Egal ob auf Inlineskates oder beim Rockkonzert, Senioren findet man überall. Bunt, schrill, verrückt und hungrig nach Leben zu sein ist längst kein Privileg der Jugend mehr. Jean Pütz, Tina Turner, Ingrid van Bergen und viele andere zeigen, dass man mit 70 noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Auf wundersame Weise hat sich die Vision Udo Jürgens verwirklicht, der schon 1977 sang, dass das Leben erst mit 66 Jahren anfängt.
Gestiegene Lebenserwartung spielt eine Rolle
Sicher spielen eine gute medizinische Versorgung und eine gesunde Lebensweise, Sport und Ernährung eine wichtige Rolle um auch im Alter fit und aktiv zu sein. Viel wichtiger aber ist, dass es ein neues Lebensgefühl gibt. Viele Menschen über 50 starten erstmal eine neue Karriere, betreiben Funsportarten wie Fallschirmspringen oder surfen im Internet, entdecken die Länder der Welt und werden entweder noch einmal spät Eltern oder frühe Großeltern. Noch nie waren Omis und Opis so up to date wie heute.Bange machen gilt nichtMehr als 90 Prozent der über 60 jährigen sind sich ihrer neuen Möglichkeiten bewusst. 92 Prozent der Menschen über 50 sind der Ansicht, dass ihre Altersklasse andere Erwartungen an das Leben hat, als die Generationen vor ihnen. Nur 37 Prozent der älteren Menschen haben Angst vor Krankheiten und Gebrechlichkeit im Alter. Der Rest lässt sich vom drohendem körperlichen und geistigen Abbau nicht beeindrucken und hat auch keine Angst davor. Das fand die Internetseite Senioren Ratgeber in einer Umfrage heraus.
Die Wirtschaft nimmt die jungen Alten nicht zur Kenntnis, der Markt schon
Der Arbeitsmarkt hat die jungen Alten scheinbar noch nicht zur Gänze erfasst. Denn während die Wirtschaft die zahlungskräftige 50plus Generation auf der einen Seite längst als lukrativen Milliardenmarkt erkannt hat, haben es Menschen über 50 immer noch ungeheuer schwer, einen Arbeitsplatz auf der anderen Seite der Konsummedaille zu ergattern. Nach wie vor tut sich der erste Arbeitsmarkt mit diesem Klientel schwer.Es ist nur schwer nachvollziehbar, aber die Wirtschaft traut Oma und Opa durchaus zu, mit dem neuesten Snowboard wie der Teufel über die Pisten der Wintersportgebiete zu brettern oder Diskotheken und Ü40 Partys unsicher zu machen, doch im Berufsleben sind die nachgewiesen hohe Zuverlässigkeit und Erfahrung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eher seltener gefragt.
Egal, ob große Fast Food-Kette, Mode- und Kosmetikszene oder die Autoinsustrie – alle reagieren auf die zahlungskräftigen jung gebliebenen Kunden mit eigens konzipierten Produkten. Nur bei der Herstellung und der Produktion, da werden die jungen Alten weniger gern gesehen. Diese beschränkte Sicht der Dinge verursacht jährlich einen riesigen volkswirtschaftlichen Schaden, aber kaum ein Volkswirt kommt auf die Idee, diesen einmal in einer Summe zu errechnen.
Vom Hausfrauenkittel in die Röhrenjeans
Er gehörte zu meiner Oma wie die Majo auf die Fritten, der Hausfrauenkittel. Aber welche Frau Anfang 50 identifiziert sich heute noch mit der strickenden, Kittel tragenden Oma im Schaukelstuhl? Die Omas von heute tragen Bikinis und Röhrenjeans, jugendlich freche Frisuren statt Dauerwelle oder Dutt, und sie verdrehen nicht selten noch Männern den Kopf, die ihre Enkel sein könnten, wie uns Madonna gerade anschaulich mit ihrem jungen Lebensabschnittsgefährten demonstriert.Das gefühlte und das biologische Alter rücken immer weiter auseinander. Im Schnitt fühlen sich die Menschen zwölf bis fünfzehn Jahre jünger, als in ihrem Pass steht. Und sie wollen auch so aussehen. Wellnessreisen, Fitnessstudios und Verjüngungstechniken wie Botoxspritzen und Facelifting boomen. Altersflecken, lichteres Haar, Falten und Fettpolster kratzen bei vielen am Selbstbewusstsein. Das ist eigentlich schade, denn Alter ist etwas, auf das man auch stolz sein kann.
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