„Ein Mann betritt ein Zimmer, einen Saal, eine Halle, einen Hangar. Oder so etwas wie ein unterirdisches Feld, einen Acker unter Tag. Der Mann ist hier, um einen Toten nach der Zukunft zu befragen: Teiresias. Wer will das nicht: in die Zukunft sehen können. Und wer würde nicht gerne einmal, nur ein einziges Mal mit den Toten sprechen können: erzähl mir wie es war, wie war es wirklich, damals. Eine Begegnung mit Menschen, deren Zeit vorbei ist.
Aber wer sagt, ob hier nicht alles vollkommen durcheinander gerät: Vielleicht ist der Blick eines Toten in die Zukunft nichts als die verzweifelte Rekonstruktion einer verlorenen Vergangenheit. Um ihren Tod zu begreifen, feiern die Toten das Leben. Jeder wiedergefundene Moment ist kostbar. Schön war die Zeit, sagt einer. Wann waren wir wirklich lebendig, wirklich wirklich lebendig.
Als ich mit der die Straße lang gelaufen bin, Hand in Hand, hoffnungslos verliebt.
Lass uns tanzen.
Die Schatten der Unterwelt durchleben immer wieder die wichtigsten Momente ihres Lebens – aber welche Momente sind wichtig, welche unwichtig. Wer soll das am Ende eines Lebens entscheiden?
Odysseus braucht den toten Seher Teiresias, um in die Zukunft zu blicken, aber die Toten brauchen Odysseus, um ihre Vergangenheit zu deuten. Sie versuchen verzweifelt, ihrer Vergangenheit einen Sinn zu geben.
Odysseus selbst kann keine Antworten geben, denn ihm selbst geht, zurückblickend auf die verlorene Zeit im Krieg und ausblickend auf die vor ihm liegenden Gefahren, der Sinn verloren. Er schnappt nach Luft. Wohin von hier noch aufbrechen?
Aber es sammelten sich unzählige Scharen von Geistern.
Mit graunvollem Getös, und bleiches Entsetzen ergriff mich.“
Roland Schimmelpfennig
Lisa Nielebock wurde 1978 in Tübingen geboren. Von 2000 bis 2004 studierte sie an der Folkwang Hochschule Essen Regie. Für ihre Diplominszenierung „Elektra“ von Hugo von Hofmannsthal/Aischylos (Herbst 2003) wurde sie mit dem „Folkwangpreis 2004“ für Regie und beim Wettbewerb „Körber Studio Junge Regie 2004“ ausgezeichnet.
Mit dieser Arbeit wurde sie 2004 zum Festival Encounter in Brünn eingeladen. Am Schauspielhaus Bochum ist Lisa Nielebock seit der Spielzeit 2005/06 als Hausregisseurin engagiert. Hier inszenierte sie u.a.
„Mein ist Dein Herz!“ Liebesbriefe von Ovid, Sarah Kanes „Phaidras Liebe“, „Fisch um Fisch“ von Roland Schimmelpfennig und „Penthesilea'' von Heinrich von Kleist, Henrik Ibsens „Gespenster“, William Shakespeares „Macbeth“ und Bernard-Marie Koltès’ „Roberto Zucco“.
Der Chor wird komplett ausgestattet von La Perla. Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung!
Odyssee Europa ist ein gemeinsames Projekt von Schauspielhaus Bochum, Schauspiel Dortmund, Schauspiel Essen, Schlosstheater Moers, Theater an der Ruhr, Theater Oberhausen, raumlaborberlin und der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010
Uraufführung
Roland Schimmelpfennig
Der elfte Gesang
Regie: Lisa Nielebock
Bühne und Kostüme: Sascha Gross
Videokonzeption: Piotr Gregorowicz
Dramaturgie: Prof. Hanns-Dietrich Schmidt, Holger Weimar
Mit:
Die übergewichtige Frau, Ende dreißig Veronika Nickl
Ajas Oliver Stern
Der Mann vom Sofortdienst, Mitte dreißig Thomas Anzenhofer
Der Mann vom Tabak- und Lotto-Laden Wolfgang Michael
Achilleus Marco Massafra
Kirke Lena Schwarz
Die Mutter/Eine alte Frau Margit Carstensen
Die asiatische Frau vom Gemüseladen Karin Moog
Odysseus Wolfgang Michael
Ein junger Soldat in voller Kampfausrüstung Sven Gey
Elpenor Maximilian Strestik
Eurylochos Henning Hartmann
Agamemnon Bernd Rademacher
Teiresias Heiner Stadelmann
Ein Arzt, Ende fünfzig Manfred Böll
Ein Soldat Andreas Bittl
Statisterie
Mehr Informationen zur Odyssee Europa: www.odyssee-europa.de
Premiere ist am Samstag, 27. Februar, um 16.00 Uhr im Schauspielhaus.
Weitere Vorstellungen: 06.03. (16.00 Uhr), 13.03. (16.00 Uhr), 02.04. (16.00 Uhr), 05.04. (18.00 Uhr), 22.05. (16.00 Uhr)
Jörn Denhard
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