Spätestens seit seiner Aufsehen erregenden Teilnahme an der Biennale von Venedig 2007 und der documenta 12 gehört Nedko Solakov zu den zentralen Positionen der zeitgenössischen Kunst. Der bulgarische Gegenwartskünstler (*1957) ist ein begnadeter Geschichtenerzähler und ein ebenso humorvoller wie drastischer Kommentator von Kunst und Welt der Gegenwart.
Hinzu kommt seine vitale Umsetzung existentieller Themen des Menschen, seien es nun Ängste, Hoffnungen oder Aggressionen. Beispielhaft hierfür sind zwei seiner Hauptwerke, „99 Fears“ (2006/07) und „Top Secret“ (1989/90), die auf der Mathildenhöhe Darmstadt zu erleben sind.
"Emotions (without masks)" sollte die dritte Station der Ausstellungstournee werden, die die Mathildenhöhe Darmstadt gemeinsam mit dem Kunstmuseum Bonn und dem Kunstmuseum St. Gallen geplant und organisiert hat. Entstanden ist eine komplett neue Totalinstallation von Nedko Solakov: Die ursprünglichen "Emotions"-Werke verbleiben – bis auf einige wichtige Ausnahmen – in ihren Transportkisten:
Sie werden Teil der Gesamtinszenierung. Darüber hinaus erblicken ganz neue, bisher nicht gesehene „Emotions“ das Licht der Welt und ergreifen Besitz von der verlassenen Architektur der vorhergehenden Ausstellung „Masken. Metamorphosen des Gesichts“. Solakov realisiert damit sein bisher größtes Werk auf immerhin 1000 Quadratmetern, einzigartig und speziell für die Mathildenhöhe Darmstadt.
„Emotions (without masks)“: Der für die Mathildenhöhe Darmstadt erweiterte Ausstellungstitel meint neben den Gefühlen, denen Solakov hier unverstellt freien Lauf lässt, auch das im Doppelsinn demaskierte Museum, den Leerraum der vorhergehenden Ausstellung, in dem sich nun die teuflisch-heiteren Maskeraden ereignen.
Winzige Figuren und handschriftliche Notate bevölkern die Frei-Räume. Es entsteht ein zwischen Fiktion und Realität changierendes Gesamtkunstwerk, das mit absurden Mikrogeschichten und tragikomischen Denkstücken unseren Blick auf Kunst und Leben herausfordert.
Wollten Sie schon immer einmal einem nicht mehr ganz jungen Eskimo beim Betrachten des Nordlichtes zusehen? Wussten Sie, wie gelangweilt ein Gegenwartskünstler mitunter von seiner Arbeit sein kann – selbst unter besten Bedingungen? Wollten Sie immer schon wissen, was Picassos Geister so alles umtreibt? Bei Nedko Solakov können Sie es erfahren.
Wie erzählt Nedko Solakov all diese Geschichten? Der Künstler rückt diejenigen Elemente, die in ihrer unterstützenden Funktion in klassischen Präsentationen nahezu unsichtbar bleiben – Nägel, Vitrinen, Sockel, Beleuchtung – in die erste Reihe. Nägel in Vitrinen, Bohrlöcher in der Wand, Schattenwürfe und sogar kleinste Korkstreifen werden zum Leben erweckt.
„Emotions (without masks)“ unterläuft damit unsere Erwartung, dass Kunst immer etwas Großes, bestenfalls Spektakuläres, jedenfalls etwas gut Sichtbares und perfekt Ausgestelltes sein sollte. Bei Nedko Solakov blüht die Kunst am besten im Verborgenen, der Teufel steckt sprichwörtlich im Detail..
Der Künstler
Nedko Solakov (*1957 in Cherven Briag, Bulgarien) studierte an der Akademie für Bildende Kunst in Sofia und schloss 1981 bei Mito Ganovski in Wandmalerei ab. Es folgte ein Studium am Nationaal Hoger Instituut voor Schone Kunsten, Antwerpen sowie Stipendien in Zürich, Wien, Stockholm, Kitakyushu und dem Künstlerhaus Bethanien in Berlin.
Arbeiten von Nedko Solakov sind in den bedeutendsten Museumssammlungen vertreten und wurden bislang in zahlreichen Gruppenausstellungen gewürdigt. Zu den wichtigsten Stationen seiner Ausstellungsbiografie zählen die Beiträge zur Biennale von Venedig (2007), der documenta 12 (2007) sowie die aktuelle Retrospektive (Kunstmuseum Bonn, Kunstmuseum St. Gallen, Mathildenhöhe Darmstadt, 2008/09). Nedko Solakov lebt und arbeitet in Sofia.
Der Katalog
Zur Ausstellungstournee ist ein aufwendig gestaltetes Katalogbuch mit Texten von Ralf Beil, Stephan Berg, Konrad Bitterli, Georgi Gospodinov und Nedko Solakov im Hatje Cantz Verlag erschienen. Gebunden, 224 S., 196 Abb., 19,7 x 26,7 cm, in der Ausstellung € 30,-, im Buchhandel € 34,-.
Quelle:
http://www.mathildenhoehe.info...
bis 1. November 2009

