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verstörend - bis 9.6.2010

Nationaltheater Mannheim: Kevin O'Day - Seine Choreografie spielt mit den ästhetischen Chiffren des Film noir

„Ich sah sie nie im Tageslicht – wir schienen bei Nacht zu leben. Was vom Tage übrig blieb, verflog wie der Rauch einer Schachtel Zigaretten.“
Jeff Bailey (Robert Mitchum) in Goldenes Gift

Verstörend und faszinierend zugleich sind die Bilder und Geschichten des Film noir. Durch dunkle Stadtlandschaften quälen sich seine isolierten Protagonisten auf der Suche nach der Wahrheit oder nach dem schnellen Geld.
Mächtig und verführerisch greift die Femme fatale nach ihrem Platz auf der Leinwand – sie entfacht im Helden eine ungezähmte Leidenschaft, aber ihr Drang nach Selbstbestimmung und individueller Freiheit wird scheitern. Die Helden des Film noir sind gebrochene Figuren,
unvollkommen, Gesetzlose, Ausgestoßene. Sie sind Menschen ohne jede Chance, und sie sehen blendend dabei aus.

Der Film noir schlägt Brücken zwischen der amerikanischen Filmindustrie und der französischen Filmkritik, die ihm seinen Namen gab, aber auch zwischen den Filmen des Expressionismus, zweitklassigen Groschenromanen,
der italienischen Neorealismus-Bewegung, der Psychoanalyse und den amerikanischen Detektivreihen der frühen 30er Jahre. Charakteristisch sind seine hell-dunkel Kontraste, bizarre Schattenspiele, ungewöhnliche
Kameraperspektiven und eindrucksvolle visuelle Effekte.

In einer düster-schönen Ästhetik feiert der Film noir seine Stars. Sie betreten das Set, um einer dunklen Straße aus Zufällen und Schicksal zu folgen. Selten geht das gut aus.

Der Film noir zerrt Existenzängste ans Licht. Er zelebriert das Gebrochene, Rohe, Nüchterne. Er dokumentiert das Scheitern und macht den Zuschauer zum Komplizen. Trotzdem orientiert er sich an hochmoralischen Ansprüchen: Niemals kommt einer mit seinen Verbrechen davon. Aber auch die Wahrheitssucher tragen am Ende Wunden davon. Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Der
Film noir verneint, aber er gibt keine Antworten.

Kevin O'Day interessieren die Leerstellen, die Lücken im System, die Verstrickungen, die unbeantworteten Fragen des Film noir und die Antworten, die sich im Diffusen verlieren. Seine Choreografie spielt mit den ästhetischen
Chiffren des Film noir, seiner gebrochenen Lyrik und Montagetechnik, mit den choreografischen Elementen des Films und den filmischen Momenten des Tanzes.

Besetzung

Choreografie

Bühne und Kostüme

Licht

Aufführungen bis zum 9.6.2010

Kontakt

Nationaltheater Mannheim
Generalintendanz Regula Gerber
Mozartstr. 9
68161 Mannnheim
Tel. 0621 1680 0

Presse

sandra.strahonja(at)mannheim.de

Links

http://www.nationaltheater-mannheim.de/ballett/stueck_details.php?SID=587