Zum 5. Mal steht Haidhausen, das französische Viertel in München, von 27. bis 29. Mai 2011 ganz im Zeichen von OBACHT! An über 20 Orten präsentieren mehr als 50 Künstler Kultur im Quartier: Kunsthandwerk und Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Illustration und Design sind in den offenen Künstlerateliers zu erleben. Gastausstellungen, Konzerte, Lesungen und Performances laden zum Zuschauen und Zuhören, Flanieren und Genießen ein.
Kunst+Kunsthandwerk in Haidhausen
Im Herbergenhof an der Preysingstraße hat Kunst+Kunsthandwerk schon seit
22 Jahren eine feste Heimat.
Eva Sperner teilt sich in ihren gläsernen „Reisetagebüchern” mit, ihre
Nachbarin Angelika Stiegler, erzählt auf Papier und hauchdünnem Ton
Geschichten von Liebe, Tod und Leidenschaft. Dort bietet als Gast Stephanie
Steppich unter dem Motto Ware Freude nicht nur selbst geschneiderter
Lederjacken und zu Gassi-Handtaschen recycelte Jeans an, sondern auch
lokale Speisen und Getränke.
Die meisten Kunsthandwerker Haidhausens setzen auf Schmuck: Poetisch zart
macht das die Goldschmiedin Andrea Hiebl, während Katharina von der
Marwitz auf kühle Eleganz setzt. Ventil, die Werkstatt und Galerie für Schmuck
in der Steinstraße, ist seit 30 Jahren ein Platz für handwerkliche und kreative
Kostbarkeiten. Bei Doris Sacher sind kleine Anhänger mit Miniaturenmalerei von
Walter Zeichner entstanden. Bei Hans Gericke gibt es ein unerschöpfliches
Repertoire an Ringen zu sehen. Anick Messerschmitt schließlich will ihren
Kunden mit ihren Geschmeiden einfach nur eine Freude machen. Bei artisan-37
in der Pariser Straße wird fündig, wer luftige Glasketten sucht, ein dazu
passendes Designer-Kleid, edles Limoges-Porzellan oder luftige Lichtobjekte aus Japanpapier, die man kaum Lampen zu nennen wagt.
In der Sedanstraße sorgen Ute Reitmaier-Studt und Steffi Smale mit ihrer
mia&henry-Kollektion dafür, dass die kleinen Haidhausener in wunderschönen,
praktisch geschnittenen Stoffen durch ihr Viertel streifen können.
Und wer künstlerische Raritäten der schwarzen Kunst sucht, kann bei
FLIEGENKOPF, Christa Schwarztrauber in der Wörthstraße 42 im Souterrain
in die Welt der eigentlich längst untergegangenen Buchdruckerkunst
eintauchen.
Keramische Vasen gibt es bei Daniel Aschoff zu sehen, zusammen mit der
Malerei Anjella Achoffs in der letzten, gerade frisch renovierten Herberge
Haidhausens in der Wolfgangstr. 4.
Malerei
Der Malerei widmen sich 13 Teilnehmer, die damit die größte OBACHT!-
Gruppe stellen. Zu ihnen gehört der von der Fotografie kommende Jacques
Alliod, der sich von indischen Eindrücken inspirieren lässt. Hajo Forster und
Anjella Aschhoff kreieren Kollagen, während Gitte Kögler Gesichter malt
und Earn Kollar die Darstellung von Frauenfiguren in den Mittelpunkt seines
Schaffens rückt.
Renée Rauchalles schwelgt in abstrakten Farbsymphonien. Bei Ramona
Kloos fliegen Möwen durch ein abstraktes Quantenwabern, und an der Natur
orientieren sich die Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft von Eun-Mee Park-
Adolff und die Traumbilder von Gabriele Kubitschek.
Die Abstrakten unter den OBACHT! Malern beschreiben ihre Kompositionen
als pure Farbe und Lichtwert - wie u. a. bei Cornelia Eichacker. Kristian
Gäthjes Bilder erinnern an das malerische Werk von Gerhard Richter. Monika
Reinhard stellt sich erstmalig höchst farbenfroh in Haidhausen vor. In Anna
Lamberts unendlichem Malprojekt ist in den differenzierten Farbflächen das
Licht ihrer griechischen Herkunft zu erkennen. Eine Bündelung der Maler ist
eindeutig im 1Stein28 zu finden.
Bildhauerei
So groß die Gruppe der Maler ist, so reicht die Zahl der Bildhauer gerade für
eine Skatrunde. Willi Tschitschko, zu Gast im Herbergenhof, orientiert sich
an den Formen der Natur und verarbeitet bemerkenswerte Findlinge aus
österreichischen Bergflüssen. Andreas Wiehl aus dem 1Stein28 sieht sich als
Erfinder, ist aber weit über Haidhausen mit seinem „Stein der nicht trägt“
bekannt geworden, der von hinten beleuchtet in der Wand der evangelischen
Johannis-Kirche schwebt. Er sucht Sinn, wo das Sinnvolle augenscheinlich
seinen Sinn verliert. Ingo Glass ist als Bildhauer ein Purist. In
Bauhaustradition kombiniert er ausschließlich die Grundformen Kreis, Quadrat,
Dreieck mit den Grundfarben gelb, rot und blau, rund um das Üblackerhäusl.
Fotografie
Kurt Liebhauser dokumentiert Duschköpfe aus aller Welt und spielt unter
dem Motto „shower before entering the pool“ auf Leid und Freud des
modernen Globetrotters an. Angela Donhärl portraitiert in ihren
Erinnerungsstücken ältere Menschen, deren Lebenswege in Haidhausen
mündeten. Lebendig werden diese Gesichter und ihre Geschichten zudem
durch die Interviews, die die Fotografin mit ihnen geführt. hat. Christiane
Kappes setzt ihre meditativen Landschaften, die an den englischen Maler
William Turner erinnern, als Statements gegen die politische und werbliche
Bilderflut, der wir in den modernen Medien ausgesetzt sind.
Gestaltung
In der Regel ist Gestaltung Auftragsarbeit. Im Haidhauser Haus der
Eigenarbeit (HEi) wird Gestaltung als sozialer Auftrag gesehen. So hat Le
Van Bo unter der Bezeichnung „Hartz-IV-Möbel“ extrem preisgünstige
Einrichtungsgegenstände zum Selberbauen entwickelt. An den OBACHT!-
Tagen zeigen er und ein Werkstattmeister vom HEi, wie das geht.
Plattenhüllen gehören seit den 60er-Jahren zu den wirkungsvollsten
Ausdrucksformen des Grafik-Designs. In dieser Tradition steht Bernd
Hofmann, der ein eigenes Musik-Label betreibt, und mit seinen Cover-Bildern
und Musikplakaten den musikalischen Zeitgeist mit traditionellem Siebdruck
vereint.
Angela Holzmann definiert sich über ihre Faszination am Papier als
Ausgangspunkt für ihre Arbeiten und zeigt ihre Arbeiten im Alten- und
Service-Zentrum (ASZ) mit papierenen Collagen, Kugeln, Schalen und
anderen Objekten. Dort wird auch ihr Trauernotizbuch gezeigt, das liebenden
Angehörigen bei der Trauerbewältigung helfen soll.
Anja Wesner und Kathrin Greif-Maher gewähren in ihrem Büro Bild+Text in
der Pariser Straße Einblick in ihre Arbeit als Grafik-Designer. Einen ersten
Eindruck vermittelt der Ausstellungskatalog, der – wie auch Flyer und Plakate
– von Bild+Text gestaltet wurde.
Performing Arts
Beim diesjährigen OBACHT!-Wochenende wird die Stadtlandschaft
Haidhausens auch über die Werkstätten und Ateliers hinaus bespielt:
Lesungen, Konzerte und Videoinstallationen, Theater-Aufführungen und
Performances, „neuroarchitektionische Installationen“ und
„Landschaftsinterventionen“ zeigen, was zwischen, hinter und unter den
Häusern gärt, schlummert, wächst und sich entfaltet.
Die Künstler Reinhold Micheler und Günther Schalk hinterfragen den
gewohnten Blick auf das Quartier. In den „neuroarchitektonischen
Installationen“ machen Susanne Zauner und Fabienne Hübener das
Phänomen „Zeit“ sichtbar, mit dem Fokus auf die Zukunft.
Als Performance führt das Freie Musikzentrum um sein Tanzstudio am Max-
Weber-Platz hin zur Kreppe die „Die große Überfahrt“ auf. Im Gasteig
verjazzt Geoff Goodman japanische Haikus, die Eva Sperner kalligrafisch
illustriert. Hermann Gfaller liest und zeigt seine Gedicht-Bilder im Ausländer-
Projektladen und präsentiert sie zudem täglich digital.
Soziales Engagement trifft Kunst: So zeigt Kultur auf Rädern mit dem
musikalisch untermalten Schauspiel „Vogelfrei“, wie Menschen an die Kultur
herangeführt werden. Das Theateratelier dokumentiert seine poetischtherapeutische
Arbeit mit einer Ausstellung von Masken für normal Verrückte und verrückt Normale. Soziales Engagement anderer Art beweisen die Bewohner der Pariser Straße 11 (P11), die mit vielfältigen Aktionen wie Video-Installationen und einem Kunstfest ihren Innenhof beleben.
Hinzu kommen musikalische und literarische Überraschungen an
verschiedenen OBACHT!-Veranstaltungsorten, wie im Herbergenhof, dem
Künstlerhaus in der Einsteinstraße 28, im Hof der Pariser Straße 11 oder
auch in einzelnen Läden, wie im artisan 37 in der Pariser Straße, im Altenund
Servicezentrum in der Leonhardstraße oder im Ausländer-Projektladen
Ecke Metz-/ Preysingstraße.
Special
4. Mai bis 30. Juni 2011
Mo-Fr 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr, Sa 11.00 Uhr bis 16.00 Uhr
Gasteig / Münchner Stadtbibliothek
Rosenheimer Straße 5, 81667 München
Vernissage: 3. Mai, 16.00 bis 19.00 Uhr mit Lesung von Hermann Gfaller
aus seinem Gedicht- und Bildband „In der Welt irgendwie ...“
Projektleitung: Angela Holzmann, aha Design & Illustration
»aus Papier schöpfen«
Ausstellung künstlerischer Papierarbeiten
Haidhauser KünstlerInnen und die Münchner Stadtbibliothek inspirieren sich
gegenseitig. Die von der Lese-Institution unterstützte Ausstellung »aus
Papier schöpfen« setzt ein Zeichen dieser kreativen Kooperation: Einige
KünstlerInnen reagieren mit ihren Papier-Arbeiten auf die hohen,
lichtdurchfluteten Räumlichkeiten oder antworten auf das Thema der
Bibliothek auf künstlerische Weise mit dem Material Papier.
Papier wird geschöpft. Hier aber schöpfen KünstlerInnen aus Papier. Kleider,
Tüten, Lampen, poetische Wasserfälle, Ungeheuer und Zauberwesen und
vieles mehr. Die Haidhauser Künstlergemeinschaft »OBACHT! kultur-imquartier.
de« spielt, zusammen mit Gästen, mit den unendlichen
Möglichkeiten dieses allgegenwärtigen Materials. Viele KünstlerInnen ehren
die weiße, schwerelose Reinheit des Papiers, andere heben die
gestalterische Kraft von Licht und Schatten hervor, einige setzen auf das
Wort und manche fordern den schlichten Charakter des Werkstoffs mit Farbe
heraus, durch das Mischen mit anderen Materialien oder indem sie scheinbar
schwere Steine aus ihm formen. KünstlerInnen begeben sich in eine
Zauberwelt aus Papier. Reisebegleitung ist erwünscht!
An zwei Aktionstagen (17. Mai und am 7. Juni, jeweils von 16.30 -18.30 Uhr)
haben Besucher die Möglichkeit, einen Einblick in das Schaffen der
Papierkünstler zu gewinnen.
Darüber hinaus gibt es an beiden Tagen Gedichtlesungen aus Sammlungen,
die in der Ausstellung zu entdecken sind.
Christiane Pfau
Pfau PR
Breisacher Str. 4
81667 München
Tel.: 089 / 48 920 970
Fax: 089 / 48 920 972
Bildbeschreibung/Copyrights:
1) Reisetagebuch Eva Sperner
2) Bernd Hofmann Covermotiv
3) Renee Rauchalles Gruenes Bild

