Am Donnerstag, 20. September, sind in Frankfurt die Nominierungen für den Hessischen Film- und Kinopreis 2012 bekannt gegeben worden. Die Preisgala zum Hessischen Film- und Kinopreis findet am Freitag, 12. Oktober, in der Alten Oper Frankfurt statt.
Hannelore Elsner erhält in diesem Jahr den Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier.
In der Kategorie Dokumentarfilm wurden dieses Jahr zum ersten Mal drei Filme nominiert. Die Nominierungen in den beiden Kategorien Spielfilm und Dokumentarfilm sind mit je 5.000 Euro dotiert. Mit dem Hessischen Filmpreis werden jährlich Regisseurinnen und Regisseure ausgezeichnet, die inhaltlich Mut beweisen oder ästhetisch neue Wege gehen. Der Hessische Film- und Kinopreis des Landes Hessen ist mit insgesamt 185.000 Euro dotiert.
In der Kategorie Hessischer Filmpreis – Spielfilm sind nominiert:
Der deutsche Freund (Regie: Jeanine Meerapfel / Deutschland, Argentinien 2012, 100 Minuten)
Argentinien nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – ein Land, in dem die aus Deutschland vertriebenen Juden und geflohene Nazis Tür an Tür lebten. Regisseurin Jeanine Meerapfel erzählt in ihrem sehr persönlichen Film eine Liebesgeschichte in der Generation der Nachgeborenen zwischen Argentinien und Deutschland.
Lore (Regie: Cate Shortland / Deutschland, Australien, Großbritannien 2012, 108 Minuten)
Deutschland im Frühjahr 1945: Die 14-jährige Lore begibt sich mit ihren jüngeren Geschwistern auf eine gefahrvolle Odyssee. Regisseurin Cate Shortland macht Themen wie Krieg und Sexualität, physische Not und die schmerzhafte Überwindung von Vorurteilen waghalsig, emphatisch und mit geradezu beunruhigender Zärtlichkeit fühlbar.
3 Zimmer/Küche/Bad (Regie: Dietrich Brüggemann / Deutschland 2012, 119 Minuten)
Die Wohnungssuche als Metapher für das Erwachsenwerden und Ankommen. Regisseur Dietrich Brüggemanns witzige und leicht daherkommende Dialoge lassen einen Blick hinter die Oberfläche dieses Umzugs- und Beziehungskarussells zu.
In der Kategorie Hessischer Filmpreis – Dokumentarfilm sind nominiert:
Bulb Fiction (Regie: Christoph Mayr / Deutschland 2012, 94 Minuten)
Der Film belegt eindringlich, dass die abstrakte Gefahr des Quecksilbers durch die Energiesparlampe durchaus real ist. Am Ende des Films von Regisseur Christoph Mayr ist klar, dass es eigentlich um viel mehr geht: Um Lobbyismus in der EU-Politik und das Grundverständnis von Demokratie.
Vergiss Mein Nicht (Regie: David Sieveking / Deutschland 2012, 88 Minuten)
Behutsam dokumentiert Regisseur David Sieveking, wie die Demenz nach und nach Besitz von seiner Mutter Gretel ergreift. Ein bewegender und sehr trauriger Film, in dem immer wieder große Momente des Humors, der Zuversicht und der Liebe aufscheinen.
Versicherungsvertreter (Regie: Klaus Stern / Deutschland 2012, 79 Minuten)
Im Fokus von Sterns Aufmerksamkeit stehen die schillernde Figur des Versicherungsvertreters Mehmet E. Göker, die psychologischen Verheerungen von Gier und Macht und die menschlichen Schwächen, die in geballter Form und an falscher Stelle so viel Unheil anrichten. Der Film ist mutig, intelligent und unterhaltsam und erzählt weitaus mehr, als er zeigt.
Auch die Nominierungen für den Hessischen Fernsehpreis stehen fest. Die Nominierungen in den Kategorien Beste Schauspielerin und Bester Schauspieler sind undotiert.
In der Kategorie Hessischer Fernsehpreis – Beste Schauspielerin sind nominiert:
Heike Makatsch für „Sechzehneichen“ (Regie: Hendrik Handloegten / Deutschland 2012, 90 Minuten)
Heike Makatsch spielt im Film „Sechzehneichen“ eine Ehefrau und Mutter, die sich danach sehnt, einmal „verantwortungslos und böse“ zu sein, anstatt immer nur zu funktionieren. Sie kämpft, kokettiert und hadert und nimmt uns mit auf einen – im wahrsten Sinne des Wortes – unheimlichen Trip in die Isolation, mitten in einer scheinbar perfekten Umgebung.
Claudia Michelsen für „Der Turm“ (Regie: Christian Schwochow / Deutschland 2012, 172 Minuten)
Von Anfang an ist Claudia Michelsen als Anne Hoffmann in „Der Turm“ ein Lichtblick. Der seltene Glücksfall einer Schauspielerin, die nicht groß zu sein scheint wegen dem, was sie tut, sondern dem, was sie nicht tut.
Julia Richter für „Sushi in Suhl“ (Regie: Carsten Fiebeler / Deutschland 2011, 107 Minuten)
Ein japanisches Restaurant im real existierenden Sozialismus, in den 1960er Jahren, mitten in Thüringen! Und Julia Richter als wunderbar skeptisch-sympathische Frau, die ihrem verträumten Mann die nötige Bodenhaftung gibt.
In der Kategorie Hessischer Fernsehpreis – Bester Schauspieler sind nominiert:
Stipe Erceg für „Blaubeerblau“ (Regie: Rainer Kaufmann / Deutschland 2011, 90 Minuten)
Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegt Stipe Erceg seine Figur des todgeweihten Hannes auf dem schmalen Grad zwischen Tragik und Komödie.
Alexander Fehling für „Wir wollten aufs Meer“ (Regie: Toke C. Hebbeln / Deutschland 2012, 117 Minuten)
In „Wir wollten aufs Meer“ widerlegt Alexander Fehling eindrucksvoll das oft gehörte Credo, dass die Rolle des Bösewichts für Schauspieler die dankbarere ist.
Sebastian Urzendowsky für „Der Turm“ (Regie: Christian Schwochow / Deutschland 2012, 172 Minuten)
In einem so grandiosen Ensemble wie dem des Films „Der Turm“ nicht nur zu bestehen, sondern so nachdrücklich in Erinnerung zu bleiben, zeugt von ganz besonderer Klasse.
Alle Preisträger des Hessischen Film- und Kinopreises in den Kategorien Spielfilm / Dokumentarfilm / Kurzfilm / Hochschulabschlussfilm / Drehbuch / Kinokulturpreis für gewerbliche Kinos / Kinokulturpreis für kommunale Kinos werden im Rahmen der Preisverleihung bekannt gegeben, ebenso die Preisträger des Hessischen Fernsehpreises.
Die Preisgala zum Hessischen Film- und Kinopreis findet am Freitag, 12. Oktober, in der Alten Oper Frankfurt statt. Moderiert wird sie von dem in der Türkei geborenen und in Frankfurt aufgewachsenen Schauspieler Adnan Maral. Gastgeber sind der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und Eva Kühne-Hörmann, Ministerin für Wissenschaft und Kunst. Ko-Gastgeber ist der Direktor der Frankfurter Buchmesse Juergen Boos.
Für das Auswahlverfahren in den einzelnen Kategorien sind die Hessische Filmförderung (Filmförderung des Landes Hessen und des Hessischen Rundfunks) und die Jurys verantwortlich.
Die Entscheidungen trafen die Filmpreisjury (Jakob Claussen/Produzent, Andreas Schmidt/Schauspieler, Reiner Schöler/Referatsleiter Film HMWK, Ellen Wietstock/Filmjournalistin und Jury-Vorsitzende Maria Wismeth/Geschäftsführerin Hessische Filmförderung – Filmförderung des Landes Hessen und des Hessischen Rundfunks) sowie die Fernsehpreisjury (Liane Jessen/Fernsehspielchefin, Hessischer Rundfunk, Herbert Knaup/Schauspieler, David Ungureit/Drehbuchautor, Tanja Ziegler/Produzentin und die Jury-Vorsitzende Christel Schmidt/Ko-Geschäftsführerin Hessische Filmförderung – Hessischer Rundfunk Filmförderung.)
Die Entscheidungen für die Kinokulturpreise traf die Abspieljury (Maike Mia Höhne/Kuratorin, Volker Kufahl/Festivalleiter, Ute Mader/Kinobetreiberin, Christine Runge/Kinobetreiberin, Dirk Steinkühler/Kinogeschäftsführer) unter der Jury-Leitung von Maria Wismeth/Geschäftsführerin Hessische Filmförderung – Filmförderung des Landes Hessen und des Hessischen Rundfunks.


Hannelore Elsner /Szenenbild aus "Wer's glaubt wird selig"/Bild: Constantin Film