Als vielfältig und ausgeprägt profiliert, traditionsreich und modern, so präsentiert das Musikfest Berlin 2016 „the big family“ der Symphonieorchester von internationalem Renommée. Dazu hat es in diesem Jahr alle drei Münchner Spitzenorchester eingeladen: das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Daniel Harding.
Sie werden das Musikfest Berlin am 3. September in der Philharmonie mit Wolfgang Rihms Komposition „Tutuguri“ eröffnen. Am 6. September kommen dann die Münchner Philharmoniker mit ihrem Chefdirigenten Valery Gergiev nach Berlin mit einem, den wichtigsten russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts gewidmeten Programm: Schostakowitschs 4. Symphonie und Ustwolskajas 3. Symphonie. Musik von Richard Strauss, Béla Bartóks und György Ligeti spielt das Bayerische Staatsorchester am 14. September, dirigiert von Kirill Petrenko.
Orchesterformationen, die sich auf besondere Weise der Ausbildung des Nachwuchses verpflichtet haben, sind ebenfalls zu Gast: die Junge Deutsche Philharmonie, ein Klangkörper mit höchsten künstlerischen Ansprüchen, der aus den besten Absolventen deutschsprachiger Musikhochschulen besteht; und das Orquesta Sinfónica Simón Bolívar de Venezuela, das aus dem erfolgreichen Bildungsprojekt mit Vorbildfunktion El Sistema hervorgegangen ist, mit Gustavo Dudamel am Pult.
Musikfest Berlin
Vom 2. Bis 20. September 2016 startet das Berliner Konzertleben mit dem Musikfest Berlin in die neue Spielzeit, veranstaltet von den Berliner Festspielen in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker. An 19 Tagen werden in der Philharmonie, in deren Kammermusiksaal, im Haus der Berliner Festspiele, im Konzerthaus Berlin und im Großen Sendesaal des Rundfunk Berlin-Brandenburg 27 Veranstaltungen mit über 70 Werken von rund 35 Komponisten präsentiert, aufgeführt von 20 Orchestern, Instrumental- und Vokalensembles sowie zahlreichen Solisten des internationalen Musiklebens und der Musikstadt Berlin.
Münchens drei berühmte Orchester, durch die die Bayerische Landeshauptstadt – neben London und Berlin – zu den bedeutendsten Musik-und Orchestermetropolen zählt. Beim Musikfest Berlin sind sie alle drei in der Philharmonie zu hören: das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Daniel Harding, die Münchner Philharmoniker mit Valery Gergiev und das Bayerische Staatsorchester der Münchner Oper mit Kirill Petrenko.
Konzerte in Berlin
Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eröffnet das Musikfest Berlin mit einem wahrhaft die Formen sprengenden Werk von Wolfgang Rihm: „Tutuguri“ für großes Orchester, ein Ensemble von sechs Schlagzeugern, mit Chorstimmen aus Lautsprechern und einem Sprecher, der Antonin Artauds gleichnamiges chthonisch-atavistisches Poème rezitiert und mit seiner Stimme zugleich Akteur ist. Als furioses Tanztheater im Auftrag der Deutschen Oper Berlin und ihres Intendanten Götz Friedrich geschrieben, zählt die 1982 erfolgte Uraufführung des abendfüllenden Tanztheater-Rituals zu den unvergessenen Großereignissen der Berliner Musikgeschichte.
Dass es zugleich eine die Ohren unwiderstehlich in Bann ziehende rituelle Konzertmusik ist, haben die Aufführungen in Salzburg, München und London gezeigt. „Alles muss haargenau in eine tobende Ordnung gebracht werden“ – Artauds Gedanke eines neuen, befreiten Theaters, geprägt durch die Erfahrungen bei seiner Expedition zu dem mexikanischen Tarahumara-Indianern, hat in Wolfgang Rihms „Tutuguri“ seine wirkmächtige Antwort erhalten.
Die Aufführung von „Tutuguri“ ist der musikalische Beitrag des Musikfest Berlin zum deutsch-mexikanischen Jahr 2016. Die Beiträge setzen sich fort mit Rihms „Concerto Séraphin“, und – passend zur Ausstellung „Maya – Sprache der Schönheit“ im Martin-Gropius-Bau (12. April bis 7. August) – mit Edgard Varèses Komposition „Ecuatorial“, geschrieben auf Texte aus dem „Popul Vuh“-Buch der Maya. Das Programm greift weiter nach Südamerika aus mit dem Orquesta Sinfónica Simón Bolívar de Venezuela unter der Leitung von Gustavo Dudamel. Die Musiker eröffnen ihr der „Turangalîla-Symphonie“ von Olivier Messiaen gewidmetes Programm mit einer „Bacchianas Brasileiras“-Suite von Heitor Villa-Lobos.
Dann geht es mit der Jungen Deutschen Philharmonie wieder nordwärts in die Wüsten von New Mexico, deren Erfahrung sich Varèses Komposition „Déserts“ verdankt. Von der Westküste, aus San Francisco ist John Adams bei den Berliner Philharmonikern zu Gast: Als Dirigent in eigener Sache präsentiert der Komponist seine berühmt gewordenen „Harmonielehre“ und die dramatische Symphonie „Scheherazde.2.“ Das Ensemble Musikfabrik schließlich gastiert mit Musik aus Los Angeles: Kompositionen von Frank Zappa, für Ensemble arrangiert von dem Zappa-Kenner Ali N. Askin.
Musik aus Hollywood
Musik aus Hollywood, aus den Metro-Goldwyn-Mayer Studios bringt das John Wilson Orchestra nach Berlin. Es ist das deutschlandweit erste Gastspiel des 1994 von John Wilson in London gegründeten und bis heute geleiteten Orchesters. Früh fasziniert von den Film-Musicals der goldenen Ära Hollywoods hat der junge charismatische Dirigent aus seiner Leidenschaft für die Musik von Cole Porter über George Gershwin bis zu Conrad Salinger eine Profession gemacht. Für seine Projekte, Shows und Konzerte versammelt er unter dem Namen The John Wilson Orchestra die besten Musiker aus Großbritannien und Europa. Ihre Auftritte bei den BBC Proms sind Legende, beim Musikfest Berlin zelebrieren sie eine erlesene Auswahl der schönsten Titel der Metro-Goldwyn-Mayer-Film-Musicals.
Mit „No More Masterpieces“ und dem Ensemble intercontemporain sowie mit Eisenstein/Prokofjews „Iwan Grosny“ und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin präsentiert das diesjährige Festival auch Filmprojekte mit Live-Musik. Der Katalog der Komponistennamen, deren Werke beim Musikfest Berlin aufgeführt werden, reicht von Bach, Beethoven, Boulez und Busoni über Ligeti, Schostakowitsch und Richard Strauss bis hin zu Richard Wagner und Galina Ustwolskaja. Das Finale gehört Edward Elgars „The Dream of Gerontius“, aufgeführt von der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim, mit Sarah Connolly, Jonas Kaufmann und Thomas Hampson als Solisten.


Internationale Orchester zu Gast in Berlin, Junge Deutsche Philharmonie © Achim Reissner