schicht des Bügertums abgelöst wird. Wenige Jahre nach der Uraufführung hat sich Europa tatsächlich politisch verändert, der Adel musste als Führungselite abdanken. Entsprechend spielen Hofmannsthal und Strauss mit dem nostalgischen Gefühl des Abschieds: »Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie«, singt die Marschallin im Ersten Akt.

Das Bewusstsein einer kommenden Veränderung gab Anlass zu einem nostalgischen Rückblick. Die aktuelle Ahnung einer anbrechenden sozialen Zeitenwende und der Rückblick auf vergehende Glücksversprechungen bestimmen die Inszenierung des jungen Regisseurs Tobias Kratzer, der zusammen mit dem Bühnenbildner Rainer Sellmaier dieses Meisterwerk in Szene setzen wird.

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