Eben erreicht mich die Nachricht, dass Claus Helmut Drese, einer meiner Vorgänger als Intendant am Wiesbadener Staatstheater zwischen 1962 – 1968, Mitte Februar im Alter von 88 Jahren gestorben ist.
Er hat bis zuletzt mit dem Wiesbadener Theater Kontakt gehalten. Gerne ist er unserer Einladung gefolgt, im Opernfoyer für unser Theaterpublikum aus seinen Büchern „Erlesene Jahre – das Operntheater des Claus Helmut Drese“ und „Nachklänge“ vorzulesen.
Auch eine Geschichte der „Maifestspiele Wiesbaden ab 1950“ hat er initiiert, verfasst von Holger R. Stunz, die er bei uns vorstellte. Der geschichtliche Abriss endet mit seiner Intendanz 1968. Die Darstellung der Festspiele bis in die Gegenwart wartet also noch auf eine Fortsetzung.
Die Stationen nach Wiesbaden waren: Städtische Bühnen Köln, Züricher Opernhaus, Wiener Staatsoper, Berater bei der Oper in Athen, wo es jeweils bemerkenswerte Produktionen zu sehen gab. Am meisten Nachruhm aus dieser Zeit genießt wohl sein Monteverdi-Zyklus in Zürich mit Nikolaus Harnoncourt und Jean Pierre Ponelle.
Während seiner Wiesbadener Intendanz gab es aufsehenerregende Heyme-Inszenierungen („Wilhelm Tell“). Er selbst hielt seine eigene „Rosenkavalier“-Inszenierung für wichtig, die damals offensichtlich einen Skandal auslöste, weil Drese die Geschichte vom Rokoko in den Jugendstil verlegte.
Das alles beschreibt er auch in seinen Erinnerungsbüchern – wichtigen Zeitgenossen gewidmet, glänzend geschrieben, mit vielen klugen Anmerkungen zur Kunst und Zeitgeschichte, oft in einem Nebensatz versteckt. – Zu seiner Zeit waren die Maifestspiele ein wichtiges „Fenster zum Osten“.
Ich selbst lernte ihn kennen, als ich als noch unbekannter Jungprofi meine ersten Inszenierungen an einem kleinen Theater im Ruhrgebiet (in Castrop-Rauxel) machte.
Da war es schon erstaunlich, dass nach einer Aufführung der Generalintendant von Köln am Bühneneingang wartete, um mit dem jungen Kollegen über seine Inszenierung zu sprechen, auf die er durch eine Kritik aufmerksam geworden war. Zu der bei ihm geplanten Studioaufführung in Köln kam es dann nicht, da ich inzwischen zum Intendanten des Landestheaters in Tübingen gewählt worden war.
Wann immer ich ihn später traf, hatte ich den Eindruck, er war genauestens informiert, was an den Theatern so passierte, auch an denen, die ich hinterher geleitet habe – sogar als er Chef des Züricher Opernhauses und danach Wiener Staatsopernintendant wurde, und damit ganz in der internationalen Opernszene angekommen war.
Er blieb weiterhin neugierig darauf, was im Theater (auch im Schauspiel) passierte – egal wo. Claus Helmut Drese war gewiss für Wiesbaden und die deutsche Theaterszene ein ganz wesentlicher Kollege und Intendant.
Viele werden seine wache und ernsthafte Zeitanalyse vermissen, die er auch außerhalb seiner Theaterarbeit leidenschaftlich äußerte.
Dr. Manfred Beilharz
Intendant Hessisches Staatstheater Wiesbaden

