Eines ist bei dem britischen Stargeiger Kennedy immer absolut sicher: Langweilig wird es bei seinen Konzerten keine Sekunde. Jetzt ist er am 30. April mit seinem neuen Projekt „Bach meets Ellington“ im Rahmen der PRO ARTE KONZERTE im Mannheimer Rosengarten und am 24. April im Regensburger Audimax zu erleben.
Zusammen mit seinem eigenen „Orchestra of Life“ und dem Kennedy-Quintett. Kennedy ist ein Musiker ohne Grenzen, der die Tempel der Hochkultur mit spannend-modernen und kreativen Interpretationen aufmischt, der zu Jazz und Klezmer den gleichen faszinierenden Zugang findet wie zu großen klassischen Meisterwerken.
Dabei hat sein Spiel einen so umwerfenden Drive, verströmt so viel spontane, ansteckende Lust an der Musik, dass sofort klar wird, warum er zum Kultstar wurde. Seine spektakuläre Aufnahme von Vivaldis 4 Jahreszeiten kam als bestverkaufte Klassik-Platte aller Zeiten ins Guinness-Buch der Rekorde.
Auch für seine anderen Einspielungen erhielt Kennedy zahllose Preise, etwa für die unübertroffene Aufnahme des Elgar-Konzertes mit Sir Simon Rattle. Seine brandaktuelle, bei EMI erschienene CD „SHHH!“ ist ein Gemeinschaftswerk seines Quintetts mit dem Sänger Boy George.
Und soeben wurde beim gleichen Label aktuell zu seiner Tournée durch 17 deutsche Städte auch seine herausragende CD „Kennedy plays Bach“ mit den Berliner Philharmonikern neu aufgelegt.
Wenn er jetzt live Johann Sebastian Bach mit Duke Ellington in eigenen Arrangements kombiniert, dann verspricht das Spannung, Genuss und schieres Hörvergnügen.
Karten bei PRO ARTE unter Tel. 0800 – 633 66 26 bzw. www.pro-arte-konzerte.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse
Nigel Kennedy im Interview
- Sie werden im April und Mai 2010 Ihr Bach-Ellington-Programm in 17 deutschen Städten präsentieren. Welche Parallelen gibt es zwischen Bach und Duke Ellington?
Nigel Kennedy: Die Verbindung zwischen Ellington und Bach ist der ausgeprägte Reichtum an Harmonien der beiden Komponisten. Darin liegt deren jeweilige Stärke begründet.
Ihre Art der Orchestrierung ist eine weitere Parallele. In deren Kompositionen gibt es kaum Dopplungen, weil sie die Platzierung der Klangfarbe eines Instruments exakt planten. Die Klarheit und Präzision in der Präsentation ihrer Musik fasziniert mich.
- Aus gegebenem Anlass wird Ihre erfolgreiche CD Kennedy Plays Bach aus dem Jahr 2000 in einer Neuauflage wiederveröffentlicht. Welche Rolle spielt Bach in Ihrer Karriere?
Nigel Kennedy: Eine enorm große Rolle! Mein Studium mit Yehudi Menuhin glich einer Wegweisung Richtung Bach, weil Menuhin einer der tonangebenden Violinisten in der Bach-Interpretation war. Er trug viel zur weltweiten Popularität der Solosonaten von Bach bei.
Für mich besitzt Bach seither jedes Element großartiger Musikkunst - herausragende kompositorische Architektur, wunderschöne Melodien, starke Harmonien.
Er wird immer ein Barock-Komponist bleiben, aber in meinen Augen überwindet sein Werk die Epochen, weil er Romantikern wie Chopin den Weg geebnet hat mit seinen Harmonien.
- Bietet Bach Ihnen genügend Raum, um Nigel Kennedy sein zu können?
Nigel Kennedy: Wenn er keinen Platz für Individualismus bieten würde, wäre sogar Bach ein langweiliger Komponist trotz aller Vorzüge seiner Musik. Glenn Goulds Bach-Interpretationen sind nach wie vor populär, weil sie zur Hälfte auf Bachs, zur anderen Hälfte auf sein Konto gehen.
Bach bietet mir genügend Platz, um meine eigenen Emotionen ausdrücken zu können, was mein eigentlicher Beweggrund für die Kommunikation mittels Noten ist.
- Viele Bassisten benennen Bach als Einfluss wegen seines rhythmischen Verständnisses.
Nigel Kennedy: Davon besitzt er sicher eine ganze Menge, aber ich habe nicht den Kopf eines Bassisten. Ich bin mir nicht mal sicher, ob Bassisten überhaupt viel Gehirn besitzen! Nein, das war nur ein Scherz.
Wie viel rhythmisches Verständnis in Bachs Musik liegt, zeigt sich während meiner kommenden Konzerte in Deutschland, weil ich sie sowohl mit dem Orchestra of Life als auch mit meinem Quintett bestreiten werde.
In manchen Stücken wird das Quintett ein Teil des Orchesters, und weil es eher am Groove orientiert ist als das Orchester, tritt die rhythmische Finesse Bachs vielleicht ein Stück mehr in den Vordergrund.
- Ist Ihr Bach-Ellington-Programm eine Reminiszenz an die Schnittmenge der beiden Komponisten oder eher eine Huldigung Ihrer eigenen Vieseitigkeit?
Nigel Kennedy: Ich würde die Programmgestaltung keine Huldigung, sondern eher eine Fortsetzung meines Wegs als Musiker nennen. Schon als Student sah ich keine Notwendigkeit darin, mich entweder für die Klassik oder den Jazz entscheiden zu müssen und jetzt ergäbe die Selbstbeschränkung erst recht keinen Sinn mehr.
Ich finde es idiotisch, wenn Musiker nicht ihr Potenzial nutzen, in dem sie sich auf ein Genre festlegen lassen. Ich mag Bach, Bartók, James Brown, Brahms, Hendrix, Ellington, Chopin, Barock und Swing. Entsprechend gestalte ich meine Konzertprogramme.
- Welches war Ihr bislang bizarrstes Konzerterlebnis?
Nigel Kennedy: Mein Brahms-Konzert für den britischen Botschafter in Washington. Eine Geigensaite riss, und meine Ersatzsaiten hatte ich im Hotel vergessen. Ich musste dem Publikum das frühe Ende des Konzerts mitteilen und blickte ausschließlich in glückliche Gesichter.
- Ihr schönstes Konzerterlebnis?
Nigel Kennedy: Das erlebe ich immer, wenn ich den Kontakt zwischen meinem Publikum und dem Geist des Komponisten herstellen kann. Dann herrscht Magie im Konzerthaus.
Nigel Kennedy
Biographie
Seit seinem sensationellen Konzert-Debüt mit Mendelssohns e-moll-Violinkonzert 1977 in der Londoner Royal Festival Hall mit dem Philharmonia Orchestra unter Riccardo Muti tritt Nigel Kennedy als einer der gefragtesten und weltweit führenden Geigenvirtuosen in der ganzen Welt auf.
Der wandlungsfähige Künstler versteht sich als Grenzgänger zwischen verschiedensten Musikstilen. Seine einzigartige musikalische Begabung und seine sprühende Energie haben sowohl dem klassischen als auch dem zeitgenössischen Repertoire neue Impulse verliehen und einen wichtigen Beitrag zur Aufhebung der Trennung zwischen U- und E-Musik geleistet.
Im Alter von sieben Jahren erhielt Nigel Kennedy das allererste Stipendium, das von der Yehudi Menuhin School vergeben wurde, bevor er mit 16 Jahren Schüler von Dorothy DeLay an der Juilliard School of Music in New York wurde. Wiederholt erhielt Kennedy aber auch beim Meister der Jazz-Geige, Stéphane Grappelli, Unterricht in Jazz-Improvisation.
Seine Leidenschaft für den Jazz brachte Nigel Kennedy 2006 sogar auf das legendäre Label Blue Note. Das Album „Blue Note Sessions“ entstand in Zusammenarbeit mit Stars der Szene wie Ron Carter und Jack DeJohnette. Seit Beginn seiner Karriere ist Nigel Kennedy exklusiv unter Vertrag bei EMI Classics.
So vielfältig wie seine Konzertprogramme ist auch seine mehrfach ausgezeichnete Diskografie: Außer seiner legendären „Jahreszeiten“- Aufnahme, die mit mehr als zwei Millionen weltweit verkauften Exemplaren als meistverkauftes Klassik-Album sogar Eingang ins Guinness-Buch der Rekorde fand, etwa die Violinkonzerte von Elgar und Sibelius (mit Sir Simon Rattle), Brahms (mit Klaus Tennstedt), Tschaikowsky (mit Okko Kamu), Mendelssohn sowie Bruch (mit Jeffrey Tate).
Im September 2002 wurde Kennedy zum Künstlerischen Leiter des Polish Chamber Orchestra ernannt, eine Position, die einst sein Lehrer und Mentor Yehudi Menuhin bekleidete. Mit dem Orchester spielte er das im Oktober 2007 erschienene Album „Polish Spirit“ ein, mit u.a. Emile Mlynarskis zweitem Violinkonzert.
Als aktuelle Veröffentlichung ist seit März 2008 ein Album mit Beethovens Violinkonzert, Mozarts Violinkonzert Nr.4 und Horace Silvers „Creepin’ In“ auf dem Markt. Nigel Kennedy (Violine & Leitung des Polish Chamber Orchestra) lässt beim Mozart Violinkonzert seine Jazz-Erfahrungen einfließen und spielt zwei eigene Kadenzen auf seiner Violectra Elektrogeige.
Für sein 1999 veröffentlichtes Album „Classic Kennedy“ wurde er mit einem „ECHO Klassik 2000“ als Instrumentalist des Jahres ausgezeichnet, diese Auszeichnung wurde ihm auch 2001 verliehen.
Im selben Jahr erhielt Kennedy einen renommierten „Classical Brit Award“ als „Male Artist of the Year“. 2002 ehrte die Deutsche Phono-Akademie Kennedy mit dem ECHO Klassik- Sonderpreis „Ambassador of Music“ als Vermittler zwischen den musikalischen|
Welten. Seine CD „The Vivaldi Album Vol.2“ wurde mit dem renommierten österreichischen „Amadeus-Preis“ ausgezeichnet und erhielt wiederum einen „ECHO Klassik 2005“.
Auch 2008 hält der Preisregen an: "Polish Spirit" bringt dem Künstler erneut einen ECHO als „Instrumentalist des Jahres“ ein. Nigel Kennedy ist mit seiner langjährigen polnischen Partnerin Agnieszka verheiratet.
Mit ihr und seinem Sohn Sark aus erster Ehe lebt er abwechselnd in Krakau, London und Malvern. Kennedy spielt auf einer Guarneri-Geige von 1735 und ist Fan vom Fußball-Club Aston Villa.
„Bach meets Duke Ellington“
Nigel Kennedy (Violine)
Orchestra Of Life & Kennedy Quintett
Samstag – 24. April 2010 – 20 Uhr – Audimax Regensburg
Freitag, 30. April 2010 – 20 Uhr – Mannheim / Rosengarten
Alle Termine
11.04.2010 Essen Philharmonie
13.04.2010 Hamburg Laeiszhalle
14.04.2010 Bielefeld Oetkerhalle
16.04.2010 Dortmund Konzerthaus
17.04.2010 Düsseldorf Tonhalle
18.04.2010 Leipzig Gewandhaus
20.04.2010 München Philharmonie
21.04.2010 Freiburg Konzerthaus
22.04.2010 Baden Baden Festspielhaus
24.04.2010 Regensburg Audimax
25.04.2010 Stuttgart Liederhalle
26.04.2010 Dresden Kulturpalast
28.04.2010 Berlin Philharmonie
29.04.2010 Frankfurt Alte Oper
30.04.2010 Mannheim Rosengarten
02.05.2010 Nürnberg Meistersingerhalle
17.07.2010 Freiburg Sektkellerei
24.07.2010 Hamburg Museum der Arbeit
25.07.2010 Neumünster Holstenhalle


Nigel Kennedy ©Nigel Kennedy 1Bild