Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten und Veranstaltungen in unserem Archiv

Vom 28. März bis zum 6. Juni 2010

„Neubeginn und Kontinuität“ Die Malerei und Grafik der 1950er Jahre in Niederbayern In der Stadtgalerie im Stadtmuseum Deggendorf

Die Ausstellung in der Stadtgalerie beleuchtet erstmals die künstlerische Entwicklung in der Malerei und Grafik in den Jahren von ca. 1950 bis 1959 in Niederbayern.

Nach dem Trauma des Weltkriegs II diktierte auch hier zunächst das blanke Überleben den Nachkriegsalltag. Doch die Sorge um tägliche Nahrung, Kleidung und Wohnraum lähmte das kulturelle Leben nur erstaunlich kurz.

Bereits am 22. Mai 1946 erteilte die amerikanische Militärregierung in Regensburg die Erlaubnis zur Gründung des Berufsverbandes Bildender Künstler für den Regierungsbezirk Niederbayern-Oberpfalz. Noch im gleichen Jahr wurde die Donau-Wald-Gruppe gegründet, die als regionale Künstlervereinung für die 1950er Jahre in Niederbayern als besonders prägend angesehen werden muss.

1955 fand die erste Documenta in Kassel statt, die von 134.000 Besuchern in der notdürftig hergerichteten Museumsruine besucht wurde. Künstlerinnen und Künstler sahen sich in der zweiten Hälfte der 1940er und auch noch weit in die 1950er Jahre oft mit ganz praktischen Problemen, wie der Beschaffung von Pinseln, Farben, oder einfach der Beschaffung von Pressfaserplatten oder gar Leinwänden konfrontiert.

Anders als in den 1960er Jahre, ist die Kunst der 1950er Jahre vom Spannungsfeld zwischen Neubeginn und Kontinuität und der Suche nach einer zeitgerechten Ausdruckform geprägt. Mehr noch als in den großen Metropolen waren die Künstler der Region auf sich selbst zurückgeworfen und wesentlich vom Austausch untereinander abhängig.

Informationen über internationale künstlerische Entwicklungen waren im Vergleich zu heute nur mit weitaus höherem Aufwand zu beschaffen. Die Ausstellung mit Malerei und Grafik der 1950er Jahre in Niederbayern macht die Brüche in der Kunstentwicklung zwischen „Neubeginn und Kontinuität“ sichtbar. Sie ist aber auch Ausdruck der Lebensfreude und des Überlebenswillens einer Künstlergeneration.

Die Ausstellung- kuratiert von der Kunsthistorikerin Birgitta Petschek-Sommer - zeigt Werke von 25 bedeutenden Künstlern aus ganz Niederbayern. Sie stammen aus Museen und Sammlungen, Künstlernachlässen sowie aus Privatbesitz. 

„Exotik um den Nierentisch“

Keramik der 50er Jahre aus der Sammlung Alois Harasko, Augsburg

Im Handwerksmuseum Deggendorf

Die 50er Jahre sind inzwischen eine durchaus legendäre Epoche, doch die Keramikproduktion bringt man kaum als erstes mit dieser Zeit in Verbindung. Dennoch bildete sich ein eigener Stil heraus: Schräg und exotisch, modern und farbenfroh präsentiert sich die Keramik der 50er Jahre.

Sie war Ausdruck eines neuen Lebensgefühls und begleitete die Jahre des Wiederaufbaus und beginnenden Wirtschaftswunders. Die Privatsammlung von Alois Harasko aus Augsburg umfasst Gebrauchs- und Zierkeramik aus dem Wohnbereich: Geschirr, Vasen, Bowlen- und Saftservice sowie Wandschmuck.

Nach den Schrecken und Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs standen die 1950er-Jahre unter dem Zeichen des Wiederaufbaus und der Wohnraumbeschaffung, aber auch des kalten Kriegs und der Atombombenbedrohung. Heute erinnert man sich besonders gern an Dynamik und Schwung der Wirtschaftswunderzeit: Sie brachte neue Gebrauchsgüter in den Alltag, nachdem die dringendsten Grundbedürfnisse gedeckt worden waren.

Nach der „Fresswelle“ und der „Textilwelle“ betraf die dritte Konsumwelle der deutschen Nachkriegszeit Wohnungseinrichtungen und Hausrat. Bis Mitte der 1950er-Jahre wurde etwa die Hälfte der deutschen Haushalte neu möbliert. Während die meisten konservative, repräsentative Möbel bevorzugten hielt die Moderne Einzug durch Tütenlampen, Kleinmöbel wie Blumenständer und die berühmten „Nierentische“.

Die keramische Industrie erlebte in Deutschland in den 1950er Jahren einen immensen Aufschwung. Zum einen gab es nach dem Krieg einen großen Bedarf an Gebrauchsgeschirr, zum anderen erlaubte der neue Wohlstand auch die Beschaffung dekorativer Keramik: Vasen aller Art wurden beliebte Geschenke.

Ein großes Angebot an Bowle- und Saftservicen, Rauchersets, Portionsschälchen für Partysalate und Halter für Knabbergebäck war Ausdruck der neuen Bedeutung von Gastlichkeit und Tischkultur.

Reiselust und die Neugier auf Exotisches zeigten Dekore von Wandtellern, Reliefmasken und figürliche Keramik. Asymmetrie wurde zum neuen Prinzip der Gestaltung. Fließende Formen mit moderner, abstrakter Bemalung galten als typisches Merkmal der Zeit.


Die Ausstellungen werden am Sonntag, den 28. März 2010 um 15 Uhr von Oberbürgermeisterin Anna Eder eröffnet. Die Einführung in die Keramikausstellung hält Dr. Elisabeth Fendl vom Johannes-Künzig-Institut, Freiburg.

Zur Kunst der 1950er Jahre in Niederbayern spricht Dr. Josephine Gabler vom Museum Moderner Kunst – Stiftung Wörlen in Passau. Musikalisch wird mit der Gruppe „Faltenrock“ und kulinarisch mit Kaffee und Kaltem Hund auf die 50er Jahre eingestimmt.

Wir zeigen die Ausstellungen vom 28. März bis zum 6. Juni 2010.

Zusätzlich zu den Öffnungszeiten ist auch der Ostermontag von 10-17 Uhr geöffnet.

Zu den Ausstellungen bietet das Kulturviertel ein umfangreiches Begleitprogramm mit Lesungen, Kulturrevue und Vorträgen sowie einem Konzert der „Ramonas“ im Kapuzinerstadl (Nähere Infos zum Programm auf dem beigefügten Flyer).

Vom 28. März bis zum 6. Juni 2010 widmen sich die Deggendorfer Museen der Kultur der 1950er Jahre mit einer Doppelausstellung:

Birgitta Petschek-Sommer M.A.
Leiterin der Museen

Stadtmuseum, Östlicher Stadtgraben 28
mit Stadtgalerie im Stadtmuseum
Handwerksmuseum, Maria Ward Platz 1
Postfach 1920, 94459 Deggendorf
Tel: 0991/ 2960-550 oder 555
Fax: 0991/ 2960-559
Email: birgitta.petschek@deggendorf.de
Internet: www.deggendorf.de
oder www.museen-deggendorf.de